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Bücher für hochsensible Kinder: „Wie Betty das Wut-Gewitter bändigt“ und „Philipp zähmt den Grübelgeier“

Rezension und Verlosung

Der Festland Verlag ist ein kleiner Verlag mit Sitz in Wien, der sich vor allem auf die Thematik der Hochsensibilität und Hochsensitivität spezialisiert hat. Hier erschienen ist der sehr bekannte Bestseller Zart besaitet: Selbstverständnis, Selbstachtung und Selbsthilfe für hochsensible Menschen von Georg Parlow oder auch Empfindsam erziehen: Tipps für die ersten 10 Lebensjahre des hochsensiblen Kindes von Julie Leuze, das ich hier rezensiert habe. Heute möchte ich euch zwei Kinderbücher vorstellen, die sich ganz gezielt an hochsensible Kinder selbst richten und die ich wirklich sehr gelungen finde.


Philipp zähmt den Grübelgeier von Magdalena Hanke-Basfeld

Festland Verlag, 144 Seiten, Hardcover mit Lesebändchen

ISBN: 978-3-9501765-6-8

Empfohlen ab 8 Jahren

Die Geschichte

Philipp wird bald 8 Jahre alt und geht in die Klasse 3b. Direkt im ersten Kapitel lernen wir den Hauptcharakter des Buches kennen: Philipp riecht und sieht viele Details und Kleinigkeiten – vermutlich mehr als seine Klassenkameraden. Er spürt zwischenmenschliche (An)Spannungen und oft bringen genau die ihn ganz schön ins Grübeln. Seine Familie weiß jedoch ganz genau, dass sein „Grübelgeier“, ein Begriff den sein Opa prägte, immer mal wieder über seinem gedankenversunkenen Kopf kreist und hilft ihm immer sehr zugewandt, damit umzugehen. Philipp und sein bester Freund Patrick erleben so einiges zusammen und sind – so mein Empfinden – gar nicht so verschieden. Auf der gemeinsamen Klassenfahrt erleben die beiden viele kleine und große Abenteuer und Philipp lernt, für sich, seine Emotionen und andere Menschen einzustehen. Vor allem begleiten wir ihn aber in alltäglichen sowie besonderen Situationen und lernen viel über seine spezielle Gefühlswelt und den Umgang damit. Den anderer Menschen – vor allem aber seinen eigenen.

Hochsensibilität

Philipp kann nicht schlafen, wenn in seinem Kopf ein Gedankengewitter tobt. Sein nahender Geburtstag zum Beispiel, wühlt ihn in Kapitel 1 auf. Ängste und Unsicherheiten bringen ihn regelrecht völlig durcheinander, wie beispielsweise eine Brotdose, die Mama eines Morgens nicht vorbereitet hat und die ihn in ein Tränenmeer stürzt, aus dem ihn sein Opa „rettet“. Er ist sanft und kann sich schwer abgrenzen, was klar wird, als er sich gedanklich auf die Klassenfahrt vorbereitet und zeigt auch körperliche Reaktionen auf Überreizung (zum Beispiel wird ihm vor Angst übel, als er sich aus Versehen in der Toilette einsperrt und schwindelig, als der Diskoabend mit den Klassenkameraden bevorsteht). Er mag es nicht, in Restaurants zu gehen, da er dort zu viel aufnimmt.

Besonders beeindruckend finde ich die Umsetzung der Autorin in Bezug auf die Strategien der Familie. Sie skizziert einen völlig unterschiedlichen Umgang der Familienmitglieder Vater, Mutter, Schwester und Großeltern und eröffnet damit auch für die vorlesenden Eltern ziemlich viele – wenn auch beispielhafte – Ansätze, für sich selbst etwas zu entwickeln. Zum Beispiel zeigt sein Opa sich verständnisvoll, aber eher wenig kuschelig, während sein Vater auch mal unverständlich und streng reagiert. Seine Mutter stellt sich schützend zwischen ihn und Fremde, die ihn umarmen wollen (was er nicht mag) und kommuniziert vor ebendiesen auch sehr klar, dass Vorurteile seiner Sensibilität gegenüber weder richtig sind noch (durch ihn und andere Familienmitglieder) akzeptiert werden müssen. Mich berührte dieser Teil vor allem, weil wir es ganz genau so handhaben, mir dieser Schritt, direkt (und damit vielleicht für andere manchmal auch unhöflich) zu sein, anfangs nicht ganz leicht fiel.

Der Stil

Das Buch ist wunderbar flüssig und lebhaft geschrieben, es macht sogar als Erwachsener Spaß, es zu lesen. Die Geschichten sind spannend und unterhaltsam, aber – da für hochsensible Kinder geschrieben – eben nicht zu aufregend. Ich freue mich schon darauf, das Buch eines Tages mit meinem Sohn lesen zu können, der jetzt natürlich noch zu klein dafür ist. Die versteckten Hinweise auf die Hochsensibilität und der Umgang der Autorin, die die wenigen Illustrationen des Buches selbst gestaltet hat, finde ich bemerkenswert und wirklich gut (und nicht zu präsent) umgesetzt.


