Bindungsorientierte Eingewöhnung. Teil 2: die Absprachen

Bindungsorientierte Eingewöhnung – Teil 2: Die Absprachen

Um es mal vorweg zu nehmen: ich bin sehr müde. Vor allem vom Kämpfen. Durch meine Arbeit, meine Haltung und auch diesen Blog hier, führe ich nahezu täglich Gespräche, die dazu dienen, diese Welt ein klitzekleines bisschen beziehungsorientierter zu machen, den Blick auf unsere Kinder zu verändern und auch die Gesellschaft neu zu prägen. Das ist alles nicht so romantisch und nicht so heldenhaft wie es klingt. Es ist vor allem sauanstrengend, immer und immer wieder zu erklären, wieso Kinder nicht grundsätzlich boshaft sind, wieso sie ihre Eltern nicht in den Wahnsinn treiben wollen, wieso sie nicht trotzen, nicht ständig versuchen ihren Willen durchzusetzen, nicht nicht schlafen und nicht nicht essen, nur um irgendjemandem irgendwas zu beweisen und – ach. Ich seufze tief und erspare euch weitere Aufzählungen. Ich bin müde von diesem Kampf, den ich dennoch nicht im Stande bin niederzulegen. Und nach der ersten Woche unserer Eingewöhnung in eine neue Kita erst Recht nicht mehr.

Vor gut einer Woche hatte ich euch nahegebracht, wie unerlässlich Trost für ein Kind in der Eingewöhnung ist und wieso dieser Trost maßgeblicher Bestandteil eines Bindungsaufbaus ist. Heute kann ich mit Gewissheit sagen, dass noch weitere Faktoren hinein spielen und dass ich in dieser einen Woche viel gelernt habe. Anhand unserer Erfahrungen schildere ich euch in den nächsten Tagen mal, was für mich als wichtige Punkte hinzu gekommen sind. Heute: ein Einblick in unsere Geschichte und die Erkenntnis, dass Absprachen alles sind.

 

Start der Eingewöhnung: Trennungsversuch ab Tag eins.

Es gab einen Tag zum Kennenlernen. Dann einen zum Schnuppern. Der nächste zur Vertragsunterschrift. Im Mai ein Frühlingsfest. Kurz vor Eingewöhnungsstart einen Hospitationstag. Und dann ging es los: die individuelle Eingewöhnung unseres Sohnes in die neue Kita. Ich gebe offen zu, dass unsere Hochsensibilität, also sowohl meine als auch die von Bubba, uns in dieser sensiblen Phase bisher bereits oft im Wege stand. Um es ihm und auch den neuen Bindungspersonen nicht zu erschweren, beschlossen wir frühzeitig, dass mein Mann (nicht hochsensibel) sie übernehmen würde. Als der Tag gekommen war, standen da also keine triefenden Emotionen in all ihrer Schwere zwischen uns – nein, der Mann packte Kind und Koffer und stiefelte frohen Mutes um 09.30 Uhr los.

Um 10.20 Uhr klingelte mein Handy, mein Mann. Er stand vor der Kita und erzählte mir fröhlich, dass er bereits raus gehen konnte, und dass Bubba das ganz großartig machen würde. Ich erspare euch die Details, aber vermerke, dass ich kurz darauf in eine Tüte atmen musste, um trotz des Hyperventilierens nicht in Ohnmacht zu fallen. Ein Trennungsversuch am ersten Tag glich dem vorher so häufig ausgemalten Horrorszenario.

 

Mitmachen und folgen – aus Unwissenheit und Vertrauen

Mein Mann aber hatte sich dabei nichts gedacht, vor allem nichts Böses. Wir sind zwar verheiratet, aber er ist ja keiner meiner Klienten. Ich coache ihn nicht und berate auch nicht – wir führen Gespräche. Dass die ErzieherInnen der Kita ihm nun vermittelten, sein Sohn sei kompetent genug ihn allein zu lassen, stellte er nicht in Frage. Wie so viele andere Familien es vielleicht auch nicht tun, weil man denen Vertrauen schenken möchte, die das Kind zukünftig betreuen werden. Er ging auch am zweiten Tag für wenige Minuten vor die Tür und lernte erst am dritten Tag daraus, als mein Sohn seine Grenzen vehement verteidigen musste und ihn unter Tränen anflehte, nicht zu gehen. Er blieb – und erntete Kritik.

