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„Als ich anfing, mich so anzunehmen, ging es bergauf“ – Dani bei #HochsensibleMütter

Zu Gast ist heute Dani, die Glucke, die ihr (hoffentlich!) von ihrem Blog Glucke und so kennt. Dani ist Prinzen-Mama und 33 Jahre alt. Ich habe sie als Seele von Mensch kennengelernt und genau so liest sich auch dieser Beitrag über ihre Hochsensibilität.

Es gibt Berater und Fachleute, die unter hochsensiblen Menschen noch einmal in hochsensibel und hochsensitiv unterscheiden. Letztere haben – neben den „klassischen“ Anzeichen der permanenten Überstimulierung durch den fehlenden Filter, der sie alle sie umgebenden Reize aufnehmen lässt, der leichten Reizbarkeit, fehlender Selbstregulierung, großer Empathie etc. – sehr stark ausgeprägte Sinnesfähigkeiten. Jeder von uns kennt „so einen“, der Stimmungen in einem Raum scannen kann, eine besonders feine Nase hat oder extrem gut hört / sieht / riecht / fühlt – oder eben alles zusammen. So wie Dani.

 

Vorhang auf für Dani bei #HochsensibleMütter


 

Du bist hochsensibel. Seit wann weißt du davon? Hast du einen Test gemacht und wenn ja welchen? Und woran bemerkst du deine eigene Hochsensibilität am Deutlichsten?

Ich weiß eigentlich schon sehr, sehr lange, dass ich anders bin, dass ich mehr sehe als Andere. Dass ich mehr spüre, besonders die Gefühle von Anderen. Ich rieche auch unglaublich viel. Dass ich hochsensibel bin, habe ich durch zwei Leserinnen meines Blogs erfahren. Sie schrieben mich völlig unabhängig voneinander an und fragten mich ob ich eigentlich wüsste, dass ich ein HSP (Anm. d. Red.: Hochsensible Personen) bin. Ich wusste überhaupt nicht, wovon Sie sprachen. Ich machte dann zwei Tests im Internet und ging auch zum Arzt. Ich war auch bei einem Neurologen. Der erklärte mir sehr viel zu diesem Thema und wir sprachen auch über den Prinzen. Zu dieser Zeit war ich sehr fest davon überzeugt, dass auch er so war wie ich. Das Gespräch mit dem Neurologen, meiner Therapeutin und vieler HSP brachten mir den berühmten „Aha-Effekt“, da ich nun wusste, wieso ich so war wie ich bin, aber es frustrierte mich auch. Als ich anfing mich so anzunehmen und nicht mehr nach Lösungen zu suchen für eine bis dato, für mich Krankheit, ging es bergauf. Ich kann mir dadurch aber wohl auch nicht wirklich helfen wenn ich feststecke. Ich ignoriere viel um mich nicht übermäßig zu belasten.

 

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Hochsensible Mütter schwanken, so Brigitte Schorr, eine Expertin auf dem Gebiet, besonders häufig zwischen Langeweile allein mit dem Kind und Überforderung im Alltag, ständig gepaart mit schlechtem Gewissen. Kannst du das bestätigen?

Oh ja, das kann ich durchaus bestätigen und hätte das aber nie mit der Hochsensibilität in Verbindung gebracht – geht es nicht jeder Mutter so?

 

Als Mutter ist man irgendwie ja auch fremdbestimmt durch das eigene Kind. Empfindest du das auch und wenn ja, an welchem Beispiel besonders? Und wie gehst du damit um?

Fremdbestimmt bin ich glaube ich schon mein ganzes Leben aber wohl auch freiwillig. Ich brauche jemanden, der mich begleitet und eine andere Wahrnehmung zeigt, da meine ja doch irgendwie eigenschränkt ist. Natürlich sehe ich die Dinge wie ich sie sehe, heißt aber ja nicht, dass das immer so richtig ist. Manchmal kann ich mir selber nicht trauen durch meine extremen Gefühle. Ich kann mit anderen Menschen und ihren individuellen Ausdrucksformen irgendwie nicht richtig umgehen – ich verstehe viel falsch –ich interpretiere immer irgendwas hinein. Ich denke und analysiere ununterbrochen jedes Wort eines Anderen.

Ich arbeite daran schon lange und manchmal funktioniert es ganz gut, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren, aber um zurück zu kommen: ich bin sehr froh, dass ich rationale Menschen um mich habe, die mir ihre Sicht nennen.

