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Blogparade: Und wie bloggst du?

Timm vom Netzblogger.net lese ich vor allem im Moment besonders gern, denn er hat viele spannende Tips zum Bloggen und der ganzen vielen Arbeit Drumherum. In einer Blogparade fragt er uns Blogger jetzt wie wir bloggen und ich möchte mir ein bisschen Zeit nehmen, um das zu beantworten.

In meinen Schwangerschaften war ich nie mit Glück gesegnet. Eine Schwangerschaftskrankheit haute mich frühzeitig um – und zwar beide Male mit dem ersten Herzschlag meiner Babies. Ich begann, da ich nämlich ansonsten von der Außenwelt abgeschnitten war, im Internet zu lesen was das Zeug hielt. Während ich also durch Erbrechen und Übelkeit ausgeknockt war, googelte und wikipediate ich alles, was mich eben so interessierte und stieß auf Blogs. Der Zusammenhang ist klar: Mama- und Elternblogs gibt es wie Sand am Meer. Und wen könnte man besser fragen, wie das mit diesem Familienbett und mit diesen Stoffwindeln denn eigentlich funktioniert, wenn nicht Mütter, die das alles schon mal durch haben?

Ich kann mich gut an den Blog erinnern, der mein Erster war. „Das gewuenschteste Wunschkind aller Zeiten“ war es und er steht mittlerweile ganz oben in meiner Blogrolle. Es vergeht kaum eine Woche, in der ich nicht noch einmal irgendetwas nachlese. Zu keiner anderen Seite habe ich so viele Shortcuts oder Lesezeichen auf Smartphone und Tablet wie zu diesem.
Seit der ersten Geburt 2013 sind jetzt ziemlich genau 2 Jahre vergangen. Mein Blog existiert seit Januar diesen Jahres. Aktiv schreibe ich erst seit 4 Wochen, alles aus rein privaten Gründen. Die Motivation ihn zu gründen war Redebedarf, Themen, zu denen ich auch etwas schreiben wollte. Die Motivation richtig durchzustarten war ein Todesfall im letzten Monat, von dem ich mich ablenken und aus dem ich bewusst ganz viel Kraft schöpfen wollte. Seither verbringe ich gute zwei bis drei Stunden pro Tag (nicht übertrieben!) mit ihm. Ich rufe meine Statistiken ab, beim ersten Kaffee am Morgen, schreibe nochmal eben ein paar Gedanken auf, wenn meine Kinder schlafen, werkele am Design und an irgendwelchen Einstellungen rum, wenn beide im Bett sind und mein Mann die Küche aufräumt. Doch der größere Teil meines Bloggens geht tatsächlich dafür „drauf“, mich auf anderen Blogs herum zu treiben, Beiträge zu lesen und zu kommentieren. Und zwar NICHT um Traffic zu kriegen, sondern weil ich das möchte.

Ich selber lese viel lieber Blogs als Zeitung oder fern zu sehen und für Bücher fehlt mir ohnehin die Zeit.

Deswegen fällt es mir vielleicht auch verhältnismäßig leicht, mich zu motivieren, selbst zu schreiben aber vor allem auch immer mal wieder überall meinen Senf dazu zu geben. Mich interessieren schnell Themen, mir fällt schnell etwas ein. Es fällt mir deshalb auch oft schwer zu verstehen, wieso auf meinem eigenen Blog so wenig Diskussion stattfindet. Für mich gehört es fast zum guten Ton unter Bloggern, zumindest mal auf den Blog zu schauen, wenn ein Blogger mir einen Kommentar da gelassen hat. Wenn nix dabei ist, was mich interessiert, dann bleibe ich authentisch und kann auch leider nichts kommentieren, das ist aber äußerst selten der Fall. Es sind die Themen hier, die dafür sorgen. Ich und das was mich interessiert, das ist nicht massenkompatibel. Ich bin zu Öko, zu Hippie, zu Rabenmutter für die breite Masse. Wer also hier bei mir einen Kommentar hinterlässt, der tut das für gewöhnlich, weil er mich verstanden hat. Und oft erwische ich mich dabei, mir nur mal ganz kurz eben den Blog ansehen zu wollen und dann doch lange hängen bleibe.

Und damit bin ich auch beim wichtigsten Punkt, „meines“ Bloggens – das Kennenlernen anderer Blogs und der Blogger dahinter.

Springen wir zurück zu „meinen“ Themen: Bindungsorientierte / Bedürfnisorientierte Erziehung, Kinder, Familie. Grob gesagt. Es gibt einen Grund, wieso unsere Vorfahren, ja eigentlich sogar die Generationen vor uns, in Kommunen und Dörfern zusammen gelebt haben, wieso Großmutter, Mutter, Schwestern und Tanten in der Nähe waren: die Fürsorge der Kinder war gesichert. Es gab keine Tagesbetreuung, keine Elternzeit, keine Arbeitgeber, die dir deinen Job nicht wiedergeben, wenn du nicht schnellstmöglich wieder am Tisch sitzt, keine herablassenden Politiker, die Frauen Karriere in Familie und Küche aber sonst nirgendwo anders zugestehen. Es gab nicht diesen Druck – natürlich auch nicht die Freiheiten und Vorteile, aber das ist ein anderes Thema – dem Mütter heutzutage ausgesetzt sind. Ich meine, heute bekommst du ein Kind und musst dich messen.

Spielplatzdate = Hose runter, Schwanzvergleich.