Den Menschen, denen er in den Tagen zuvor seinen Sohn anvertraut hatte, passte es nicht, dass er sich „dem Plan“ so widersetzte. An Tag drei und vier, wohlgemerkt, war für sie vorgesehen, die bereits geübte Trennung auszubauen. Man wisse schließlich aus Erfahrung, dass ein eher kurzes Eingewöhnungsmodell bei den Kindern besser funktioniere. Mein Mann, in den ersten zwei Tagen unvoreingenommen und vertrauensvoll, stutzte. Die einzige Alternative, diesen Weg zu gehen wäre gewesen, unser Kind weinend und protestierend an – für ihn völlig fremde – Menschen zu übergeben. An wen würde er sich wenden, wenn er sich verletzte? Oder einen Konflikt mit einem anderen Kind hätte? Wenn er Angst hätte, weil Papa weg ist und er nicht weiß ob und wann er wiederkommt? Aus dem Stutzen wurde ein deutliches Nein: mein Mann ließ unseren Sohn nicht weinend zurück, sondern blieb. Und bat um ein Gespräch.

 

In Beziehung gehen und das Gespräch suchen

Am folgenden Tag, Tag vier also, folgte ein Gespräch mit der Gruppenleitung auf dem Fuße – mit enttäuschendem Ausgang. Mein Mann, der im Übrigen der beste Vater für diese Kinder ist, den ich mir jemals hätte vorstellen können und der ganz sicher nichts falsch oder kaputt gemacht hatte bisher, war den ganzen Tag grübelnd neben uns her gelaufen. Tief drinnen spürte er, dass das nicht richtig war, was man plante, dass es nicht zu unserem Sohn passte und sicher auch, dass es so nicht weitergehen könnte. Während ich – vielleicht aufgrund meines Berufes, sicher aber aufgrund der Entscheidung, welche Mutter ich sein will – ziemlich klar war, den Hörer in die Hand nehmen und da anrufen wollte, bat er mich, ihm das Gespräch zu überlassen. Und natürlich war das okay. Er äußerte unsere Bedürfnisse und Wünsche, ohne zu fordern, schilderte unsere Erfahrungen, ohne Druck auszuüben und führte unsere Beobachtungen auf, ohne mit dem Finger auf jemanden zu zeigen. Mein Mann war zufrieden, hatte das Gefühl, das Gespräch sei gut verlaufen. Nur sein Ende nicht.

Eine unter Umständen lange Eingewöhnung sei man nicht bereit mit zu tragen. Man verstünde nicht, dass wir dem Kind die Freiheit ließen, morgens zu entscheiden, ob es gehen oder Zuhause bleiben möchte (wobei wir tatsächlich schon sehr gut unterscheiden können, ob es sich nur nicht aufrappeln kann oder z.B. überstimuliert ist und eine Pause braucht) und deute unsere Entscheidung, ihn noch nicht allein da zu lassen als ein Problem, denn mit uns dabei könne man keine Beziehung zum Kind aufbauen. Es sei in Ordnung, wenn wir diese Woche (also nur noch heute und morgen) dabei blieben, doch ab nächste Woche müsse es einen „Fortschritt“ geben.

 

Bindungsorientierte Eingewöhnung. Teil 2: die Absprachen
Bindungsorientierte Eingewöhnung. Teil 2: die Absprachen

 

Absprachen sind das A & O – vor allem jene im Vorfeld.

Mein Mann war freundlich und respektvoll, aber auch klar. Er sagte sehr deutlich, dass wir unserem Sohn nicht seine Chance auf (Ver-)Bindung nehmen würden, indem das Ganze zeitlich künstlich verknappt würde, obwohl wir (tatsächlich!) absolut keinen zeitlichen Stress haben. Und dass es für uns die Basis ist. Soll heißen: ohne Fundament kein weiterer Ausbau. Wir würden ihn eher aus der Kita nehmen, als ihm (wieder, muss man ja leider sagen) diesem Stress auszusetzen.

