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„Das ist schon echt hardcore“ – Stephanie über #ZweiunterZwei

Für Stephanie müsste ich die Reihe eigentlich umbenennen in „Zweimal Zwei unter Zwei“, denn sie hat sich das gleich zweimal getraut. Aufgepasst: Sie hat 4 Kinder, davon 3 Jungs. Die ersten beiden sind 2002 und 2004 geboren und 22 Monate auseinander, die anderen beiden sind 2013 und 2015 geboren und 21 Monate auseinander. Und das Ganze ist beabsichtigt, denn Stephanie findet den Abstand  – und ich zitiere – „genial“. Auf meinmini.me bloggt sie, über den alltäglichen Wahnsinn, über leckere Rezepte und vor allem wunderbar ehrlich und witzig darüber, wie es so ist, als 4-fache Mutter. Spätestens nach diesem Interview wird sie euch sympathisch sein – ich finde sie toll und meinen Respekt hat sie. Und eines Tages, ganz bestimmt, da essen wir unseren Chocolate Stout Cake und schlürfen einen Kaffee. Wenn die Kinder groß sind und das hier alles vergessen, versteht sich. So. Jetzt aber….

 

Vorhang auf für Stephanie und ihre Einblicke in #ZweiunterZwei

 

Was sind die größten Herausforderungen bei Kindern, in so kleinem Abstand? Sowohl direkt zu Beginn als auch später noch?

Bei den Großen…

War ich eine sehr junge Mama. ich habe mit wenig Gedanken gemacht, mein Entspannungslevel war deutlich höher. Mein Großer war extrem pflegeleicht und hat die Ankunft von Nummer zwei mit Bravour gemeistert. Komischerweise scheine ich alle Herausforderungen verdrängt zu haben, die ich aus der Anfangszeit mit den beiden hatte. Die größte Herausforderung in den Folgejahren war es für mich die beiden nicht immer über einen Kamm zu scheren sondern den Großen auch mal den Großen sein zu lassen. Aus heutiger Sicht glaube ich, das ist mir nicht so gut gelungen. Der Große wirkt im Vergleich zu gleichaltrigen teilweise noch sehr „kindisch“, der zweite hingegen ist vom Verhalten her fast reifer als der Große. Ob das gut oder schlecht ist werde ich sicher von ihnen erfahren, wenn sie erwachsen sind.

Bei den Kleinen…

Bin ich mit Mitte 30 keine ganz so junge Mama mehr. Ich merke, dass ich mir generell mehr Gedanken mache über gesundes Essen, bedürfnisorientierte Erziehung etc. Einerseits bin ich meinen Kleinen dadurch sehr nah, andererseits gebe ich mich dafür auch oft auf. Ein Buch lesen? Pustekuchen. Mal in Ruhe shoppen gehen? Geht nicht. Vor allem die Alltagsdinge fordern mich oft heraus. Im Winter beide anziehen, um morgens Nummer drei pünktlich in die Kita zu bekommen, bringt mich oft an den Rande des Wahnsinns. Putzen, kochen, waschen – immer mit zweien im Huckepack. Der Schlafmangel macht mich zum Zombie, meine Geduld ist oft auf die Probe gestellt. Gleichzeitig ist unser 2,5 jähriger sehr Betreuungsintensiv, steht gerne im Mittelpunkt, und braucht viel Aufmerksamkeit. Er fühlt sich vom Thron gestoßen und das lässt er seine kleine Schwester und den Rest der Familie oft spüren. Dass die Geburt unserer Jüngsten mit dem Beginn der Autonomiephase zusammenfällt, ist dabei auch nicht unbedingt von Vorteil.

Welche Zeit nach der Geburt des zweiten Kindes fandest du am herausforderndsten / schönsten / schlimmsten?

Die ersten 4 Monate waren am Herausfordernsten. Die ganze eingegroovte Familiensituation kam mit der Geburt der Jüngsten erneut ins Wanken. Jeder musste seine Position neu finden oder festigen. Eingespielte Familienroutinen mussten aufgegeben und neu definiert werden. Für uns als Eltern, blieb eigentlich keine Zeit mehr. Am schönsten ist für mich die Zeit ab dem 8., 9. Monat, wenn das Baby langsam anfängt zu krabbeln, erste Spiele spielen kann. Plötzlich beginnen zwei kleine Menschen miteinander zu agieren und man sieht und spürt wie eine kleine Geschwisterliebe auf ganz natürliche Art wachsen kann.

 

Vor- und Nachteile des Altersabstandes: Gibt es sie? Was sind sie für dich?

