10 Glaubenssätze, von denen du dich verabschieden kannst

10 Glaubenssätze, von denen du dich verabschieden kannst

Jeder von uns glaubt. An irgendwas. Oder an sich selbst. Manchen von uns erkennt man auch an so ganz klaren Zielen und Vorstellungen, die er oder sie stets vor Augen hat. Vielleicht hast du auch Erwartungen an dich und die Welt und vielleicht auch den Elan, alles umzusetzen. Du glaubst. An dich, an bestimmte Dinge, vielleicht an eine höhere Macht. Du glaubst überhaupt und dein Vertrauen in diesen Glauben lenkt dich. Und macht dich irgendwie auch aus. Manches davon ist eher so unterbewusst. Manches ist ziemlich vordergründig. Es macht dich aus und das, was du von deinem Leben und anderen erwartest.

Kommt dir bekannt vor? Bestimmt. Denn wir alle haben sie, nicht alle mögen wir und nicht alle bringen uns wirklich an unser Ziel – aber sie sind da: Glaubenssätze.

Glaubenssätze

Glaubenssätze sind sozusagen innere Wahrheiten, die dein Gemüt bestimmen, die ausmachen, was du von dir selbst denkst und erwartest und wie es dir möglich ist, auf andere zuzugehen. Was du von anderen und der Welt denkst und erwartest. Ganz kurz zusammen gefasst, natürlich.

Manche von ihnen sind ganz leise in uns, fallen uns vielleicht auch gar nicht auf – außer, wenn sie Probleme machen. Doch, das Tückische an ihnen ist: Besonders laut werden viele dieser inneren Glaubenssätze nicht einfach so im Alltag, beim Schuhe-Zubinden oder Brote schmieren. Zumindest nicht, wenn du kein Kind hast.

Kommt allerdings dein Kind durch die buchstäbliche Tür, werden einige von ihnen sehr, sehr laut. Das können anfangs ganz einfache Dinge sein, wie z.B., dass deine innere Stimme dir verbietet, dein Baby bei offenem Fenster schlafen zu lassen, weil es sonst „Zuch“ kriegen könnte. Oder dass irgendwas drinnen in dir flüstert, dass du dein Baby bloß nicht an irgendeinen Luxus gewöhnen solltest, weil dir das nämlich sonst irgendwann um die Ohren fliegt. Oder, ja, beim Schuhe-Zubinden. Wenn dein Kind ein riesen Fass aufmacht und du leise, ganz tief drinnen denkst: „Meine Fresse, jetzt STELL DICH NICHT SO AN!“

 

Versteht mich nicht falsch: ich bin Glaubenssätze-Fan!

Einige finde ich unerlässlich. Und viele würde ich mir auf die Haut tätowieren. Manche Glaubenssätze sind so wichtig, dass ich sie mir selbst, meinen Kindern und allen Frauen, die zur Beratung zu mir kommen, immer wieder predige.

„Wir sind viele. Ich bin nicht allein.“

„Du bist gut, wie du bist.“

„Ich gebe mein Bestes.“

„Das Gegenteil von gut ist gut gemeint“

„Wo Bedürfnisse gestillt werden, entsteht Freiheit“

„Ein Nutellabrot pro Tag kannste dir leisten“

Ihr seht, in welche Richtung das geht.

Aber Glaubenssätze können einen auch ganz schön verwirren. Zum Beispiel dann, wenn man immer wieder eine innere Frage spürt, immer wieder eine innere Stimme hört, die einem einreden will, dass das, was man gerade fühlt, tut und denkt, nicht richtig sein kann. Dass es gefährlich sein könnte. Dass man gerade so richtig Mist bauen könnte.

Auch ich hatte sie, diese innere Stimme, die mich ständig und immerzu verwirrt hat, meine Mutterschaft in Frage stellte und mich manchmal wochenlang ratlos in der Luft hängen ließ. Sie war da, als Bubba nicht schlief und sorgte dafür, dass ich tausend Dinge probierte, um dafür zu sorgen, dass er es tut. Sie meldete sich auch, als sein Bruder geboren und er zusehends aggressiv autonom wurde. Sie fragte mich schnippisch und zickig, ob es denn JETZT nicht mal so langsam Zeit sei, dem Kind seine Grenzen zu zeigen.

Und sie war da, als ich das Wunschkind-Buch las und fragte mich: wirst du das wirklich jemals schaffen? Mich auszuschalten? Wirst du mich wirklich jemals los werden?