Das fände man sehr schade. Man schätze Bubba ganz anders ein. Aber einen Kompromiss gäbe es nicht. Heute Morgen war es dem Mann wichtig, noch einmal zu gehen. Ich denke, er wollte testen, ob sich nach dem Gespräch am gestrigen Tage in den Erwartungen der ErzieherInnen etwas geändert habe. Er hat noch Hoffnung. Im Gegensatz zu mir.

Für mich ist es eigentlich gelaufen. In den vielen vielen Vorgesprächen war die Rede davon, eine Eingewöhnung liefe im Tempo des Kindes ab. Irgendwann müssten wir dem Personal dann zwar mal vertrauen aber generell gäbe es kein Modell. Das waren die Worte. Ein Modell gibt es tatsächlich nicht, das wissen wir jetzt. Doch die Aussage, man richte sich nach dem Tempo des Kindes, war vorgeschoben. Das macht mich wütend und ich fühle mich verarscht und belogen, denn dieser Punkt macht jegliche vorherige Absprachen praktisch zunichte. Diese vielen Treffen, die wir im Vorfeld haben durften und die Beobachtungen, die ich dort festhalten durfte, stimmten mich absolut positiv. Und tatsächlich bin ich weiterhin der absoluten Meinung, dass die ErzieherInnen dort liebevoll, achtsam und aufgeschlossen sind. Ich kann sehen, wie sie sich um Beziehung bemühen und auch ihr Umgang mit den Kindern war an den Tagen unserer Besuche nicht gespielt, weil da gerade eine Mutter dabei sitzt. Nein, ich denke, ich habe genügend Menschenkenntnis um zu erkennen, wer gern mit Kindern arbeitet und wer warm ist. Und auch, wer nicht.

 

Aus jeder Erfahrung lernen

Was das Ergebnis meines Mannes heute an Tag sechs unserer Eingewöhnung sein wird, das weiß ich noch nicht. Ich werde euch auf dem Laufenden halten. Ich weiß nur, dass er zum Zeitpunkt dieser Worte im Garten der Kita sitzt und sich nicht weiter weg vom Ort des Geschehens bewegt, als es für unseren Bubba okay ist. Es ist schließlich erst Tag 6 und nicht WOCHE sechs. Und selbst dann… ach, naja. Ihr wisst es ja.

Was bedeutet das für mich? Als Mutter steht ein weiterer Kampf an, denn es wird morgen Nachmittag ein Gespräch geben, in dem wir wieder einmal für die Grenzen unseres Kindes einstehen müssen und in dem wir Dinge, die eigentlich selbstverständlich sein müssten, wieder en Detail besprechen. Ich lege nicht sehr viel Vertrauen hinein, das gebe ich direkt zu, denn schließlich wurden schon mal sämtliche Absprachen mit Füßen getreten (habe ich schon erwähnt, dass ich darüber sehr verletzt bin und mich wirklich betrogen fühle? Ja? Dann ist gut). Was also sollen weitere Absprachen bringen? Und wie viel Vertrauensvorschuss bin ich noch bereit zu geben, wenn genau das, mein Vertrauen, so behandelt wurde? Und wie viele gescheiterte Eingewöhnungen und wie viele Wechsel unterschiedlicher Betreuungsmodelle, Kitas und Tagesmütter kann so ein Kind eigentlich vertragen? Hm? Ja. Keine Ahnung.

Für mich als Elterncoach heißt das, meine Listen und meine Skripte für Kurse und Beratungen zu überarbeiten und diesen wichtigen Punkt der VERBINDLICHEN Absprachen mit ein zu arbeiten. Nur weiß ich noch nicht, wie man Eltern einen Leitfaden geben kann, der für Verbindlichkeit auf Seite jener Menschen schafft, die die eigenen Kinder betreuen. Jemand eine Idee? Lasst uns doch mal sammeln. Denn…

 

Mein Fazit

…selbst, wenn es meinen Kindern nun nicht mehr zu Gute kommen wird, so wird es anderen Kindern helfen. Und wenn nur ein einziges Kind dadurch eine angenehmere Eingewöhnung hat, dann.hat.es.sich.GELOHNT.

