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Veganes Kinderbuch: „Wuschel-Geschichten“ von Schlunz

Rezension

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Bubba Ray ist drei Jahre alt und so langsam bekommt er eine Ahnung davon, dass seine Eltern und damit er auch nicht einfach alles essen, sondern sehr genau die Inhalte und Packungsrückseiten studieren. Seit mein Mann einmal etwas vereinfacht (und vielleicht auch leicht genervt von der „Warum?“-Fragerei) geantwortet hatte, dass im Weingummi „Fleisch“ sei, fragt Bubba bei wirklich jedem neuen, unbekannten Weingummi, ob da Fleisch drin sei. Das sorgt für Verwirrung, gebe ich zu, doch bei mir sorgt das vor allem für eines: den Wunsch, ihm so langsam nahe zu bringen, wieso und warum wir nicht essen, was wir eben nicht essen. Aber möglichst so, dass es nicht zu kompliziert wird, ihn nicht traumatisiert und aus der Sache auch nichts Spektakuläreres macht, als es ist. Das erste Buch, zu dem ich griff, um zu testen wie er die Thematik so annimmt, waren die neuen Wuschel-Geschichten vom Autoren „Schlunz“, der mit diesem Buch bereits sein zweites im GrünerSinn Verlag /Vegan Verlag veröffentlicht hatte. Worum es geht und wie es ankam, das möchte ich euch heute erzählen.

Noch mehr Wuschel Geschichten

116 Seiten | ISBN 978-3946625056 | Erschienen: 3. Dezember 2016


Inhalt

Rezension: Wuschel-Geschichten vom Vegan-Verlag

Wuschel ist ein moderner Bär, der zur Schule geht, ein kleines bisschen in seine Mitschülerin verliebt ist und zusammen mit seinem Hausschwein „Rosa“ und seiner Mutter im Wald lebt. Seit einer Weile isst Wuschel keine Tiere mehr (entschieden hat er das in Band 1) und lebt jetzt vegan. In der Schule (erste Geschichte) stößt er damit aber manchmal auch auf Unverständnis, zum Beispiel bei seinem (streberhaften) Klassenkameraden Gerdi, der Gina irgendwie auch toll findet und Wuschel wegen seiner Entscheidung, moderner, veganer Bär zu sein, angeht. Als in der Pause plötzlich ein kleines Vögelchen aus seinem Nest fällt und Wuschel es wie selbstverständlich rettet, ist endlich die Chance gekommen, zu zeigen, was er kann: ein echter, moderner Bär braucht nämlich kein Fleisch und keinen Fisch, um auf Bäume zu klettern und andere Tiere zu retten.

 

 

Rezension: Wuschel-Geschichten vom Vegan-Verlag

Bald kommt Wuschel’s Papa, der sonst weit entfernt mit Meister Biber arbeitet, um Häuser und Wohnhöhlen für moderne Bären zu bauen, zu Besuch (zweite Geschichte) nach Hause. Zur Feier des Tages bringt er einen großen Karpfen für alle zum Essen mit und erschrickt ganz schön, als Wuschel ohne Zeit zu verlieren aus dem Haus und zum See stürmt um nachzusehen, ob Papa auch ja nicht seinen besten Freund den Karpfen gefangen und zum Essen auf den Tisch geknallt hat. Doch, er hat Glück. Karpfen lebt und Papa ist ganz verwirrt als er hört, dass Wuschel als moderner Bär jetzt vegan lebt. Aber er will versuchen, nun auch keine anderen Tiere mehr zu essen und macht Wuschel damit sehr glücklich. Den toten Fisch beerdigen sie alle zusammen im Garten. „Ist doch klar!“, sagt Wuschel. Und kurz bevor Papa wieder abreist um Häuser zu bauen, geben Mama und Wuschel ihm die wichtigsten Informationen und besten Rezepte mit, die ihm die Kraft geben, die er braucht.

 

 

Rezension: Wuschel-Geschichten vom Vegan-Verlag

In der dritten Geschichte besucht Wuschel unfreiwillig die Stadt. Eigentlich ist er nämlich auf dem Weg, seine neuen Freunde Flo und Yannis zu besuchen. Weil er aber vor deren großem, bellenden Hund flüchten muss, landet er plötzlich auf der Ladefläche eines Autos, das er nicht kennt und das plötzlich anfängt, sich zu bewegen. In der Stadt angekommen verliert er seine Freunde schnell aus den Augen und macht Entdeckungen, die ihn traurig machen. So läuft er beispielsweise an einer Metzgerei vorbei und „befreit“ fast einen davor angeleinten Hund aus der Sorge heraus, er könne selbst auch bald dort liegen, wo die toten Tiere liegen.