 

Die innere Stimme

Danielle und Katja schreiben in ihrem Buch zu dieser „inneren Stimme“ das Folgende:

„Das Bauchgefühl, auch Intuition genannt, ist eine Erkenntnis, die einem schnell, ohne den Umweg über den langsameren Verstand, eingegeben wird. Das geht aber nur, wenn sich unser Gehirn vorher intensiv mit einer Sache auseinander gesetzt hat. Diese kognitive Auseinandersetzung bemerken wir in der Regel gar nicht – als wir selbst Baby und Kleinkind waren, wurden wir und unsere Geschwister von unseren Eltern versorgt. Das allein schon genügt, um einen Basisschatz an Wissen über den Umgang mit Babys zu erlangen. Dieser ist dann im Laufe unseres Heranwachsens in das Zentrum des Gehirns gerutscht, das für das Unterbewusste zuständig ist. Kommen wir nun in eine Situation, die für uns scheinbar neu ist – wenn wir schließlich selbst ein Kind haben -, arbeitet sich manchmal so ein kleines Fünkchen Wissen aus dem Unterbewusstsein hoch und wir haben ein Bauchgefühl.

Intuition ist demnach kein 6. Sinn, sondern ein unbewusstes Zugreifen auf Erfahrungen aus der eigenen Kindheit. Wenn Eltern also nach ihrem Bauchgefühl handeln, erziehen sie im Prinzip unbewusst genauso, wie ihre Großeltern und Eltern erzogen haben. Diese Tatsache ist gut und schön, wenn man selbst eine feinfühlige, sympathisch reagierende Mutter hatte, die alle Signale zeitnah und richtig entschlüsseln konnte und Bedürfnisse liebevoll befriedigt hat. Ist man jedoch in Europa aufgewachsen und die Vorfahren entstammen einer Generation, die mit der schwarzen Pädagogik aufwuchs, ist es vielleicht nicht schlecht, sein eigenes Bauchgefühl noch einmal zu überdenken, denn dann ist es gut möglich, dass es einem im wahrsten Sinne des Wortes eingebläut wurde.“ (S. 71/72)

 

Ich las diese Zeilen und klappte das Buch zu. In mir brodelte es, denn mir wurde genau in diesem Moment klar, dass dieser ständige Zwiespalt, den auch ich als Mutter gefühlt hatte, zwischen „Mein Kind muss XY schließlich irgendwie lernen“ und „Aber doch nicht so, oder?!“ seine Berechtigung hatte und gehört werden musste. Noch am gleichen Tag schrieb ich Snowqueen auf Twitter an um mich in gewisser Weise zu bedanken. Ich hatte begriffen, wieso mich mein „Bauchgefühl“ immer in falsche Bahnen versuchte zu lenken.

 

Glaubenssatz-Decluttering: diese 10 Glaubenssätze kannst du wegwerfen!

Was ich also tat war, diese Stimme zu hinterfragen. Sie ernst zu nehmen und bewusst hinzuhören. Nach und nach lernte ich meine inneren Glaubenssätze, die so häufig meine Beziehung zu meinen Kindern und meinem Mann beeinflussten, kennen, zu hinterfragen und zu sortieren.

Wer den Link zur Rezension des Wunschkind-Buches nicht geklickt hat, der hat noch nicht gesehen, dass ich das Buch im Oktober und November las. Und nun ist Februar. Das Loslassen all dieser Glaubenssätze hat mich definitiv befreit – aber nicht von heute auf Morgen. Vorher waren es viele wache Stunden, viel Bewusstmachung und viel Arbeit.

Nun, es sind sicher weit über 100, die ich bearbeitet, weggeworfen oder gerade am ins-Positive-umkehren bin und nicht alle sind für diesen Blog geeignet. Aber diese 10, die ich euch hier aufliste, die nervten so sehr, dass ich sie eliminierte – und das solltet ihr auch tun.