Um es aufs Kind zu beziehen: ja, der Prinz hat alles verändert – seine Bedürfnisse stehen für mich ganz oben und ich versuche, sie so gut es geht mit meinen und die meines Umfeldes zu kombinieren. Am meisten spüren wir es am ganz normalen Wochenendalltag. Das in den Tag reinleben ist schwieriger geworden obwohl ich ja zugeben muss, dass ich auch ohne Kind das nicht so gut konnte. Umso älter aber die Kids werden, umso einfacher wird es. Als der Prinz aber ein Säugling war, war ich sehr, sehr fremdbestimmt durch ihn aber nicht duschen zu gehen lag vielleicht auch an (m)einer mangelnden Fantasie.

 

Ist deine eigene Mutter oder dein Vater hochsensibel? Erkennst du sie in dir wieder? Was schätzt du an deinem hochsensiblen Elternteil? Und was gar nicht?

Ich glaube meine Mama ist es auch-viel passt dazu und zu ihr aber ich weiß es nicht und ich denke auch nicht weiter darüber nach.

 

Ist dein Kind hochsensibel? Prallt ihr oft aneinander?

Wie oben beschrieben dachte ich das wirklich. Auch die Erzieher in der Kita bestätigten dies. Meine Therapeutin meinte aber auch, dass Kinder von Hochsensiblen Eltern sehr oft ebenfalls so sind, da wir ja Rücksicht auf uns nehmen und so auch die Kinder mit einbeziehen. Inzwischen glaube ich nicht mehr, dass er hochsensibel ist oder schwächer ausgeprägt.

Wir prallen aber dennoch oft aneinander. 😉

 

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Empfindest du dein (hochsensibles) Kind als anstrengend?

Ich empfinde mich als anstrengend für mein Kind. Da ich ja mit meinen ganzen Besonderheiten Einfluss auf ihn habe, ob ich das will oder nicht. Wie sehr ich ihn damit verändere, kann ich jetzt noch nicht sagen aber diese Gedanken beschäftigen mich eigentlich jeden Tag.

 

Stressabbau und Selbstregulationsmechanismen: würdest du sagen, du lebst gut mit deiner Hochsensibilität? Welchen Strategien hast du, um dich selbst zu beruhigen und deinen inneren Stress abzubauen?

Ich glaube, meine Strategie ist wirklich Verleumdung und Ignoranz geworden. Ich kann immer noch sehr schwer Geräusche filtern. Ich höre die Grille zirpen, den Nachbarn sprechen, meinen Mann kauen und den Prinzen rufen. Meine Sinne sind so stark ausgeprägt, dass ich manchmal wahnsinnig werde. Mein Körper zeigt mir dann durch Migräne, Magenentzündungen und Augenzucken sehr, sehr deutlich, wenn es wieder zu viel ist. Ich habe gemerkt, dass sehr monotone Aufgaben mich entspannen, wie Bügelperlen nach Farben sortieren. Auch Nähen und andere handwerkliche oder körperliche Tätigkeiten, wie Laub fegen, holen mich runter.

 

Welchen Rat würdest du anderen hochsensiblen Müttern geben? Und wenn du Literatur zu dem Thema gelesen hast, möchtest du etwas empfehlen?

Ich bin nicht gut im Ratschläge geben, was dieses Thema angeht. Ich denke, ich brauche eher einen Rat, da ich dieses Thema sehr stiefmütterlich betrachte um eben eins nach dem Anderen anzugehen. Zu wissen, dass man HSP ist, ist wichtig und sich liebe Menschen zu suchen, die das ebenfalls sind, ist Gold wert – aber Vorsicht! Ganz am Anfang kam ich mir vor wie in einer Sekte. Ich wurde förmlich missioniert, dass ich meine Gabe annehmen solle und wie toll das alles ist usw. Mich überforderte das extrem. In meinem Beitrag hab ich ein wenig beschrieben wie ich mich oft fühle und welche Literatur mir geholfen hat.

 

Ein Ausblick in deine Zukunft: Welche Eigenschaft darf wachsen, was willst du so bewahren wie es ist und woran möchtest du gezielt arbeiten?

Wachsen muss eigentlich sehr, sehr viel. Ruhe bewahren, innere Balance finden – das sind Themen, die ganz wichtig sind für mich. Ich arbeite gezielt daran, nicht aus der Haut zu fahren, sondern mich selber besser zu regulieren ohne fremde Hilfe. Z.B. stille Kommunikation.

Ich möchte meine Empathie behalten. Ich möchte nicht, dass mir irgendwann alles egal ist aber die Last der ganzen Welt soll auch nicht auf mir lasten.


Die bisherigen Interviews lest ihr hier:

#HochsensibleMütter – Die Interviewreihe

„Die perfekte Balance muss ich noch finden“ – Lela

„Alles hatte endlich einen Namen“ – Die Frühlingskindermama

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