Bubba präsentiert stolz die ersten paar Johannisbeeren seines Strauches. Wir beobachten den Reifeprozess der Beeren und Pflanzen fast täglich sehr genau.

10 Fragen an vegane Kinder

Wenn ich euch sagen würde, wann ich Vegetarier wurde, wäre das Risiko, dass ihr mein wahres Alter erratet, viel zu hoch. Was ich aber mit Stolz geschwellter Brust sagen kann, ist, dass ich mittlerweile länger fleischfrei lebe, als ich jemals zuvor Fleisch gegessen habe. Am Ende meines Lebens wird die Zeit, in der ich Tiere aß also nur einen Bruchteil ausmachen und die, in der ich es nicht mehr tat, überwiegen. Das macht mich stolz und motiviert mich täglich, meinen Kindern weiterhin ein möglichst tierleidfreies Leben zu ermöglichen.

Bubba Ray wird nun bald drei und hat noch nicht ein einziges Stück Fleisch in seinem Leben gegessen. Mittlerweile starten auch die Unterhaltungen darüber am Esstisch. Er sieht bei der Tagesmutter, dass die Familie Wurst und Fleisch isst und fragt sie ganz offensiv, wieso sie es tun. Das ist sein gutes Recht, schließlich werden wir auch ständig so allerhand gefragt. Denn egal wem und egal wann wir erwähnen, dass wir hier Zuhause 100% vegan leben, kommen sie, die Fragen.

Nach so vielen Jahren und mit unserer wirklich überzeugten und gewissenhaften Einstellung werden wir immer seltener angegriffen. Viele Fragen kommen aus wahrem Interesse für unsere Ernährungsform und die beantworte ich gern, denn schließlich weiß ich, wie einfach die tatsächlich umzusetzen ist, wie gut Kinder das mitmachen und freue mich, wenn ich andere Familien begeistern kann. Aber manche Fragen zielen ganz direkt darauf ab, ein schlechtes Gewissen mitzugeben oder einfach zu verletzen. Auch darauf bereiten wir unsere Kinder nach und nach vor, auch wenn es für sie viel selbstverständlicher ist, als für Außenstehende.

Am heutigen #GrünDonnerstag möchte ich die Möglichkeit nutzen, einige der Fragen, mit denen wir uns oft konfrontiert sehen, aufzulisten und mal aus dem Bauch heraus zu beantworten. Inspiriert hat mich übrigens die zauberhafte Leen von Aufbruch zum Umdenken, die sehr interssiert und informiert an diese Thematik herangeht, weil sie – wie der Blogname verrät – offen ist, umzudenken und Alternativen zu testen. Sie selbst lebt vegetarisch mit einigen Vegan-Tagen und scheint auf einem guten Wege, auch ernährungstechnisch umzudenken. Wer mehr über sie und ihrenBlog erfahren möchte, kann zum Beispiel mal bei der Glucke Dani vorbeischauen, die gerade am Anfang der Woche ein Interview mit ihr veröffentlicht hat. Liebe Leen, ich freue mich über dein Interesse an meiner Meinung und hoffe, du kannst mit meinen Antworten etwas anfangen.

 

Vorhang auf für 10 Fragen, die wir ständig gestellt bekommen, gemischt mit denen, die Leen ständig gestellt bekommt – und meine Antworten darauf.

 

1.) „Aber es ist doch so niedlich, wenn Kinder mit den ersten kleinen Zähnchen eine Mettwurst essen! Und es tut doch dem Gebiss gut. Findest du nicht?“

Nein. Finde ich nicht.

