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Mutter&Söhnchen: Marsha über alles andere als #ZweiunterZwei

Marsha betreibt ein wirklich schönes, durchdachtes und lesenswertes Blog mit dem Namen Mutter&Söhnchen. Sie hat einen kurzweiligen, mitreißenden Schreibstil und wer Mutter&Söhnchen nicht kennt, hat einiges verpasst. Geht sie auf jeden Fall mal besuchen!

Vorher aber lest ihr mal ihre Worte dazu, wieso auch ein größerer Abstand für sie nicht automatisch das Paradies ist und ich gebe zu – sie zählt dort Dinge auf, an die ich im Leben nicht gedacht hätte! Kein Wunder: ihre Kinder sind 4 Jahre auseinander und damit gute 30 Monate mehr als meine, zum Beispiel. Marsha bildet übrigens auch den Abschluss dieser Reihe und das – wie ich finde – mit einem wirklich großartigen und so wahren Fazit. Aber lest selbst.

 

Vorhang auf für Marsha und alles andere als #ZweiunterZwei

 

Ich bin Marsha und blogge auf Mutter&Söhnchen über meinen Alltag allein unter Jungs. Meine Söhnchen sind 5,5 Jahre und 1,5 Jahre alt. Ja, genau. Ganze vier Jahre Altersabstand haben die beiden.

Das müsste doch easy zu wuppen sein, oder? Ist es aber nicht – jedenfalls nicht immer.

Auch ich bin unendlich müde. Und auch ich lebe manchmal am Limit. Und Sport – tja, den habe ich ebenfalls seit Jahren nicht gemacht. Denn in manchen Situationen ist ein großer Altersunterschied kein Vorteil. Ja, und oft ist das Alter von Geschwistern vielleicht gar nicht ausschlaggebend.


Sohn1 war ein absolutes Bilderbuch-Anfängerbaby. Er schlief mit vier Monaten allein, wachte höchstens einmal die Nacht auf. Er beschäftigte sich tagsüber viel selbst und war immer gut gelaunt. Mit 10 Monaten konnte er laufen, flitzte herum und war – Schwuuups – auf einmal ein trotzendes Kleinkind. Das erste Trotzjahr empfanden wir als Elternpaar ultra anstrengend im Vergleich zu den Babymonaten. Und schrieben den Wunsch „Geschwisterkind“ erstmal ab.
Der dann nach einem Babyboom im Freundeskreis wieder sehr präsent war. Vor allem ich als Einzelkind wünschte mir für meinen ersten Sohn Gesellschaft. Einen Verbündeten. Ein festes Band, dass es nur unter Geschwistern gibt und das ich selbst nie erleben durfte. Bis ich meinen Mann von den Vorteilen überzeugen konnte, dauerte es jedoch noch ein paar Monate. Der große Altersunterschied war zwar gewünscht, aber dass er so groß ausfallen würde, war nicht ganz geplant.
Ich muss gestehen – schon die Schwangerschaft war mit meinem sehr verständnisvollen Jungen relativ entspannt. Ein Vierjähriger, der nicht sauer war, dass ich im heißen Hochsommer nicht ins Schwimmbad oder in die Sonne mochte. Gerade die letzten Wochen ließ er mich oft auf der Couch schlafen, während er alleine spielte. Und am Wochenende schliefen wir oft zusammen aus. Tja, bis hier hin war alles easy.

Doch mit der Geburt des kleinen Bruders fielen wir als Eltern aus unserem flockigen Ein-Kind-Leben knallhart in die Realität.

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Auf einmal waren wir wieder im Babyrhythmus. Mit einem Säugling, der eben nicht so gut schlief, der ständig getragen werden wollte, Blähungen hatte und nach dem Stillen spuckte.
Sohn1 hat ziemlich viel zurückstecken müssen, auch wenn wir uns als Eltern aufteilten. Denn seine Unternehmungswünsche waren so ganz anders als das, was wir nun als Familie bieten konnten. Kino, Kindertheater, Rummelplatz – alles nur mit Papa möglich. An Mama hing permanent das Baby, das schrie und von dem Sohn1 „Kopfschmerzen“ bekam.
Irgendwann muckte Sohn1 auch auf. Wir hatten hier eine Zeitlang Ausraster, bei denen wäre Klaus Kinski vor Neid erblasst. Und als Sohn2 mobil wurde, wurde es noch anstrengender. Ich sag nur Kleinteile. Ihr könnt euch vielleicht vorstellen, wie viele kleine Dinge so ein Vierjähriger hortet. Und da zähl ich die Millionen Legosteine NICHT dazu. Noch heute ist das Zimmer vom Großen absolute Sperrzone für den Mini. Denn der nimmt die Kleinteile nicht nur in den Mund, er zerfetzt auch Bücher, reißt Poster von den Wänden und malt mit Filzstift auf allem, was ihm verschönerungswürdig erscheint. Und das scheint in seinen Augen echt VIEL zu sein. Grrrr.
Allein diese Hinterhergerenne gepaart mit Verboten und „Sachen abnehmen“ macht mich wahnsinnig. Und mir graut es schon davor, wenn der kleine Kerl die Türklinken aufbekommt. An Durchschlafen ist hier übrigens auch noch nicht zu denken. Der Mann betreibt seit 1,5 Jahren konsequente Bettflucht. Denn er schläft auf der Couch, wenn der Mini nachts Gesellschaft wünscht. Und das kann zwischen 1 und 4 Uhr jederzeit möglich sein. Wenn der Große zu Spielfreunden gebracht und abgeholt wird oder wir bei der Karatestunde sind, muss der Kleine immer mitgeschleppt werden. Und auch dort wieder großes Hinterhergerenne. Denn die Wohnungen der Spielfreunde sind schon lange nicht mehr kleinkindsicher.

Oft denke ich, dass ein geringerer Abstand einfacher gewesen wäre.

Wenn wir nicht mehr als zwei Jahre ein easy going Elternleben genossen hätten. Wenn wir uns nicht an einen normalen Schlaf zurück gewöhnt hätten. Wenn ich nicht die Filzstifte und Scheren ständig vom Boden aufsammeln müsste. Wenn ich nicht wegen jedem verschwundenem Legoteil besorgt sein müsste, weil wir einfach noch kein Lego im Haus hätten. Und wenn wir einfach mit einer kleinkindgerechten Unternehmung zwei Kinder glücklich machen könnten.

Gibt es den perfekten Altersabstand? Ich denke nein.

Alles hat seine Vor- und Nachteile. Hauptsache, beide Geschwister haben dieses innige Band. Diesen Geschwisterplüsch. Er war bei uns von Anfang an da. Wie ein zarter Zauber, der mit der Zeit immer stärker wird. Und das ist einfach wundervoll und macht jede unruhige Nacht und jeden Frust wett.
Die ersten Jahre mit zwei Kindern sind eben kein Ponyhof – ganz unabhängig vom Alter.

Also durchhalten. Schlafen können wir noch, wenn wir alt sind.

 

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