Ich habe noch ein anderes, etwas pathetischeres Fazit, dennoch ist es mir wichtig, es hier zu lassen. Ich habe in dieser einen, verschenkten und doch so kostbaren Lebenswoche meines Kindes gelernt, wie unerlässlich es immer wieder sein wird, die Grenzen unserer Kinder zu schützen und zu beschützen, bis sie es selbst so klar und deutlich tun können, dass ihr Umfeld sie ohne Übersetzung versteht. Wisst ihr, sie tun das früh, ihre Grenzen beschützen. Sehr, sehr früh, wir verstehen es nur vielleicht nicht gleich. Doch jedes Schreien und Weinen und gewaltvolle Weggezerrtwerden von der Familie heißt: „Ich kann / will das nicht. Hier ist meine Grenze erreicht“.
Ich wünsche mir wirklich, dass es für unsere Gesellschaft irgendwann einfach S E L B S T V E R S T Ä N D L I C H wird, diese Zeichen nicht mehr zu übergehen. Auch wenn ich weiß, dass nicht jede Familie reagieren kann, dass es gemeine Umstände und komplizierte Situationen gibt, die eine lange Eingewöhnung tatsächlich unmöglich machen. Und ich wünsche mir, dass es eines Tages die Einrichtungen selbst und die Menschen dahinter sind, die hinter diese Grenze keine weitere setzen, kein Ausrufezeichen.

Sondern ein Fragezeichen – oder eine Leertaste. Die Frage danach, was jetzt, individuell und speziell, helfen kann. Und Raum für Beziehung.

Oh, wie viel wärmer wäre dieser Ort für meinen Bubba Ray, wie glücklich wären wir über die Chance, einen Raum zu haben, in dem er geschützt und geborgen neue Erfahrungen machen könnte – ohne Angst. Und ohne Sorgen auf unserer Seite.

Ich will nicht vorgreifen und den morgigen Tag abwarten, aber… tjanun. Vielleicht bin ich schneller wieder Selbstbetreuer, als mir lieb ist.

 

19 comments

  1. Liebe Kathrin,

    Ihr seid auf dem richtigen Weg. Hör auf Dein Bauchgefühl. Ich habe genau das vor einem Jahr mit meinem Sohn durchgemacht. Ich habe gekämpft, mich erklärt und gerechtfertigt. Wir haben am Ende mit Abstand die längste Eingewöhnung gehabt. Ich habe gelitten, an vielem gezweifelt, die Welt nicht mehr verstanden und mich alleine gefühlt. Es war damals wirklich die bis dahin fast schwierigste Phase meines Lebens. Aber ich habe gekämpft und bin froh darum. Jetzt kann ich sagen, es hat sich gelohnt. Gerade HS Kinder brauchen eine sanfte Eingewöhnung. Der Kiga will nur einen reibungslosen Ablauf ohne Störung. Das Kind und seine Bedürfnisse stehen NICHT im Mittelpunkt. Du als Mutter fühlst was Dein Kind braucht. Du wirst nachher stolz auf Dich sein, wenn Du für ihn gekämpft hast. Lieber jetzt unbequem werden, als sich anzupassen und das Gefühl zu haben, das Kind zu verraten. Ich bin auch HS und weiss zu gut, wie Du Dich fühlst. Ihr schafft das schon.

    Alles Gute. Lg Maria

    1. Danke liebe Maria, es tut immer so gut, zu lesen, dass man kein Alien ist 😉

      Ich sehe das auch so, habe aber noch nichts von der Hochsensibilität erzählt. Genau jetzt, in dieser Konfliktsituation, hatte ich Angst, unsere sensiblen Antennen würden ihm negativ ausgelegt – und mir auch. In diesem Punkt bin ich noch nicht klar. Also, ob ich sie erwähne oder nicht… Habt ihr es angesprochen?

      1. Hallo liebe Kathrin,

        Wir haben sie nicht angesprochen. Bin introvertiert HS und trage mein Inneres wenig nach Außen. Das kommt ein wenig auf Deinen Typ an. In Deinem Fall würd ich es aber eher nicht sagen, die scheinen nicht sensibel genug zu sein. Ich habe denen nur gesagt, dass Kinder unterschiedlich sind und jedes sein Tempo braucht. Irgendwann meinte die Leiterin, sie hätte gemerkt, dass meine lange Eingewöhnung auf meinem ‚anderen‘ Erziehungsmodell aufbaut und es wohl Sinn macht, uns mehr Zeit zu geben als den anderen.
        Drück Dir weiterhin die Daumen. Du schaffst das. Das ist ein wesentlicher Meilenstein, und ich kann Dich supergut verstehen. Das Ganze ist ein Abnabelungsprozess, der oft unterschätzt wird. Gerade bei bindungsorient. Erziehung ist die Eingewöhnung ein wesentlicher Einschnitt. Wie gesagt, ich hab super gelitten und wusste zu der Zeit nicht Ein noch Aus. Wir sind daran gewachsen. Alles Gute weiterhin.