Meine Wahrnehmung ist eine Andere. Ich sehe dann dort kein kleines Kind mit ersten süßen Zähnchen, dass eine Mettwurst ist, sondern vor allem ein getötetes Tier, dessen Reste in eine (echte? künstliche? Welchen Unterschied macht das schon?) Darm-Haut gepresst wurden, mit Gewürzen, Geschmacksverstärkern und Salzen aufgepeppelt wurden, damit sie nicht so nach Verwesung schmecken und in Plastik verpackt haltbar gemacht wurden. Die eigene Wahrnehmung schärfen – das ist sicherlich eine Sache, die damit einher geht, wenn man sich bewusst und aus ethischen Beweggründen gegen das Fleischessen entscheidet. Das bedeutet nicht, dass jeder, der Fleisch ist, dumm ist oder weg sieht – nein nein. Viele leben mit dieser Tatsache trotzdem völlig ohne Schuldgefühle. Ich kann das nicht. Mit dem Wissen und den Informationen der Herstellung und der Produktionswege, finde ich es nicht süß, ein Kind an einer Mettwurst kauen zu lassen, wenn es auch eine Möhre, Gurke, Apfel, Kohlrabi, Paprika, oder oder oder tun würde. Was das mit dem Gebiss zu tun hat, klären wir gleich auch noch, denn…

 

2.) „Unser Gebiss ist aber nicht auf einen vegane Ernährung ausgelegt“ (hört Leen oft)

Koalabären, Rhinozerusse, Gorillas… sind mächtige, große Tiere mit ausgeprägtem, starkem Gebiss und spitzen Zähnen, mit denen sie ordentliche Verletzungen herbei führen könnten – und Vegetarier. Und nun?

Ich habe noch mein ursprüngliches Gebiss (okay, bis auf eine Krone!) und kaue mein Gemüse ganz hervorragend. Selbst WENN meine Backenzähne auch Fleisch kauen könnten, dann ist das ein Goodie der Natur und ich entscheide mich dankend dagegen, es zu nutzen. Deswegen verkümmern meine Zähne nicht, sie verändern sich nicht, es tut sich ehrlich gesagt mal so gar nichts. Es ist ihnen einfach vollkommen egal, meinen Zähnen. Und denen meiner Kinder übrigens auch.

 

Quelle: http://bizarrocomic.blogspot.de/2010/09/freaks.html
Quelle: http://bizarrocomic.blogspot.de/2010/09/freaks.html

 

3.) „Ja, dein Kind bekommt dann aber nicht alles, was es braucht, wenn ihr euch vegan ernährt.“ und „Fleisch muss in die Beikost“  Die Frage danach, wie man den Bedarf deckt…. hört nicht nur Leen oft, sondern auch ich.

Das wirklich Ärgerliche an diesem Vorwurf ist, dass ihn sowohl Vegetarier als auch Omnivor lebende Menschen selten bis nie hören. Und damit sind wir bei der Kiste mit Glaubenssätzen: wer per se davon ausgeht, dass Fleisch und tierische Produkte auf den Speiseplan gehören und sich über den Bedarf dann sozusagen automatisch keine Gedanken mehr macht, läuft genauso Gefahr, sich und seine Familie falsch zu ernähren, wie Veganer. Das Zauberwort ist: ausgewogene Ernährung.

Ich selbst kenne Omnivoren, die überdurchschnittlich gesund und sehr alt sind, genauso wie ich ohne lange nachzudenken vermutlich zwei Hände voll Veganer aufzählen könnte, die absolut keine gesundheitlichen Einschränkungen haben. Das liegt nicht daran, dass die einen besonders darauf achteten, was sie aßen und die anderen eben einfach Fleisch und Milch und Eier zu sich nahmen und damit quasi automatisch gesund sind – nein. Es liegt an bewusster, ausgewogener und bedarfsgerechter Ernährung. Es liegt am Bewusstsein dafür, welche Lebensmittel mir und meinem Organismus gut tun und welche mir schaden. Es liegt am Fokus darauf, WO Lebensmittel eingekauft werden, wie weit sie bis dorthin bereits verarbeitet worden und wie ich sie selbst (und in welcher Kombination womit) zubereite. Ein Dauerbrenner bei dieser Fragestellung ist: Eisen. Um Eisen zu sich nehmen zu können scheint ein Glaubenssatz zu besagen, dass man auf rotes Fleisch nicht verzichten könne. Es ist jedoch Fakt, dass der menschliche Körper zur Aufspaltung und Aufnahme des kostbaren Nährstoffes Vitamin C benötigt. Ich kann also eine Tonne rotes Fleisch essen und trotzdem einen Eisenmangel aufweisen, wenn ich nie Salat oder ein Glas Orangensaft dazu trinke. Der Prozentsatz der Aufnahme einer Mischkost ist nur geringfügig höher – also nicht so, dass eine vegane Ernährung tatsächlich grenzwertige Werte zur Folge hätte. Auf der Website des VEBU gibt es neben wertvollen Informationen auch eine lange Liste der Lebensmittel, die sehr eisenhaltig sind.