Vorteile:

Es gibt immer jemanden zum spielen. Die Interessen (zumindest bei meinen großen Jungs) waren über viele Jahre hinweg sehr ähnlich und die zwei waren ein Herz und eine Seele. Ich bin gespannt, ob ich das Gleiche in einigen Jahren von meinem „gemischten“ Geschwisterpaar behaupten kann. Im Job macht man zwar vielleicht eine etwas längere Pause, kann dafür aber danach wieder durchstarten. Das fand ich angenehm.

Nachteil:

Ist man mit beiden alleine, kann man das Baby nicht schnell mal in den Schlaf stillen, denn zumindest bei uns hüpft das Kleinkind dann auf Mama rum und an Schlaf ist nicht zu denken. Es muss also immer alles geplant werden. Wer wird zuerst müde, wer wird wann angezogen, wen bringe ich wie ins Bett. Das Kleinkind spielt halt nicht einfach mal 30 Minuten, damit sich Mama ums Baby kümmern kann. Es zieht sich auch nicht alleine an oder wäscht sich ordentlich Mund und Hände nach dem Essen. Auch dass man nicht nur in der Anfangszeit wenig Zeit hat auch mal eines der Kinder allein zu erleben ist für mich ein Nachteil. Meistens fertigt man beide Kinder im Doppelpack ab oder man muss sich extra Termine organisieren in denen man ein Kind alleine für sich hat.

 

Es sind 0 Grad und Schneeregen, du musst mit beiden Kindern zum Kinderarzt. Dein Baby ist 4 Monate alt, dein Kleinkind entsprechend eures Abstandes älter. Zusätzlich hat es Angst vorm Kinderarzt. Der Termin ist morgens um 8 Uhr. Ihr fahrt 20 Minuten mit dem Auto, das Baby wird voll gestillt. Es gibt keine Parkplätze, nur ein Parkhaus in der Nähe (ca. 5 Min. Fußweg). Wie löst du das?

Ich bin ja zum Glück nicht alleinerziehend und wenn ich im Laufe der Jahre eines gelernt habe, dann dass mein Mann auch seinen Anteil leisten kann, darf und möchte. Er kommt also mit. Hat er keine Zeit, kommt das Baby im Parkhaus ins Tuch und das Kleinkind läuft die kurze Strecke. Beim Arzt wird notfalls gestillt, es ist ja zum Glück ein abgeschlossener Raum. Schnee und Regen macht uns wenig aus. Wir sind eh eher eine „draussen“ Familie.

 

„Das sagt einem ja auch keiner“ – worauf hättest du dich gern vorher eingestellt?

Dass jedes Kind anders ist und egal wie viele Du hast, du fängst immer von vorne an. Es gibt kein Geheimrezept. Rückblickend hätte es mir beim ersten Kind gut getan zu wissen, dass viele der Dinge die wir gemeinsam durchgemacht haben, vollkommen normal sind und nicht daran liegen, dass ich versagt habe. Ich hätte auch gerne gewusst, dass man sich als Paar neu finden und wieder neu zusammenwachsen muss und das kostet viel Kraft.

 

Schonungslos: hast du ein Lieblingskind?

Phasenweise im Wechsel. Jedes Kind hat gute Zeiten und schlechte Zeiten und ich habe festgestellt, dass meistens nur eines aus der Reihe tanzt und die anderen sich solange zusammenreißen. Und naja… Nachdem meine ersten drei Kinder Jungs waren gebe ich an dieser Stelle gerne zu – mein kleines Mädchen ist ein echtes Geschenk für mich und ich bin mit Herz und Seele Mädchenmama.

 

Und zu guter Letzt: würdest du es wieder genauso tun? Und wenn ja, warum?

Also vielleicht nicht zweimal zwei. Das ist schon echt hardcore, vor allem wenn zwei pubertieren, eines trotzt und das letzte noch ein Säugling ist. Aber den Abstand von maximal zwei Jahren finde ich genial und würde ihn nicht anders haben wollen.

 


 

Das waren sie, die Interviews der #ZweiunterZwei – Reihe. Mir hat es riesigen Spaß gemacht und ich habe unglaublich viel gelernt und mitgenommen! Selbstverständlich dürft ihr euch auch auf eine Auswertung freuen – ein großer Beitrag mit den schönsten Ergebnissen der Interviews und der Gastbeiträge. Die gehen übrigens übermorgen hier nach und nach online.

Ihr dürft euch freuen auf

Lisa von Geborgen und Geliebt, die uns erzählt, dass der Abstand von 13 Monaten absolut gewollt war und warum

Reni von Mamis Blog, deren Töchter nur sehr knapp an der Zweijahresgrenze vorbei geboren worden und die das ein wenig schade findet, denn  einen kleineren Abstand hätte sie bevorzugt

und auf Marsha von Mutter & Söhnchen, deren Kinder 4 Jahre trennen und die uns von den Vor- und Nachteilen größerer und kleinerer Abstände erzählt und ein wundervolles Fazit zieht.

 

 

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