 

10 Glaubenssätze, von denen du dich verabschieden kannst
Ausmisten, jetzt!

 

1.) „Jetzt muss er/sie aber…“ – Nein. Es gibt keine Zeit für irgendwas

„Jetzt ist er 6 Monate. Er sollte anfangen zu essen.“

„Jetzt wird er 3 Jahre alt. Er sollte trocken sein“

„Er geht seit einem Jahr zur Tagesmutter! Er müsste morgens nicht mehr heulen!“

„Er braucht das eigentlich nicht mehr!“

Vor allem den letzten Satz höre ich, wenn es um das Stillen geht, sehr häufig. Erreicht das Kind ein bestimmtes Alter, dann erwartet die Gesellschaft gerne mal irgendwas. Dass es abgestillt wird, zum Beispiel. Und hat eine Frau diese Fragerei dann nur oft genug gehört, dann entsteht in ihr die Frage danach, ob die anderen nicht vielleicht doch Recht haben könnten. Ob sie vielleicht gerade den befürchteten Tyrannen groß zieht. Ob das Kind mit drei Jahren denn nicht wirklich mal die Einkaufstüte oder mit 6 Jahren den schweren Ranzen den ganzen Weg nach Hause allein tragen könnte.

Dein Kind kann das. Wenn es so weit ist. Vertraue und lass sie reden.

 

2.) „Als Mutter muss ich immer alles geben!“ – Nein. Du musst nicht immer dein „Alles“ geben – und nicht mal rund um die Uhr dein „Bestes“

Kurz nach der Geburt von D-Von wurde Bubba bedürftiger denn je zuvor. Ich schnallte Dee in ein Tragetuch, um die Hände für Bubba frei zu haben. Doch das reichte nicht. In meinen Armen war nämlich für ihn gefühlt zu wenig Platz für eine anständige Umarmung. Also schnallte ich Dee auf den Rücken. Trotz Schleimbeutelentzündung und Schmerzen. Tragen ist ja schließlich das Wichtigste für die Bindung und für Bubba müsste ich auch da sein. Doch es reichte nicht. Ich schnallte mir also das Baby in der Trage auf den Rücken und bot Bubba das Tuch vorm Bauch an. Trotz Schleimbeutelentzündung und Schmerzen trug ich täglich mehr als 20kg mehr als mein eigenes Körpergewicht. Doch: es reichte nicht. Es reichte nie.

Bubba schrie und weinte und schmiss mit Dingen nach mir. In meiner inneren Erwartungshaltung war so tief verankert, dass ich „alles“ geben müsse, damit das hier klappte. Dass ich ständig mein „Bestes“ geben müsste, damit meine Kinder glücklich sind. Heute weiß ich, dass diese viele Binderei und Schlepperei und Macherei unserer Bindung weder gut noch schlecht tat, es machte einfach nur zusätzlichen Stress. Ein Loslassen dieser inneren Erwartung an meine Mutterschaft und ein Hin zu Ruhe, sich Treiben lassen und auch einfach mal nicht mein Bestes sondern vielleicht einfach nur was ganz nettes zu geben, das tut uns allen langfristig echt besser.

 

3.) „Ich bin immer für meine Kinder da, rund um die Uhr.“ – Nein. Du bist nicht alles, was deine Kinder brauchen.

Ich fragte nie um Hilfe. Ich beanspruchte sie auch nicht. Ich war der Meinung, dass ich das hier alleine wuppen und hinkriegen müsse. Ich sagte meinem Man, dass ich „schon klar käme“ und allen anderen meistens nix. Ich fragte mich, wieso alle das schaffen, nur ich nicht. Und dann explodierte die Bombe. Niemand war hier gelassen und glücklich, niemand war frei. Ich war 24/7 Mutter und dazu noch allein.

Ich musste mir eingestehen, dass ich das hier weder alleine schaffen könnte, noch müsste. Es ist der Grund, weshalb meine Kinder weiterhin in die Tagesbetreuung gehen, obwohl ich sowohl von Zuhause arbeite als auch theoretisch die Möglichkeit hätte, sie selbst zu betreuen. Andere Menschen bereichern unser Familie seither. Die Tagesmutter, die Großeltern mit regelmäßigen Tagen, Shane, der fast jeden Nachmittag hier ist, eine Haushaltshilfe, die die Wohnung zweimal im Monat sauber hält. Nein. Ich bin nicht der einzige Mensch auf der Welt, den meine Kinder brauchen. Sie brauchen viele Menschen mehr! 