Wie Betty das Wutgewitter bändigt von Stefanie Kirschbaum und Anne Wöstheinrich

92 Seiten, Hardcover mit Fadenheftung

ISBN 978-3-9504121-2-3

Empfohlen ab 5 Jahren

Die Geschichte

Betty ist ein ziemlich impulsives Mädchen, wild, laut und unangepasst – und damit sehr sympathisch. Sie geht in die dritte Klasse und ist damit vermutlich ungefähr so alt wie Philipp aus dem ersten Buch. Betty hat einen jüngeren Bruder, dessen Geräusche sie schier unerträglich findet. Beim gemeinsamem Spiel hält sie ihn an, auf das Indianergeheul zu verzichten und ihre Hausaufgaben kann sie unmöglich machen, wenn er im Raum ist, denn Lautstärke verträgt Betty gar nicht gut. Besonders aufregend ist die Schule für Betty, die sie emotional mitnimmt und anstrengt. Wenn sie am Nachmittag heim kommt, braucht sie ihre Ruhe und zum Glück weiß auch ihre Mama das, die schließlich gemeinsam mit ihrem Papa entscheidet, Betty ein eigenes Zimmer zu organisieren, damit sie sich zurückziehen kann, wenn ihr Wut-Gewitter wieder auftaucht. Eine sehr besondere Beziehung hat Betty zu ihrer Oma, die sie scheinbar besser versteht als alle anderen und auf deren Meinung Betty großen Wert legt. Als Betty eines Nachmittags beim Spielen mit ihren Freundinnen explodiert und vor lauter Wut im Bauch schubst, schreit und wütet, sucht sie Rat bei ihrer Oma. Betty leidet unter ihre Gefühlsausbrüchen und natürlich auch darunter, nun vielleicht die Freundschaften zu verlieren, eben weil sie ihre Wut so wenig im Griff hat. Doch Oma hat einen wundervollen Rat, eine liebevolle Idee und neben tröstenden Worten vor allem ganz viel Verständnis für Bettys Wut-Gewitter. Gemeinsam finden sie eine Lösung und einen Weg, wie Betty es bändigen kann.

 

Hochsensibilität

Betty ist ein ganz anderes Kind als Philipp und sein Grübelgeier. Philipp zeigt sich sanft und ist eher traurig, zeigt körperliche Reaktionen und ist introvertiert. Betty ist impulsiv und extravertiert, macht ihre Gefühle sichtbar und ist schnell überreizt. Sie ähnelt in ihrem Verhalten daher auch noch viel mehr einem 5-jährigen Kind, das vielleicht noch in seiner Autonomiephase sein mag und ist auch in meinen Augen daher schon eher für die noch kleineren Kinder geeignet. Wenn Betty überreizt, also Stress in der Schule hatte oder sich ungerecht behandelt fühlte, ihr Bruder wieder zu laut ist und sie sich schlecht konzentrieren oder ausruhen kann, dann tobt sie. Sie wird wütend, brüllt, schimpft und macht auch mal Dinge kaputt und ich mag diesen kleinen Charakterkopf Betty sehr. Ihr Charakter ist sehr authentisch geschrieben, ihre Gefühle sind nachvollziehbar und der Weg der Autorin, über das Verständnis der Oma sowohl klarzumachen, dass man so natürlich nicht durchs Leben kommt, seine Gefühle aber dennoch lernen kann zu akzeptieren, ist kindgerecht und liebevoll umgesetzt. Es ist ein ehrliches und spannendes Kinderbuch, das ich sicher gern vorlesen werde.

 

Der Stil

Betty habe ich an einem Nachmittag durchgelesen, was natürlich zum Einen daran liegt, dass es nur 92 Seiten sind, zum Anderen aber auch daran, dass es weniger Situationssprünge gibt, wie bei Philipp. Die ganze Betty-Geschichte spielt an wenigen Tagen und bezieht sich immer wieder auf ähnliche Situationen: Betty überreizt, dreht durch, explodiert – findet Trost und Rat bei Oma und verändert ihren Umgang mit der Emotion „Wut“. Der Erzählstil der Autorin spricht mich total an, ihre Charaktere sind klasse skizziert, das sich Einfinden in die Geschichte fällt leicht – und ich denke, das wird auch Kindern so gehen. Wer für ein eher extravertiertes und impulsives, hochsensibles Kind eine Geschichte sucht, die klar erläutert, dass auch gefühlsbetonte Menschen sich in Rücksichtnahme üben können – und müssen.


 

Verlosung

Der Verlag hat mir freundlicherweise von jedem Buch je ein Exemplar zur Verlosung zur Verfügung gestellt – vielen vielen Dank dafür!

 

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Das heißt: zu gewinnen gibt es je ein Buch von „Wie Betty das Wut-Gewitter bändigt“ und „Philipp zähmt den Grübelgeier“ und alles was ihr tun müsst um eines der Bücher zu gewinnen ist, mir in den Kommentaren zu sagen, welches Buch ihr gern haben wollt!

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