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Das geht uns alle an. I #prayforparis I #prayForTheEntireWorld

Die Nachrichten aus Paris erreichen mich erst heute früh. Mein Mann bringt mir den Kaffee ans Bett und fragt mich, ob ich es schon gelesen habe. Nein, hatte ich nicht. Und ich wünschte mir so sehr von ganzen Herzen, dass kein Mensch sich mit solchen Nachrichten rumschlagen müsste.

Ok, Freunde. Ich rede mal Tacheles. Ich habe alle Idioten, die lächerliche Stammtischparolen gegen Flüchtlinge gebracht haben, aus meiner Facebook-Freundesliste gestrichen, damit ich deren gequirlten Dreck nicht mehr in meiner Timeline lesen muss. Ich habe Suppe gekocht für die Drehscheibe unserer Stadt und einen riesigen Karton voll mit Winterjacken, Winterpullis, Schals und Mützen fertig gemacht und an die Organisation Support for Refugees on the run geschickt. Ich habe Geld gespendet und gebetet. Und zwar nicht, um euch das hier erzählen zu können, wie toll ich doch bin – nee. Sondern weil es mich angeht. Es geht auch dich an! Euch alle, uns alle. Es geht uns alle an, jeden einzelnen verdammten Erdenbürger.

Gestern Abend sind bei mehreren Terroranschlägen in Paris, in der Stadt der Liebe, mehrere hundert Menschen getötet worden. In einem Artikel auf zeit.de wird eine Journalistin zitiert, die sagte, dass wir uns auf der Vorstufe zum Kriegszustand befänden. Und alles was ich denken kann ist „Meine Kinder…“

Mich packt instinktiv das Bedürfnis, meine Kinder in Tragetücher zu binden, das Nötigste einzupacken, einen Bollerwagen für den Hund zu organisieren und das Land zu verlassen. Weit weg. Amerika oder so. Oder Island. Am liebsten eigentlich irgendwo, wo kein Krieg ausbrechen kann. Meine Kinder sollen das nicht erleben. Die Vorstellung, meine Kinder müssten Krieg erleben, finde ich so ungerecht, so schrecklich, so unfair, so schmerzhaft, so traurig, dass es mich fast zerreißt. Ich kann jetzt nicht mehr meinen Kaffee trinken ohne darüber nachzudenken, ob meine Söhne in den nächsten 20-30 Jahren unbeschwert und glücklich groß werden dürfen oder ob sie Angst haben müssen? Ob sie ins Militär einziehen müssen oder wollen um das Land zu verteidigen? Ob wir in Bunkern sitzen und Terroranschläge ausharren müssen oder ob sie sorglos sein dürfen? Ob das alles irgendwann mal ein Ende hat und man in den Nachrichten etwas anderes hören oder lesen darf als Tod, Terror und Krieg?

Uns betrifft das nicht – habe ich selbst oft gedacht. Viel zu weit weg. Aber das stimmt nicht. Es betrifft uns und das auch schon immer. „Das Problem ist“, sagt mein Mann, „dass du diesen Terror nie wirklich bekämpfen kannst. Wenn sich ein Mensch entscheidet, in ein Flugzeug zu steigen und das hochgehen zu lassen, ist das nicht aufzuhalten. Man kann den Leuten ja nur vor den Kopf gucken. Da ist es übertrieben gesagt einfacher, ein ganzes Bataillon zu stoppen, das auf die deutschen Grenzen zu marschiert.“
Toll, denke ich. Beruhigt mich jetzt nicht.
Weil er nämlich Recht hat. Ich will hier keine PollyPocket-Mentalität an den Tag legen und denke auch nicht, dass „Liebe deinen Nächsten“ uns alle retten könnte, aber wir können nunmal keine Kilometerhohen Zäune drumrum ziehen und im Keller verstecken können wir uns auch nicht. Und es bringt nichts, außer vielleicht, dass man sich seltener ärgert, seine Facebook Freunde, in gut und doof zu sortieren,zumindest nichts greifbares gegen diesen Krieg. Und es bringt nichts, seine Kinder von nun an Zuhause zu lassen, in der ständigen Angst, „da draußen“ könne ihnen etwas zustoßen.
Betet. Hofft. Zündet Kerzen an. Sprecht mit wem auch immer ihr sprecht wenn ihr Hilfe „von da oben“ braucht. Seid dankbar, dass es uns bisher noch nicht getroffen hat, das kann nämlich praktisch jede Sekunde so weit sein.

Und dann, wenn es so weit ist und wir alle unsere Heimat verlassen müssen, damit wir nicht von Bomben zerfetzt werden und unsere Kinder in einem anderen Land, weit entfernt von Terror, Tod, Hass, Vergewaltigung, Dreck und Angst überhaupt den Hauch einer Chance auf so etwas wie ein besseres Leben bekommen, wenn wir eines Tages also die Flucht ergreifen müssen, dann hofft und betet, dass ihr aufgenommen werdet. Dass ihr Schutz bekommt, dass nicht irgendein Idiot das Heim, in dem ihr unterkommen könnt, anzündet, dass ihr überhaupt ins Land gelassen werdet und nicht Tage und Wochen vor einer Grenze stehen / schlafen / warten müsst, nicht wissend, ob ihr passieren dürft oder dort an Hunger und Kälte vor die Hunde geht.

Ich meine worüber diskutieren wir hier? Wir sind in der luxuriösen Position, über das Stillen und das Tragen und Stoffwindeln zu reden! Wir können unsere Freizeit mit Bloggen und Blogs lesen gestalten. Wir essen und trinken wenn wir hungrig und durstig sind. Na und wer von euch hat schon den nächsten überteuerten Urlaub geplant?
Wir leben. Nicht ohne Angst, nicht mehr, aber wir leben. Ich habe schreckliche Angst, um ehrlich zu sein. Nicht nur, weil Frankreich unglaublich nah dran ist an Deutschland, sondern auch, weil ich meine Kinder mehr liebe als mich selbst und schmerzlich feststelle, dass ich sie leider nicht vor allem Unglück dieses Planeten schützen kann.

Mögt ihr beschützt sein, mögt ihr glücklich leben und ohne Angst sein. Mögen wir alle, ausnahmslos alle, irgendwann eine Welt ohne Terror kennenlernen dürfen.

Ich bete für Paris. Ich bete für die ganze Welt.

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