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„Die Großen werden schneller groß“ – Stefani über #ZweiunterZwei

Stefanis Kinder sind mit 5 und 3 schon quasi aus dem Gröbsten raus. ? Trotzdem erinnert sie sich noch sehr genau an die Tücken der Anfangszeit, die nicht gerade easy war. Ihre Kinder liegen 18 Monate und einen Tag auseinander, was übrigens beabsichtigt war. Und ich sage euch: diese Antworten habe ich genossen. Denn Stefani hatte wahrlich keinen leichten Start und hat sich ziemlich durchgekämpft. Doch was sie tut ist: Positives daraus ziehen! Ich danke dir sehr Stefani, ich habe durch deinen Text viele AHA-Effekte gehabt. Und nun viel Spaß!

Vorhang auf für Stefanis Einblicke in #ZweiunterZwei

Was sind die größten Herausforderungen bei Kindern, in so kleinem Abstand? Sowohl direkt zu Beginn als auch später noch?

Es fängt schon in der Schwangerschaft an. L war 9 Monate als ich wieder schwanger wurde. Sie hatte sich am Kopf verletzt und ich war vorsorglich mit ihr zur Überwachung im Krankenhaus, für 2 Nächte, und es ging mir schlecht. Ich dachte, es lag an piepsenden Monitoren und ungemütlichen Betten. Aber schon da schoss es mir in den Kopf „vielleicht bin ich ja endlich schwanger!?“ Zu dem Zeitpunkt hatten wir es schon wieder 6 Monate versucht.

Die Schwangerschaft verlief dann so nebenbei.

Dann bekam L den Rota-Virus während ich schon ziemlich schwanger war. Es war Nacht und mein Mann arbeitete in einem Funkloch und war partout nicht zu erreichen. Ich musste da ganz alleine durch. Inklusive nächtlichem Einsatz vom ärztlichen Notdienst, da sie nicht aufhörte sich zu übergeben. Ich fühlte mich hilflos und unendlich überfordert. Da schimmerte es zum ersten Mal durch: „Ohje, wie soll ich das nur mit 2 Babys hinbekommen?“

In der 25. Schwangerschaftswoche bekam ich vorzeitige Wehen und musste für einige Tage ins Krankenhaus. Zu der Panik ums ungeborene Würmchen kam die Angst um meine Große. Sie musste zum ersten Mal in ihrem Leben woanders übernachten. Mein Mann hatte einen neuen Job begonnen und konnte nicht fehlen. Es brach mir das Herz. Ich weinte und weinte und konnte mich kaum beruhigen. Letztlich hat sie es ganz toll gemacht und kurze Zeit später nutzten wir unsere neue ungewohnte Freiheit und gingen aus, während sie bei Omi und Opi schlief. Trotzdem war sie mein kleines Baby. Gerade ein Jahr alt.

Obwohl sie noch so klein war, habe ich ihr Dinge (bis heute auch noch) zugemutet, die ich unter Einzelkindbedingungen nicht so handhaben würde.

Die Großen werden also schneller groß!

Die Geburt der kleinen E verlief gut, nur leider war sie nicht ganz gesund und wir verbrachten die erste Zeit auf der Intensivstation im Kinderkrankenhaus. Zu der unerträglichen Angst ums Kind auch hier die Sorge um die dann rasant groß gewordene (und wohlgemerkt erst 1,5 Jahre alte) große Schwester! Wir kämpften 2,5 sich unendlich lang ziehende Wochen um ihre Entlassung. Dann endlich Zuhause! Wunderschön! Nur war der Urlaub des Papas dann leider zu Ende und ich stürzte direkt in den Alltags-Wahnsinn. Ich hatte einfach wirklich kein Wochenbett! Das ist etwas, was es wirklich richtig schwer gemacht hat!

Wenn es glatt läuft ist diese Phase sicherlich nicht der schwierigste Part, aber bei uns startete das Projekt Mehrkindfamilie gleich im absoluten Ausnahme- und Chaoszustand.

Dann empfand ich die Zeit in der sich klein E noch nicht fortbewegen konnte als die Anstrengendste! Die ersten 6 Monate heißt es also: Arschbacken zusammen kneifen und durch da! 

Ach, ich erinnere mich an so absurde Szenen, in denen ich zum Beispiel beim Kochen gestillt habe. Im Stehen. Unglaublich! Aber die Große braucht ihr Mittagessen und die Kleine eben auch…

Später empfand ich es immer als Erleichterung, so einen geringen Altersabstand. Sie können viel miteinander anfangen, haben ähnliche Interessen, Sprache, Freunde.

Welche Zeit nach der Geburt des zweiten Kindes fandest du am herausforderndsten / schönsten / schlimmsten?

Dazu habe ich ja schon einiges geschrieben. Das fehlende Wochenbett und der vielleicht auch zu große Anspruch an mich selber, wirklich beiden so gut es geht gerecht zu werden, waren echt schlimm.