 

4.) „Das geht nicht!“ – Doch. Deine Grenzen sind nicht ihre Grenzen

Wenn jemand zu dir sagt: „Es funktioniert nicht, so wie du es machst“, wie fühlst du dich dann? Ich habe den Satz oft gehört. Es klappt nicht bei euch. Es funktioniert nicht. Ihr macht es nicht richtig. „Deine Theorie ist ja ganz nett aber du siehst doch – es funktioniert nicht!“ Dabei will man doch, gerade als Mutter, so schrecklich gern alles richtig machen. Und dann las ich einen Spruch, der in mir etwas veränderte:

 

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Quelle: Pinterest. *klick* aufs Bild

 

Funktionieren – das klingt so mechanisch. Und was soll das im Zusammenhang mit Familie eigentlich überhaupt bedeuten? Wie sieht denn so eine funktionierende Familie aus? Da kriegt jeder morgens seinen Laufzettel, arbeitet seine Schritte ab, unterschreibt und reicht es bei der Buchhaltung ein? Familienleben funktioniert nicht. Familienleben ist. Irgendwas. Nur nicht mechanisch.

Und wenn mir jemand sagt: „Langzeitstillen schön und gut, aber du schläfst ja nicht. Es funktioniert ja nicht!“ – dann weiß ich, dass die Grenze meines Gesprächspartners erreicht ist, wenn er unter starkem Schlafmangel leidet und dass es sein gutes Recht wäre, sein Kind deswegen nicht so lang zu stillen, wie ich. Und es heißt nichts weiter, als das.

 

5.) „Meine Kinder müssen etwas tun, damit…“ – Nein. Deine Bedürfnisse sind nicht ihre Bedürfnisse

Wenn meine Kinder in der Wohnung spielen, sieht es kurz darauf meistens aus wie Berlin  ’45. Und ich fühle mich dann damit schnell überfordert. In mir wird das Bedürfnis nach äußerer Struktur und Ordnung laut. Ich bitte meine Kinder nach dem Spielen aufzuräumen, was sie grundsätzlich nie tun, weil sie es hassen. Ich räume selbst auf und ärgere mich dabei die ganze Zeit. In mir wacht die Stimme auf und brüllt, dass ich diese unerzogenen Blagen endlich mal zu Ordnung erziehen soll! Das geht ja so nicht 😉

Und ich weiß: mein Bedürfnis ist Ordnung. Das Bedürfnis meiner Kinder ist spielen. Sie wollen mir damit nicht  auf der Nase herum tanzen und mich nicht in den Wahnsinn treiben. Sie wollen einfach spielen. Sie haben gerade einfach andere Bedürfnisse. Ihre sind nicht meine. Ihr Leben ist nicht meins. Koch dir einen Kaffee. Und gleich geht es wieder.

 

6.) „Was denken die anderen nur von mir…“ – Egal! Es ist wichtiger, was deine Kinder von dir denken, als, was andere von dir denken

Es ist ein Punkt, den mich mein hochsensibles Kind lehrte – der damit aber eigentlich gar nichts zu tun hat.

Für meinen Bubba ist es wichtig, dass ich, wenn ich sage, dass wir zum Einkaufen waren, auch direkt zum Einkaufen fahre. Eine Änderung der Route oder ein Zwischenstopp irgendwo kann ihn aus der Fassung bringen. Wenn ich verspreche, dass ich ihn mittags abhole und sein Laufrad mitbringe und es dann aber vergesse, dann wird (!) das (!) in (!) einem (!) Tränenmeer (!) enden (!). Bubba Ray verlässt sich auf meine Versprechen, er bindet sich an sie und er verpflichtet mich dazu, mich daran zu halten. Dadurch ist es mir über alle Maßen wichtig geworden, verbindlich zu sein. Mich an die Dinge, die ich sage und verspreche, auch zu halten – in allen Punkten. Und wenn das Versprechen lautet, ihn bedingungslos durch seine Emotionswelt zu begleiten, dann sitze ich auch mal einige Minuten im Schneidersitz auf dem dreckigen Boden im Supermarkt oder stille mein Kleinkind auf dem Waldweg sitzend. Und ehrlich – mir ist dabei nur wichtig, was meine Kinder von mir denken (Okay okay, in ein paar Jahren wird das „Boah Mama bist du peinlich!“ sein, aber da reden wir dann noch mal drüber) und nicht, was der Rest der Welt sieht.