  2. Liebe Kathrin- ich danke dir sehr fürs Einblick geben. Meine Kinder (2 u. 4 Jahre) haben sich „irgendwie“ angepasst an das System und ich bin, weil alleinerziehend, ohne Großeltern, Vollzeit im öffentlichen Dienst arbeitend, auf diesen „Service“ der Kita angewiesen. Es macht mich traurig, meinen beiden zumindest aktuell nicht das bieten zu können, was ich aus tiefstem Herzen möchte, jedenfalls, wenn es raus aus den „eigenen Wänden“ geht. Ich bewundere, wie ihr das macht und wünschte, ich ginge auch so konsequent diesen Weg. Ich setze den bindungsorientierten Weg so gut um, wie ich es kann. Sobald es in die Öffentlichkeit mit Regularitäten (Kita, Tagesmutter…) geht, sind die Grenzen extrem eng und verunsichernd. Aber Dank deines Blogs eben nicht mehr so verunsichernd, wie einst- durch deine Schilderungen fühle ich mich bestätigt, ernst genommen, beflügelt, deine Erfahrungen decken sich mit meinen, sowohl in den traurigen, als auch in den glücklichen Aspekten. Danke dafür!

    1. Ach liebe Ines,
      vielen vielen Dan für deine Worte <3 Menschen wie du waren heute im Gespräch auch eines meiner Beispiele. Denn ich sagte, dass ich weiß, dass es das System noch vielen Menschen schwer macht, eine Eingewöhnung lange zu begleiten und dass ich ja auch verstehe, dass die Kita sich daran gewöhnt habe. Aber man muss eben jede Familie einzeln betrachten.

      Und weißt du, was Stefanie Stahl (Psychotherapeutin und Autorin von "Das Kind in dir muss Heimat finden") sagt? "Früherkennung ist die Mutter aller Präventionsmaßnahmen"! Dass du weißt, wo du unsicher bist und wo du noch an dir arbeiten willst, ist schon ein wahnsinnig wichtiger, großer Schritt <3

      Ich wünsche euch alles Liebe!

  3. Oh…. unsere Eingewöhnung beginnt nächste Woche. Ich fürchte mich schon ein wenig davor obwohl ich von der Erfahrung der älteren Kinder weiss, wie sehr man sich bemüht und mir als Mutter jeweils entgegen gekommen ist damit es für alle gepasst hat. Auch ich wollte dem Kind jeweils so viel Zeit als möglich lassen (zum Glü¨ck freischaffend) und weinte es beim Abschied mal, liess ich mir immer telefonisch nach 5-10 min rückversichern, dass es sich beruhigt und ins Spiel gefunden hatte.
    Ich hoffe, es klappt auch beim 3. Kind gut und ich kann die Kleine guten Gewissens dort lassen…

    1. Boah..wie krass übergriffig, dass die sich nicht an die Absprachen gehalten haben. Und jetzt erwarten die auch noch absolute, radikale Akzeptanz bzgl der bescheidenen Situation und deren „Eingewöhnungsplan“?! Ich verstehe deine Wut. Und überlege wieder einmal mehr, ob ich nicht doch als Erzieherin zurück in den Job gehen sollte, wenn meine eigene Brut reif für eine teilweise Fremdbetreuung ist (bin im 8. Monat schwanger). Einfach um solche Familien wie euch unterstützen zu können. Hut ab für so viel Courage deinen Kindern gegenüber, auch an deinen Mann! Für mich ist es immer schön, zu sehen, dass ich mit meinen Ansichten nicht alleine bin. Und es wundert mich arg, dass wir anscheinend eine Nische bilden und nicht mehr Mehrheit. So vielen Menschen würde es doch besser gehen..!