Wer seine Ernährung bewusst umstellt, ganz egal aus welchen Gründen, sollte das generell nie ohne eine gründliche Recherche tun. Zu schnell können jegliche Form von Mangelerscheinungen auftreten. Wer behutsam und bewusst, am besten begleitet durch eine gute Ernährungsberatung, seine Ernährung auf vegan umstellt, der tut seinem Körper also nichts schlechtes an. Und ganz genau so ist es bei der Ernährung der Kinder. Vegane, bewusste und bedarfsgerechte Ernährung muss nie gesundheitsgefährdend sein! Das Vitamin B12 ist das Einzige, das immer und direkt bei Beikosteinführung, supplementiert werden sollte. Es wird nie bei einer pflanzlichen Ernährung in der Höhe erreicht, in der der Körper es benötigt und kann Kindern im Wachstum tatsächlich langfristig schaden. Es gibt viele Produkte, die zur Supplementierung für Kinder geeignet sind.

Alle (!) anderen (!) Nährstoffe können bei einer ausgewogenen veganen Ernährung abgedeckt werden und wer auf Nummer sicher gehen möchte, der lässt in regelmäßigen Abständen einen Bluttest durchführen. Mangelerscheinungen werden dort sofort festgestellt und können eben auch direkt behoben werden.

Ein kleiner Tipp am Rande: die vegane Ernährungspyramide ist eine super Gedankenstütze und Helferlein für die wöchentliche Essensplanung der ganzen Familie. In meinem Artikel über den Umstieg in ein grüneres Leben habe ich weitere Tipps zusammen getragen.

 

Die vegane Ernährungspyramide - gibt's bei VEBU.de
Die vegane Ernährungspyramide – gibt’s bei VEBU.de, peta.de und als Poste zu kaufen bei alles-vegetarisch.de

 

4.) „Wenn du ihr Fleisch anbieten würdest, würde sie sicher immer das bevorzugt nehmen“ (hat Leen zu hören gekriegt)

Diesem Punkt stimme ich – bis zu einem gewissen Grad – zu.

In Fleisch und Wurst sind viele Salze und Geschmacksverstärker, Gewürze und Fette (also natürliche Geschmacksverstärker) enthalten. Das ist eben ein bisschen wie mit Süßigkeiten und Chips. Alles, was besonders viel Gewürz und Fett enthält, schmeckt uns am Besten.

Die gute Nachricht ist: Geschmacksnerven sind trainierbar. Genau wie Rezeptoren im Gehirn und Neurotransmitter, das sind nämlich die, die einem nach einem stressigen Tag am Abend erzählen, man müsse jetzt zwingend die ganze Chips-Tüte leer machen, um sich wieder glücklich zu fühlen. Der letzte Punkt benötigt viel Selbstdisziplin und eine „Umschulung“ des Gehirns darauf, dass man sich viel besser, fitter und glücklicher fühlt, wenn man die Chips im Regal lässt und dafür einen großen, frischen, vor Leben nur so knackenden Gemüse-Teller verputzt (Edit: haha, als ob ich das immer schaffen würde…….). Die Geschmacks- und Geruchsnerven, die in Zusammenarbeit dafür sorgen, dass und wie wir Essen wahrnehmen, funktionieren da etwas anders. Also: man kann sich kurzum an neue Geschmäcker gewöhnen. Das bedeutet, dass nur die ersten Wochen nach der Umstellung die Mandel- oder Hafermilch ekelhaft empfunden werden. Wenn aber in genau dieser Zeit gar nicht mehr zur Kuhmilch gegriffen wird, ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Geschmacksnerven sich an den neuen Geschmack gewöhnen und ihn letztendlich sogar als angenehm empfinden, höher. Natürlich gibt es dafür kein Patent: wer keine Hafermilch mag, der mag sie eben einfach nicht. In den allerwenigsten Fällen kann man dann daran etwas ändern. Aber ich habe beispielsweise einfach vollkommen vergessen, wie Fleisch schmeckt. Ich kann mich nicht erinnern. Nach so vielen Jahren sind meine Geschmacksnerven schlicht umtrainiert und kennen den Geschmack nicht mehr. Bis ein Geschmack in Vergessenheit gerät, mag es eine Weile dauern aber der Punkt ist doch: wenn wir unseren Kindern von Anfang an die gesalzene, mit geschmacksverstärkern und Fetten angereicherte Wurst anbieten, polen wir eben auch ihre Geschmacksnerven auf diese extremen, intensiven Geschmäcker und es ist eigentlich keine besonders große Überraschung, dass ihnen Brokkoli und Spinat, die ja an sich eher weniger intensiv sind, ohne Soße oder Beigabe schmecken. Ich muss mir also überlegen, wie ich die Ernährung meines Kindes gestalten möchte.