Gleiches gilt, für jedes Verhalten meiner Kinder. Wenn sie z.B. in einem Restaurant ohne Kinderecke durch den Laden rennen, sind sie mir nicht peinlich. Nicht mehr. Lange nicht mehr. Und auch nicht, wenn die Leute doof gucken. Wenn die doof guckenden Leute angepasste und gerade sitzende Kinder als Idealbild haben – dann ist das deren Idealbild. Nicht meins. In meinem Hippie-Paralleluniversum toben freie Kinder lachend durch die Welt und werden nur gebremst von – richtig, Punkte 4, 5, 7 und 8: natürlichen Grenzen. Wie zum Beispiel der geschlossenen Tür. Oder einer Tischkante. Oder mir, wenn ich brülle, weil sie sonst die Kellnerin umlaufe. 😉 Gut, geschummelt. Ihr wisst, was ich meine.

 

7.) „Ich kann ihm/ ihr nicht alles durchgehen lassen!“ – Stimmt. Aber Grenzen gibt es genug – von ganz allein

Manchmal habe ich schwere Tüten, ein quengelndes Baby und die Scheibe kratzen muss ich auch. Bubba schmeißt sich dann gern auf den Boden und will auch getragen werden. Und manchmal zickt meine innere Stimme dann: „Alter!!! Der ist D R E I! Der kann laufen jetzt!“ Und dann fauche ich, dass er doch schließlich sehen könne, dass ich schon so schwer zu tragen habe. Ich fordere also von ihm, mich zu sehen und meine schwere Last anzuerkennen, selbst zu laufen und nicht auf meine Hilfe angewiesen zu sein, wie so ’n Erwachsener. Ihn zu bitten, das Stück zu laufen oder zu warten bis ich alles im Auto habe, ist was anderes (siehe Punkt 2). Der Grund ist dann aber meine Grenze (Punkt 4) und mein Bedürfnis (Punkt 5) und nicht sein Alter.

Und genau so wenig sollte es – in meinen Augen die Erziehung sein. Denn wer weiß, welche Grenze deines Kindes gerade erreicht ist? Vielleicht tun die Beine weh, der Morgen war hart bei der Tagesmutter und du hast in den letzten 24 Stunden 2,68 Mal mit dem kleinen Bruder geschäkert aber nur 1,74 Mal mit ihm/ihr? Ich bin nicht der Meinung, dass Kinder nie Rücksichtnahme erlernen sollten / können. Und doch stelle ich die Frage: wodurch erlernen sie es wirklich? Wenn jemand auf ihr Gefühl der Schwäche Rücksicht nimmt, sie trägt und tröstet oder wenn dieser jemand stattdessen schimpft und zetert, er solle jetzt gefälligst….?

Aber das besprechen wir auch noch mal in einem separaten Artikel.

 

8.) „Es ist zu kalt / zu warm / zu windig / zu…. für…“ – Kinder werden ständig krank. Mit Mütze oder ohne!

Mein Gott, das Mützen-Thema. Also. Kinder mit starkem Hang zur Mittelohrentzündug mal ausgeklammert. Aber was haben alle mit dieser Schal-Mütze-Lobhudelei? Meine Kinder sind regelmäßig krank und schleppen einfach alles an, was in der Krabbelgruppe gerade so die Runde macht. Übrigens auch dann, wenn sie ihre Mütze tragen. Und so gehen hier Kinder eben auch manchmal in Strumpfhose auf den verschneiten Balkon und ohne Mütze in den winterlichen Garten. Was schadet langfristig mehr – es nie probieren zu dürfen oder der Schnee an den Füßen?

 

9.) Streiche „…nicht“ aus deiner Gedanken-Sprache

Dein Gehirn kann nicht nicht denken. Also, im wahrsten Sinne des Wortes. In meiner Ausbildung zur FamilySteps Kursleiterin gab es eine wunderbare Übung, die genau dies verdeutlichte. Die Gruppe überlegte sich eine Figur für eine Teilnehmerin, in der sie zu sitzen / stehen oder liegen habe. Wir riefen die Person, die unsere Kommandos befolgen sollte in den Raum und beschrieben ihr, wie sie sich nicht zu verhalten habe. Wir brauchten ungefähr 10 – 15 Minuten. Dann verließ sie wieder den Raum, wir überlegten eine neue Position, sie kam wieder herein. Dieses Mal durften wir ihr zwar nicht sagen, wie sie sich zu setzen habe, aber die einzelnen Bewegungsabläufe, die sie in diese Position führten, durften wir nennen. Nach drei Aufforderungen saß sie so, wie wir es uns vorher überlegt hatten. Der Punkt ist: würde ich euch bitten, jetzt nicht an das rauschende Meer zu denken, würdet ihr es trotzdem unweigerlich tun.