 

 

 

 

„Er {Wuschel} erzählte von seiner unfreiwilligen Reise und dass er unbedingt das kleine Monsterschaf retten müsse. „Das ist doch ein Hund“, lachte Yannis. „Menschen essen keine Hunde. Jedenfalls nicht hier.“ Wuschel zeigte traurig auf das Schaufenster und seine Freunde erklärten ihm, dass Menschen zwischen verschiedenen Tierarten unterscheiden, ob sie sie essen oder als Freund haben. Wuschel verstand das nicht. „Wir verstehen das auch nicht“, sagte Flo, „deshalb leben wir ja auch vegan.“

 

Stil

Die Wuschel-Geschichten sind wunderschön illustriert. Auf jeder Doppelseite findet sich mindestens ein buntes, aufwändig gestaltetes, stilvolles Bild aus Wuschels Leben. Die Zeichnungen sind ein schöner Hingucker und so ist es wirklich entspannt, auch das ganze Buch am Stück mit einem Dreijährigen zu lesen, denn es gibt immer etwas zu entdecken. Die Sprache ist verständlich und auch schon für Kleinkinder geeignet, aber nicht zu kindlich geschrieben. Die Art, wie der Autor an die Thematik heran geht, gefällt mir wirklich sehr gut. Am Ende einer jeden Geschichte gibt es eine ergänzende „Moral von der Geschicht'“ und das Besondere daran ist, dass man mit dem kleinen Zuhörer auf dem Schoß noch einmal genau besprechen kann, was da gerade geschehen ist. Was ich mag ist, dass Wuschel zwar ein moderner Bär ist und auch optisch heraussticht (mit Iro zum Beispiel), aber nicht wie der typische Außenseiter skizziert wird. Im Gegenteil: Wuschel mag ein wenig anders sein, doch er steht dazu – und vor allem zu seiner Entscheidung, dass für ihn kein Tier mehr sterben muss. Die Abenteuer, die er erlebt und seine klare Entscheidung bringen vor allem rüber, wie wichtig es ihm ist und das macht ihn zum Held der Geschichte: selbst als sein starker, großer, bewundernswerter Papa nach Hause kommt, bleibt er fest bei seiner Überzeugung. Das macht ihn sympathisch und echt.

 

Der Autor

Informationen zum Autor von der Verlagsseite:

In West Berlin geboren und chaotisch aufgewachsen, brachte sich Schlunz selbst das Zeichnen und Malen bei. In der Schulpause verkaufte er erste Comic-Strips sowie selbst designte Shirts und mit 18 kam die erste grafische Festanstellung.
Seine grafische Laufbahn umfasst Merchandising für bekannte Bands wie z.B. „Die  Ärzte“ und langjährige Tätigkeit in PC-Spieleschmieden.

Da er seit 2002 vegan lebt, sich für Tierrechte einsetzt und Vater einer bezaubernden Tochter ist, entstanden in den letzten Jahren diverse Geschichten für Kinder, in denen er – unterhaltsam und ohne erhobenen Zeigefinger – ethische Grundsätze vermittelt.

 

Fazit

Als wir das Buch zum ersten Mal gelesen hatte, erzählte Bubba seinem Papa direkt davon, als er von der Arbeit kam. „Weißt du Papa, der Papa von Wuschel hat einen Karpfen mitgebracht! Aber den isst Wuschel ja nicht, weißt du? Wir essen ja auch keinen Fisch. Fisch kann man ja nicht essen!“ Nun, dass es prinzipiell okay wäre, wenn ein in freier Wildbahn lebender Bär einen Fisch vertilgt, werde ich ihm zu gegebener Zeit noch vermitteln – versprochen. Was mich an seiner Euphorie über die Wuschel-Geschichten aber so mitriss, war die Tatsache, dass er sie verstand und zwar ohne Anlaufzeit. Natürlich kennt er die Begriffe „vegan“ und er versteht auch, dass wir bei den Weingummi Unterscheidungen machen – nur das Warum, an das tasten wir uns gerade heran. Und das bringt Muschel ganz wunderbar rüber: Empathie, Liebe und Mut, sich auch vor jenen zu behaupten, die vielleicht nicht unserer Meinung sind oder gar Unverständnis zeigen (wie Gerdi…. 😉 ). Bubba liebt die Bilder und auch D-Von sitzt stundenlang blätternd davor, weil sie so wunderbar anzusehen sind.

Wer dieses Buch kauft, unterstützt noch dazu ein durch und durch veganes Projekt, denn der GrünerSinn Verlag druckt rein vegan, mit veganer Farbe und Kleber und nutzt Papier ohne Holz.

Die Wuschel-Geschichten eignen sich meiner Meinung nach für Vorlese-trainierte Kinder ab 3 Jahren (die Geschichten sind relativ lang, aber sehr gut zu lesen und anzuschauen!) und ihr könnt die Bücher hier bestellen:

Wuschel Geschichten

Noch mehr Wuschel Geschichten

 

Rezension: Wuschel-Geschichten vom Vegan-Verlag

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