      1. Bitte bitte geh zurück!! Wir brauchen Idealisten in dem Beruf!!!!

    2. Aber das ist doch wundervoll, wenn du bereits positive Erfahrungen sammeln konntest <3 Denk nur an die positiven Momente, dann wird das schon. Ich drücke euch die Daumen!!

    1. An euch hab ich natürlich auch sofort gedacht. Mist sowas, echt

  4. Das ist ja Wahnsinn, was ihr durchmachen müsst zur Zeit. Wir kennen das ganze Spiel leider komplett anders herum. Sprich: bei uns hat man die Eingewöhnung viel zu langsam gemacht. Nach einer Woche durfte ich malmten bleiben, obwohl unser Sohn schon am zweiten Tag mich gar nicht mehr brauchte. Und ich am dritten Tag auch kurz weg war (hatte etwas für die Erzieher aus der Kita geholt, denn wir waren auf dem Spielplatz). Ich habe ein tobendes Kind mit nach hause nehmen müssen, weil er nicht verstanden hat, warum er da nicht essen darf.

    Ich muss vielleicht noch dazu sagen: es war im zweiten Kindergarten. Am Ende der zweiten Wochen fingen sie an mit mir über Woche 3 und 4 zu reden. Obwohl wir immerhin von zwei Wochen sprachen. Daraus ist geworden, dass es immer Probleme gab, wenn ich ihn weggebracht habe, weil er der Meinung war, ich bin mit da zum Spielen. Das hat uns 1,5 Jahre begleitet. Jetzt sind wir im anderen Kindergarten (die Eingewöhnung war dann nicht das einzige Problem…) und da läuft es tatsächlich komplett in seinem Tempo und es ist so schön mit anzusehen, wie er dort aufblüht 🙂

    Ich hoffe, dass ihr auch noch ein schönes Ende findet! <3

    1. Vielen Dank für deine Sicht. Das ist interessant, dass es auch „zu lange“ Eingewöhnungen gibt. Kann ich mir aber vorstellen: ein Kind, das eigentlich so weit ist, dessen Abschied sozusagen nur in die Länge gezogen wird.

  5. Ich verstehe nicht, dass dieses Thema bundesweit nicht einheitlich gehandhabt werden kann oder zumindest klar ist dass eine Trennung vor dem 4. Tag nachhaltig schadet. Das wurde in Studien nachgewiesen, die zB dem Berliner Eingewöhnungsmodell zugrunde liegen. Ich bin selbst Fachkraft in einer Kita und finde es einfach nur traurig wie wenig Fachwissen gerade über Bindung und auch andere Themen der Entwicklungspsychologie unter den KollegInnen existiert…. Manchmal kein Wunder dass unser Beruf so ein schlechtes Image hat….das macht mich echt sauer. Geh deinen Weg auf jeden Fall weiter. Alles Gute.
    Carola

    1. Du sprichst mir aus der Seele, Carola..es wird so selten die Individualität geachtet. Weil es so wenig gute Pädagogen gibt? Ich habe bisher nur eine Handvoll KollegInnen persönlich kennenlernen dürfen, denen ich mein Kind anvertrauen würde. Wiran liegt das? Ich hatte schon damals in der Ausbildung das Gefühl, dass viele aus meinem Kurs schon zu dem Zeitpunkt so „betriebsblind“ waren. Vielleicht hatten sie schon als Auszubildende keine Lust auf Umdenken und/oder die AnleiterInnen haben dann den Ton angegeben? Vielleicht haben viele auch eine falsche Vorstellung von dem Beruf..es ging in der Ausbildung auch ständig um das Berliner Bildungsprogramm..aber ohne Bindung eben auch keine Bildung!

    2. Vielen Dank dafür, denn: entwicklungspsychologisch betrachtet ist doch diese verknappte Eingewöhnung überhaupt nicht mehr zeitgemäß! Ich meine, man weiß doch heute so viel über Kinder, auch wenn die Bindungsforschung noch jung ist. Trotzdem: dass es gute, fachlich wirklich fundierte Forschungsgruppen allein zu diesem Thema gibt, die auch mit der Politik zusammen arbeiten (aber immer nur pro Bundesland aktuell) und sich das doch noch nicht einheitlich regeln lässt, ist mir auch schleierhaft.