Ätzend. Ich habe zwei sehr kleine Kinder, Kinder in nur 19 Monaten Altersabstand, eines davon ein hochsensibles Kind, zwei dicht aufeinanderfolgende, fürchterliche Schwangerschaften – und keine Kommune. Wenn ich heute an meine Grenzen stoße, einen Rat brauche oder etwas gezielt suche, dann schmeiße ich den Laptop an. Oder besser noch: das Smartphone. Meine Großmutter lebt nicht mehr, ich habe keine Tanten und keine Schwestern, meine Mutter arbeitet Vollzeit. Keine Kommune, kein Dorf. Ich muss da wohl alleine durch.

Meine Kommune ist die Bloggerlandschaft.

Leute, die mir Tipps geben, wenn mein Kind die Autonomiephase erreicht und Tobsuchtsanfälle hat, mit denen ich über das Stillen diskutieren (ja zeitweise auch Streiten) kann, Frauen, die Geburten und Wochenbett durchgemacht haben und wissen wovon ich spreche.

Es ist meine Motivation, meinen Teil dazu beizutragen, das Internet ein bisschen weniger anonym zu machen und meinen „Schwestern im Geiste“ eine Plattform zu bieten, wie ich sie brauchte und brauche: mit Geschichten aus einem Leben, das ihrem ähnelt.

Dennoch, ich bin ja nicht die Caritas. Der erste Blick am Morgen und der letzte Blick am Abend ist der nach meinem Traffic. Jage ich jetzt also nach Anerkennung und Fans? Nein, denn meine Themen sind wie gesagt nicht massenkompatibel und meine Texte viel zu lang, als dass man sie sich einfach mal so durchlesen würde, weil man sonst gerade nichts besseres zu tun hat. Wer bei mir bleibt, der bleibt weil es ihn interessiert. Und ich freue mich wie ein kleines Kind, wenn ich an einem Tag auf 4-5 Beiträge pro Besucher komme, denn es heißt, dass die Leute nicht gleich wieder an der Fußmatte umdrehen und selbst wenn sie die ewig langen Texte, die überhaupt kein bisschen in unser hektisches Zeitalter passen, die auf dem kleinen mobilen Bildschirm anstrengend zu lesen sind und die nur so wenige Bilder einbinden, nicht ganz zu Ende lesen, so lesen sie mich und ja – das macht mich glücklich.

Mehr als die Hälfte meines Blogs machen gerade meine Gäste aus und das soll auch so bleiben.

Ich will zum Einen zurückgeben, was ich bekommen habe, zum Anderen kennen sich nun mal einfach andere Eltern mit bestimmten Themen NOCH besser aus und des Weiteren fehlt mir auch die Zeit, so regelmäßig zu recherchieren. Ich habe mich zwar frühzeitig gegen klassisches Bloggen, also Recherche, Auswertung, Artikel schreiben, entschieden, trotzdem möchte ich ja Content bieten. Und wenn ich das nicht kann, dann bin ich dankbar, dass meine Gäste es tun. Es belebt meinen Blog, macht ihn zu dem was er ist und bietet definitiv einen Mehrwert. Achte ich dabei auf die Anzahl der Wörter, Verlinkungen, Keywords oder sonstigen SEO-relevanten Dingen? Aktuell noch nicht, aber ich schließe nicht aus, dass ich es noch mal irgendwann tue. Ich blogge, weil es zum Buch schreiben nicht reicht. Mein Ziel ist es nicht, für mich oder den dunklen Keller zu schreiben, sondern für andere „da draußen“.

Lieber Timm, du fragst, wie ich es schaffe, mich mit anderen Bloggern zu vernetzen. Ich antworte: genau so.

Ich lese dich. Ich lese deine Themen. Ich lese deinen Blog, neben vielen anderen.

Ich kommentiere und beteilige mich an Diskussionen unter einer Bedingung: es muss mich interessieren. Ich schreibe nicht für den Traffic, auch nicht, um auf jeden Fall jeden Tag einen Beitrag veröffentlichen zu können, sondern nur und ausschließlich, weil es mich interessiert. Authentizität – auch das ist ein entscheidender Vorteil an Blogs. Ich kommentiere auch ungefragt, wenn ich es passend finde. Ich rede nur, wenn es einen Unterschied macht und lasse es ansonsten bleiben. Nicht mal, für den Content, nicht mal für den Traffic.
Ich habe mich letztens, auf der Suche nach Blogparaden, die mich interessieren, dabei ertappt, wie ich fast an einer Blogparade zum Thema Fieber teilgenommen hätte, nur weil sie auf einem namhaften Blog mit ordentlich Besuchern stattfand, obwohl ich nicht mehr dazu hätte schreiben können als „Also mein Sohn hat auch oft Fieber, dann trage ich ihn oder stille eben häufiger. Ja und schön, dass ein Ohrthermometer verlost wird, aber das brauche ich gar nicht, wir messen nämlich immer nur im Po. Viele Grüße, Kathrin“
Ich hab’s gelassen. Und bin jetzt ganz froh. Dein Thema finde ich nämlich viel interessanter.

Und jetzt ihr:
Warum lest ihr hier? Wo lest ihr noch? Erzählt doch mal – ich wette, da sind einige Blogs dabei, die ich noch nicht kenne.

Und besucht doch einmal Timm, hier haben nämlich noch einige andere Blogger erzählt, wie und warum sie Bloggen.

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