Positive Gedankensprache hilft uns, uns zu fokussieren, nicht zu vergleichen und sich auf das zu besinnen, was wir eigentlich erreichen wollen. Stellt euch vor, ihr möchtet, dass euer Kind die Jacke anzieht.

„Kind, zieh nicht die Schuhe an. Und nicht den Schal. Setze nicht die Mütze auf. Gehe nicht hinaus. Gehe nicht in den Flur. Ziehe nicht die Weste an“ und so weiter. Nicht sehr zielführend, oder? Bis man endlich dort ist, wo man hin will, vergeht wertvolle Zeit und es entsteht, genau, Stress.

Positiv denken klingt also erstmal völlig romantisch und kitschig – betrachten wir aber den eigentlichen Wortsinn, dann wird klar, was gemeint ist. Versucht es mal!

 

10.) History repeats itself? Nein. Du hast alle Macht!

Seit einigen Monaten gehe ich gedanklich mit dem Hinterfragen meines Bauchgefühls schwanger. Doch den Anstoß für diesen Artikel hat mir das Buch Das Kind in dir muss Heimat finden: Der Schlüssel zur Lösung (fast) aller Probleme von Stefanie Stahl gegeben. Eigentlich (so ehrlich will ich bereits an dieser Stelle sein und nicht warten, bis die Rezension kommt) geht es da um ganz andere Glaubenssätze. Um eigentlich viel tiefere und eigentlich auch um jene, die einen so richtig blockieren können – in allen zwischenmenschlichen Situationen. Doch der Punkt ist, dass diese so tief verborgenen eben auch ganz großen Einfluss haben auf unsere Intuition, auf unser Bauchgefühl und unsere innere Stimme. Und das Beste: das Buch ist ein wahnsinnig guter Leitfaden, um mit ihnen aufzuräumen.

Diesen Prozess habe ich nicht beendet aber er hat mir geholfen, viele der Dinge, die schon lange nicht mehr in unser Leben passten, wirklich und tief drinnen, zu radieren. Mir ist klar geworden, dass die Geschichte sich nicht automatisch wiederholt. Dass man nicht seine eigenen Eltern, die eigene Erziehung und die eigene Geschichte ist. Dass man nicht das Leben seiner Kinder führt und dass man abschließen kann. Und neu anfangen.

Im Grunde haben wir alle zu jedem Zeitpunkt die volle Macht über unser Leben. Selbst dann, wenn äußere Umstände uns vermeintlich einschränken. Die Macht obliegt uns. Und es ist auch an uns zu entscheiden, wie wir sie anwenden. Gegen oder für wen. Wann und wo. Und wie intensiv.

Die Macht der letzten Wochen lenkte ich ganz bewusst auf das Aussortieren alter Glaubenssätze und ich bin meinem Ziel, nicht an meinen Kindern rum zu erziehen, noch viel näher gekommen.

Und jedem/-r Einzelnen von euch wünsche ich, dass ihr das auch schafft.

 

10 Glaubenssätze, von denen du dich verabschieden kannst

 


 

Und diese Bücher möchte ich dir noch mit auf den Weg geben:

Stefanie Stahl: Das Kind in dir muss Heimat finden: Der Schlüssel zur Lösung (fast) aller Probleme

Danielle Graf & Katja Seide: Das gewünschteste Wunschkind aller Zeiten treibt mich in den Wahnsinn: Der entspannte Weg durch Trotzphasen

Herbert Renz-Polster: Menschenkinder: Artgerechte Erziehung – was unser Nachwuchs wirklich braucht

Susanne Mierau: Geborgen wachsen: Wie Kinder glücklich groß werden und Eltern entspannt bleiben

Rolf Sellin: Ins Herz getroffen: Selbsthilfe bei seelischen Verletzungen

Regine Gresens: Intuitives Stillen: Einfach und entspannt – Dem eigenen Gefühl vertrauen – Die Beziehung zum Baby stärken

Nicola Schmidt: artgerecht – Das andere Baby-Buch: Natürliche Bedürfnisse stillen. Gesunde Entwicklung fördern. Naturnah erziehen

Nicola Schmidt & Julia Dibbern: Slow Family: Sieben Zutaten für ein einfaches Leben mit Kindern

 

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