Übrigens: mit fast drei Jahren schlägt Bubba Ray freiwillig dankend aus, wenn ihm Wurst angeboten wird. Erst letztens beim Bäcker betonte er, dass er auf sein Brötchen auf gar keinen Fall Wurst haben wolle. Bei D-Von bin ich sicher, dass er zur Bifi greifen und probieren würde. Er spricht noch nicht, fragt nicht warum, die Hintergründe interessieren ihn noch herzlich wenig. Also: ja. Mag sein, dass Kinder in den ersten Jahren zugreifen. Aber spätestens, wenn das „Warum“ einsetzt und sie Wahrheiten übernehmen und herausfinden wollen, würde ich dem nicht mehr uneingeschränkt zustimmen.

 

5.) „Wann hast du sie entscheiden lassen, ob sie vegan leben wollen?“

Klassiker. Dann wollen wir mal.

Ich bin nicht nur vegane Mutter, sondern noch dazu großer Fan davon, meine Kinder ihre Erfahrungen selbst machen und sie selbstbestimmt mit uns leben zu lassen. Das bedeutet, dass wir in wirklich vielen Punkten (an den anderen arbeiten wir noch aktiv) auf Erziehung verzichten, soweit das unsere eigene Geschichte zulässt. Wenn ich genau diese Kombination aus veganer Ernährungsform, die für mich kompromisslos ist, und der – vermeintlich – widersprüchlichen Einstellung, meinen Kindern die freie Wahl in allen Punkten zu lassen, erkläre, kommt sie, diese Frage. „Wann hast du sie entscheiden lassen, ob sie vegan leben wollen?“

Und die Antwort lautet: noch gar nicht. Denn es ist eine Entscheidung, die Wissen und Recherche voraussetzt, die das Begreifen und Bewerten von komplexen Zusammenhängen benötigt, die ethische und moralische Werte mit einbezieht und Empathie, Perspektivwechsel und gleichzeitig Eigenkontrolle fordert. All das sind Eigenschaften, die meine Kinder aufgrund ihres Alters entweder noch nicht besitzen oder die ich von ihnen nicht einfordern möchte. Also habe ich entschieden, so wie wir ständig für unsere Kinder entscheiden, so wie wir ständig Wahrheiten an unsere Kinder weitergeben, ständig Spuren hinterlassen, ständig ihr Denken prägen – in allen Bereichen.

Wir haben uns entschieden, unsere Kinder nicht taufen zu lassen. Das hinterfragt keiner. Niemand fragt, wann wir sie haben entscheiden lassen, dass sie ungetauft sein wollen. Diese Entscheidung haben wir getroffen, wir erzählen sie anderen Menschen, die sie wiederum abnicken. Dabei ist es genauso eine Entscheidung von Wert und Moral, wie die unserer Ernährung auch, mit dem Unterschied, dass das Taufen oder nicht Taufen nicht das Leid anderer Lebewesen bewirkt. Versteht ihr, was ich sagen will?