  6. Liebe ‚Rabenmutter‘,

    dieser Post wirft einige Frage auf:

    Wie alt ist denn Dein Kind? Nicht mehr ganz klein, schliesse ich aus dem Text, aber auch noch nicht schulreif. Das ist sicher ein viel schwierigerer Zeitpunkt zur Eingewöhnung in eine Tagesstätte als wenn das Kind ganz klein ist. Vom entwicklungspsychologischen Standpunkt ist es sicher einfacher mit etwa halbjährig, wenn das Kind sich das erste Mal nach aussen zu orientieren und die Welt zu erkunden beginnt.

    Gibt es einen zwingenden Grund, Dein Kind in eine Tagesstätte zu geben? Musst Du zum Beispiel wieder an die Arbeit zurückkehren? Eher nicht, wie ich aus Deinem Text schliesse. Das macht die Trennung von Deinem Kind für Dich als sehr emotionale Person bestimmt sehr schwierig, und auch Dein sensibles Kind wird merken, dass Du da nicht ganz klar bist. Warum verschiebst Du die Fremdbetreuung nicht einfach bis zum Kindergarten- oder Schuleintritt?
    Und dann noch eine letzte Frage: warum meinst Du, anderen Eltern erklären zu müssen, dass ihre Kinder sie nicht in den Wahnsinn treiben, nicht trotzen und nicht boshaft sein wollen. Das wissen doch die allermeisten selber, trotzdem verliert man halt ab und zu die Nerven. Eltern sind auch nur Menschen. Ich glaube, da versuchst Du die Welt zu retten, wo Rettung gar nicht notwendig ist.

    Viele Grüsse

    Katrin

    1. Liebe Katrin,

      ….und ich glaube, dass du noch nicht so oft hier vorbei gesehen hast, darum erst einmal ein herzliches Willkommen 🙂
      Denn, und das mag an dieser Stelle vielleicht ein Manko meiner Schreibe sein, ich bin Elterncoach, Stillberaterin und hier eben Bloggerin über all das. In meinem Beruf mache ich Eltern dafür stark die zu sein, die sie sein WOLLEN und nicht die, die sie glauben, sein zu müssen. Und ich bewundere sehr, dass du eine so positive Erfahrung gemacht hast, dass in deiner Wahrnehmung die meisten Eltern diese Gedanken nicht teilen, doch ich erlebe es leider praktisch täglich ganz, ganz anders.

      Ich erlebe, wie Menschen Kindern nicht die Verantwortung zuschreiben, die sie aber vielleicht schon selbst tragen können (Beispiel: Zeitpunkt des sich Lösens in der Eingewöhnungsphase), wie Kindern negatives Verhalten unterstellt wird, wo sie einfach nur selbstwirksam / autonom / im eigenen Entdeckungsdrang sind und ja, natürlich, ich erlebe auch Eltern, die ab und zu nur die Nerven verlieren. Darüber freue ich mich, denn genau dann kann ich sagen: es ist alles in Ordnung. Du bist keine schlechte Mutter, du bist müde. Wir werden dafür sorgen, dass du Entlastung erfährst, um wieder stark und souverän zu sein. Aber hier, in dieser besonderen Situation, da sprechen wir von genau jenen, die meinen Job so erschweren. Die Kindern unterstellen, sie wollen ihren Willen durchsetzen, wenn sie morgens an der Kitatür weinen und brüllen beim Abschied. Die Kinder nicht ganzheitlich sehen, sondern immer nur diese wiederkehrende Situation, bei der sie vielleicht selbst auch einfach schon abgestumpft sind oder einen Schutzwall hochziehen mussten, der sie selbst davor schützt, diese Trauer jeden Tag mit nach Hause nehmen zu müssen.

      Mein Kind ist 3,5 Jahre und nein, es gibt keinen zwingenden Grund. Nur seinen Wunsch. Er möchte gern gehen, er fühlte sich bereit und ja, ich mag wütend darüber sein, dass ihm dieser Wunsch jetzt madig gemacht wird. Und ich weiß, dass es anders geht. Dass es gut anders gehen würde. Und wenn wir die Chance nicht bekommen, dann suche ich so lang weiter, bis ich einen Ort gefunden habe, der uns einfach so sein lässt, wie wir sind und uns respektiert anstatt uns an TAG EINS (ich hoffe, du hast den Text zu Ende gelesen) bereits in SEINE Muster zwängt. In Muster, in die wir nicht passen.