Wir treffen ständig Entscheidungen für unsere Kinder! Selbst die Entscheidung, keine Entscheidung zu treffen, ist eine Entscheidung!

Wenn sie eines Tages analytisch denken können, bereit sind, alle Fakten, die es zu kennen und wissen gibt, zu hören und daraufhin eine ganz eigene, selbst entwickelte und bewusste Entscheidung zu treffen, dann werden sie das tun und dann werde ich sie genau so wenig zu der einen wie zu der anderen Sache zwingen. Und dennoch bin ich zum heutigen Zeitpunkt der festen Überzeugung, dass sie – auch wenn sie die freie Wahl einfordern – gegen das Essen der Tiere entscheiden werden. Denn wir werden Ihnen „unsere“ Wahrheit mitgegeben haben, unsere Werte und ich wünsche mir von mir selbst, diese kompetent und behutsam genug mitzugeben, dass sie nicht eines Tages das Bedürfnis haben, sie abzustreifen.

 

6.) „Und was ist, wenn sie eines Tages doch Fleisch essen wollen?“

Dann werden sie es tun, denn dann werde ich es nicht verhindern können. Dann werden sie große, eigenverantwortliche Menschen sein, die gelernt haben, ihre Entscheidungen kompetent und auf gewissen Grundlagen zu treffen. Weil das eben Werte sind, die wir ihnen vermitteln. Und dann werde ich sie ganz genau so wenig zum Essen oder Nicht-Essen zwingen können, wie ich das seit eh und je kann. Ausführlicher antwortete ich dazu bereits hier: „Das essen wir nicht! Ethisch-moralische Werte in der Kinderernährung und wie wir sie vertreten“

 

7.) „Wie macht ihr das in der Fremdbetreuung? Das kann man ja schließlich nicht kontrollieren!“

Nein, das kann man nicht kontrollieren. Man kann nur vertrauen. Darauf, dass die Menschen, denen man sein Kind überlässt, deine Werte respektieren und sie nicht in deiner Abwesenheit mit Füßen treten – und das gilt nicht nur für die Ernährung. Nein, wenn es mir persönlich nun mal sehr wichtig ist, dass mein Kind IMMER X tut und bekommt und meine Tagesmutter oder Kita genau dieses X nie respektiert, dann geht mein Vertrauensverhältnis, meine Beziehung zu ihnen kaputt. Gebe ich meine Kinder morgens an unsere Tagesmutter, dann erwarte ich, dass die Werte, die wir besprochen haben, Bestand haben. Dass sie sie wahrt und ernst nimmt. Ich kann für unsere wundervolle Tagesmutter nur positives sprechen und mit voller Gewissheit und Sicherheit sagen, dass sie zu jedem Zeitpunkt absolut vorbehaltlos akzeptierte, dass wir und unsere Kinder kein Fleisch essen. Wir handelten Kompromisse aus, steckten persönliche Grenzen ab und leben wirklich sehr im Dialog – und es klappt!

In meinem Gastartikel bei Carmen von den Veganen Familien habe ich einige Tipps aufgeschrieben, wie das Gespräch und die Wertevermittlung in Kita, Kiga oder bei der Tagesmutter aussehen könnte, damit es klappt.

 

Vegan schmeckt - wie man sieht!
Vegan schmeckt – wie man sieht!

 

8.) „Und wenn dein Kind mal auf einem Kindergeburtstag eingeladen ist? Es kann ja nicht ewig der Aussätzige sein!“

Wie gesagt – Bubba Ray wird drei. Bisher war er auf Kindergeburtstagen eingeladen, auf denen ich ihn begleitet habe und auf denen ihm das Essen bisher echt so richtig scheissegal war. Wir nehmen immer etwas mit und das kommt – ganz ehrlich – wirklich immer total gut an, denn die Gasteltern freuen sich im Kindergeburtstagsstress total darüber, dass eine Mutter einen Kuchen gebacken hat. Auf den allerersten Geburtstag, auf dem wir eingeladen waren, hatte ich Muffins und kleine Küchlein mitgebracht, die die Kinder verputzten wie nichts. Vegetarische Ausnahmen sind für mich an solchen Tagen in Ordnung, denn nein, auch ich habe kein Interesse daran, dass mein Kind der Aussätzige ist und sich ständig ausgegrenzt fühlt. Meistens suchen die Eltern ganz gezielt das Gespräch und wenn ich merke, dass die Mutter damit überfordert ist oder schlichtweg keine Berührungspunkte hat, dann biete ich an, für Ersatz zu sorgen – und gut ist es! Ich meine, ganz ehrlich: wo ist das Problem? Es ist nur Essen. Die Kinder gehen nicht zum Essen auf den Geburtstag und den Kuchen essen meine Kinder ja mit. Gibt es Würstchen zum Abendessen? Ja, so what, dann haben sie eben Seitan-Vürstchen in der Tasche oder ich habe mir was anderes ausgedacht und vorher zu den Gastgebern gebracht.

Man kann das Thema natürlich auch verkomplizieren und den Kindern dann ständig das Gefühl geben, wir seien die Verrückten. Oder eben auch nicht. Der Punkt ist: für mich ist die vegane Familienernährung so selbstverständlich wie Atmen. Und weder am Esstisch der Tagesmutter noch auf besagten Kindergeburtstagen wurde das Thema so hoch gehangen, dass man sich ernsthaft ausgiebig darüber unterhalten, geschweige denn darüber diskutieren / streiten musste.

„Ihr seid Veganer?“
„Ja, genau!“

„Oh, was kann der Bubba denn dann essen?“

„Alles, was rein pflanzlich ist 🙂 Was hattest du dir denn überlegt?“

„Ach ich wollte kein Brimborium machen. Es gibt Kuchen und abends sollte es Würstchen und Kartoffelsalat geben!“

„Okay, kein Problem, dann bringe ich dir am Tag vorher einfach ein paar unserer Vürstchen vorbei, die kannst du braten wie „normale“ Würstchen. Den Rest wird ereinfach ausnahmsweise mitessen!“

„Ach super, das ist ja einfach!“

„Genau. Sag ich ja!“ 😉

 

9.) „Aber ist das denn dann WIRKLICH freie Entscheidung, wenn du Zuhause auf keinen Fall etwas kochen willst, das nicht vegan ist?“

Nein, ist es nicht. Es ist wieder eine der Entscheidungen, die ich getroffen habe. Übrigens: genau so erging es meinem Mann, als wir uns kennenlernten. Seine Leibspeise war damals Pizza Hawai, die er sich auch immer kaufte, wenn wir auswärts essen waren. War er bei mir zu Besuch war der Kühlschrank rein vegetarisch (ich war damals noch Vegetarier). Bei gemeinsamen Einkäufen äußerte ich meinen Unmut, wenn er sich Fleisch kaufen und in seiner Wohnung zubereiten wollte und machte ziemlich deutlich, dass diese Option für meine Wohnung nicht bestünde. Als wir zusammen zogen, pendelten wir unsere Kompromisse aus und ich kann mich schon gar nicht mehr erinnern, welche das waren… Ich weiß nur, dass ich noch nie in meinem Leben selbst Fleisch zubereitet, gekocht oder verarbeitet habe (außer einmal in der Berufsschule, das war aber bei meiner Ausbildung Pflicht und eklig genug). Und es dauerte dann auch nicht lange, bis er sich aus freien Stücken entschied, die Fleischgabel liegen zu lassen. Das lag nicht daran, dass ich ihm diese Ernährungsform oktroyiert hatte, sondern dass wir viele, lange Gespräche geführt hatten, in dem ich ihm meine Sichtweise darlegte – weil er gefragt hatte. Und in meinen Augen ist die logische Schlussfolgerung eines intelligenten und zu % informierten Menschen eben die, es sein zu lassen. Aber eben auch nur in meinen Augen, in meiner Wahrheit.