      Und zwar alle.

      Achso, und eins noch: ich bin klar. Sehr sogar 😉 Mein Kind wird nicht einen Tag leiden. Traurig sein, okay. Mal keinen Bock, okay. Aber ich werde kein Leid akzeptieren, auch nicht, wenn wir dadurch den Kita-Alltag stören. Und tun wir das und sind deshalb nicht tragbar, dann ist der Ort eben nicht der richtige für uns. Also, du siehst: sehr, sehr klar.

      Alles Liebe,

      Kathrin

  7. Moin!
    Bei unserer Großen und ihrem 1. Kiga lief die Eingewöhnung über 2 Wochen mit mir und merkwürdig war es für die Erzieherinnen, dass sie es nicht verstand, warum ich irgendwann nicht mehr mit im Kiga sein würde… Denn meine Tochter kannte Spielgruppen mit Mama. Also war für sie auch klar, dass ich immer mit im Kiga sein würde nach der 2. Woche… Mir war ganz lange nicht wohl bei der Sache, aber alle Bedenken meinerseits wurden auch von den Erzieherinnen abgewiegelt… Dann in Woche 3 1.Tag sollte ich mal ins Elternzimmer für 1/2 Std gehen, meine Tochter wollte natürlich dann mit. Dann wurde ich am 3.Tag dieser Woche für 1 1/2 Std weggeschickt (blieb auf dem Wochenmarkt, der direkt vor der Kita stattfand… nur um schnell da zu sein…) Beim 1. Gespräch mit den Erzieherinnen stellten sie die Eingewöhnung als abgeschlossen hin und unsere Tochter würde gute Fortschritte machen… blablabla. Dann durften wir unsere Eindrücke kundtun… Die waren alles andere als Positiv, denn unsere Tochter hatte sich um 180° gedreht und war ein aggressives, unberechenbares Kind geworden, die uns schlug, trat, anschrie… Wir wollten einfach nur gerne erfahren, was da denn nun los sei… Erst kamen die Anschuldigung, warum ich nicht schon eher etwas gesagt hätte? – Weil ich vor meinem Kind nicht über so schwierige Sachen reden möchte, um sie nicht zu beunruhigen und wir außerdem glaubten, dass dafür dieser Termin ausgemacht wurde… Sie haben sowohl mir als auch meinem Mann dazwischen geredet, sich angegriffen gefühlt, obwohl das nicht unser Anliegen war… Die Folge war, dass es ein 2. Gespräch gab, zur Klärung. Hahaha, geklärt wurde nix, sondern leider uns die Kündigung ausgesprochen, da wir zu schwierige Eltern seien und wir sollten doch bitte unser Kind am nächsten Tag nicht mehr bringen… Ich bin daraufhin wie eine Furie runtergelaufen, habe den Erzieherinnen meine beiden Kinder aus dem Arm gerissen und lief vor die Tür! Klar hat das unsere Große sehr geschockt und wir waren auch alles andere als reflektiert… Wir haben nur immer wieder gesagt, dass sie nichts schlimmes gemacht hat und die Erzieherinnen nicht mehr möchten, dass sie kommt, da sie mit uns (Mama + Papa) nicht klarkommen… Ihre Sachen hat meine Freundin uns mitgebracht, denn ich konnte diese Einrichtung leider nicht mehr betreten. Aus Selbstschutz… Glücklicherweise haben wir in einer kleineren Einrichtung in sehr kurzer Zeit einen wunderbaren Einstieg gehabt. Bei unserer 2. dauerte die Eingewöhnung 2 Tage :-), denn sie schickte mich raus… Das hat MICH überfordert 😉 Am 3. Tag sollte ich doch bitte nach Hause gehen… Bei unserem Dritten steht die Eingewöhnung noch vor der Tür, aber er freut sich schon auf den Kiga und will da gerne hin. Mal sehen, ob das in 2-4 Wochen noch so ist… Ich habe aber auch keinen Zeitdruck und harre der Dinge, die da kommen werden 🙂 . Euch von Herzen alles, alles Gute und das es Besser wird!!!
    Ganz liebe Grüße
    Yvonne van Brakel

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