Eines Tages jedenfalls werden meine Kinder kochen können und es wird backen mit Eiern und Milch für sie eben erst einmal nicht geben (außer aus Geschichten und Büchern, denn hier Zuhause backen wir eben nicht so). Es werden hier jede Menge Kochbücher stehen, die ohne all das auskommen. Und die Frage wird sein: werden sie es nutzen, werden sie diese Wahrheit übernommen haben oder nicht? Das wird sich zeigen. Ich jedoch setze die Chancen auf ein Tierleidfreies Leben relativ hoch an – eben weil wir undogmatisch und selbstverständlich damit umgehen. Und sollte ich Unrecht haben und meine Kinder den Drang verspüren, unvegan zu kochen, dann können sie sicher gemeinsam mit ihren Omnivoren Großeltern Gerichte zaubern. Ich bin da jedenfalls raus 😉

 

Sesamstangen mit Vanilleeis. Kannmanmamachen.
Sesamstangen mit Vanilleeis. Kannmanmamachen.

 

10.) „Und was sagen deine Kinder dazu?“

Ich: „D-Von, wie findest du es, dass du Veganer bist?“

D-Von (17 Monate alt): pupst (oder so) und grinst. „Dadada brumm! Ääääh.“

Ich: „Danke und du bist so niedlich!“


Ich: „Bubba Ray, wie findest du es, dass du Veganer bist?“

Bubba Ray: (grinst verschmitzt) „Ich bin doch kein Veganer, ich bin Bubba Ray!“

Ich: „Jaaaa, also, dass du keine Wurst und kein Fleisch isst!“

Bubba: „Nee wir essen doch keine Wurst! Und auch kein Fleisch!“

Ich: „Nee, und wie findest du das?“

Bubba: (schulterzuckend) „Hm, gut!“

Ich: „Ja? Und was isst du gerne?“

Bubba: „Hmmm…. Kekse uuuuund Waffeln uuuuuund Süßigkeiten uuuuuuuuuund….“

Ich: „Eis, ne?!“

Bubba: „Oh ja, Eis! Eis! Eis! Eis mag ich am liiiiiiebsten!“

Ich: „Ach du bist ’n Süßer!“

Bubba: „Nee ich bin doch kein Süßer! Ich bin Bubba Ray!“


Ich: „Aber sag mal Bubba, wir essen ja kein Fleisch ne?!“

Bubba: „Nee, wir nicht, aber Tiere essen Fleisch. Heidi zum Beispiel und [Name der Tagesmutter und ihrer Kinder einfügen] essen das auch!“

Ich: „Ja.“

Bubba: „Warum?“

Ich: „Keine Ahnung, wahrscheinlich weil sie es mögen!“

Bubba: „Warum?“

Ich: „Naja, manche Menschen essen Fleisch.“

Bubba: „Ja, der Oppa auch.“

Ich: „Ja genau, und die Omma.“

Bubba: „Ja, aber wir nicht. Ne, Mama? Fleisch stinkt auch.“

Ich: freue mich, küsse seinen Kopf und finde selbst, dass Heidi’s Futter (Heidi ist unser Hund) immer sehr stinkt.


Oder mit anderen Worten: aktuell sagen sie gar nichts dazu. Sie hinterfragen es aber auch nicht. Es ist unsere Wahrheit, unsere Entscheidung, es ist für unsere Kinder selbstverständlich und die Problematik, die irgendwie die ganze Welt darin sieht, die sehen sie nicht.

Und ich hoffe, ich kann ihnen dieses Gefühl noch sehr lange bewahren.

 

Was werdet ihr gefragt?

Hört ihr auch oft Fragen zu eurer oder der Ernährung eurer Kinder? Wie geht ihr damit um? Fühlt ihr euch angegriffen oder steht ihr darüber? Wie kontert ihr? Habt ihr vielleicht selbst Fragen, bei denen ihr oft nicht wisst, was ihr antwprten sollt? Falls dem so ist, dann hinterlasst mir doch einen Kommentar. Wir sammeln und machen einen zweiten Teil daraus – ich würde mich freuen!

Bilder: shutterstock.com / ÖkoHippieRabenmütter / peta.de / bizarrocomic.blogspot.de / pixabay.de
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