Auch beim ins Bett bringen der Großen musste die Lütte manchmal gefühlt ewig alleine weinen. So was tut einem im Herzen weh.

Aber es gab auch viele wunderschöne Momente. Wie sich L rührend von Anfang an um E gekümmert hat. Beim Wickeln war sie immer an meiner Seite und hat mir assistiert. Beim Stillen himmelte sie ihre kleine Schwester minutenlang an und war einfach fasziniert. Sie stillte dann auch oft ihre Püppi.

Es gab auch keine Entthronung! Ich weiß nicht, ob es an ihrem Charakter lag, oder ob sie einfach wirklich noch viel zu klein war. Aber das ist ein wirklicher Vorteil von geringem Abstand finde ich! Eifersucht gibt es immer mal wieder, aber so einen richtigen Machtkampf gegen das Baby gab es nie. Sie gehörte für L schon immer dazu. Ich fragte L vor einiger Zeit mal, ob es eine Zeit vor E gab. Nein, E war schon immer da! Sie verstanden lange nicht, dass sie nicht gleichzeitig in meinem Bauch waren, sondern nacheinander. Ich sage auch gerne, dass ich zeitversetzte Zwillinge habe, denn so fühlt es sich für mich immer an.

Vor- und Nachteile des Altersabstandes: Gibt es sie? Was sind sie für dich?

Ohje, jetzt hab ich schon wieder so viel vorweg genommen… 

Sicherlich gibt es Nachteile. Stress, der eigene Körper kann durch rasche Schwangerschaften auch leiden, extremer Schlafmangel, beiden gerecht werden, so kleine müssen zwangsläufig schneller groß werden und und und.

Aber die Vorteile überwiegen für mich einfach unermesslich! Von der fehlenden Entthronung über das gemeinsame Spielen. Sie haben sich und können immer was miteinander anfangen! Ausflüge gefallen beiden, keiner muss sich langweilen, weil das Babykram ist oder die Kleine dieses oder jenes noch nicht darf… Auch was ich immer hörte; „Oh je, zwei Wickelkinder, das ist doch blöd!“ NEIN, was soll daran blöd sein? Ich schleppte eh seit 1,5 Jahren eine Wickeltasche mit mir rum. Jetzt schmeiß ich zwei Windeln mehr rein und pack ’ne extra Strumpfhose dazu und fertig ist es! Außerdem bin ich noch nicht so lange raus aus dem nachts-aufstehen-Rhythmus gewesen und hatte noch keine wirklichen Freiheiten, wie man sie mit größeren Kindern eben hat. Ich war eh „ans Haus gefesselt“ und blieb es eben jetzt noch eine kurze Zeit länger. Wenn ich so wie heute mit einer 5-jährigen da stehen würde, schon Freiheiten und besonders Freizeiten genießen durfte, dann würde ich es mir wirklich noch 5 Mal überlegen, ob ich wieder von vorne anfangen möchte. Ja, es hat was von „in einem Abwasch durch“ sein. Und ich finde das super!!!  

Es sind 0 Grad und Schneeregen, du musst mit beiden Kindern zum Kinderarzt. Dein Baby ist 4 Monate alt, dein Kleinkind entsprechend eures Abstandes älter. Zusätzlich hat es Angst vorm Kinderarzt. Der Termin ist morgens um 8 Uhr. Ihr fahrt 20 Minuten mit dem Auto, das Baby wird voll gestillt. Es gibt keine Parkplätze, nur ein Parkhaus in der Nähe (ca. 5 Min. Fußweg).
Wie löst du das?

Ich bin da sehr pragmatisch. Ich stehe um 6 Uhr auf, ziehe mich an und bereite alles so weit vor, wie es geht. Das Baby würde wach werden und gestillt. Danach wird das Langschläfer-Kind geweckt, angezogen, dann gefrühstückt. Gegen 7.20 Uhr fahren wir los. Parken im Parkhaus. Baby im Maxi Cosi auf den Buggy gesteckt. Kleinkind an die Hand und dann im Schneckentempo los. Im Zweifel wären wir 5-10 Minuten zu spät. Mit Bestechung und gut Zureden wäre das sicherlich machbar. Zumindest mit meinen beiden… Aber ich hätte mir keinen Termin um 8 Uhr geben lassen. Das artet in Hektik aus und das kann man nicht gebrauchen mit Säugling und Kleinkind. Außerdem habe ich festgestellt, dass es in solchen Situationen, in denen man sich vorher so’n Kopf macht, immer mit dem Gedanken, „Wie soll ich das nur schaffen?“ alles glatt läuft. Irgendwie spüren die Kleinen das und machen dann einfach mit. Geht das nur mir so? Hinterher dachte ich schon oft, „Oh war doch easy! Hättest dir doch gar nicht so den Kopf zerbrechen brauchen!“ 

„Das sagt einem ja auch keiner“ – worauf hättest du dich gern vorher eingestellt?

Die Frage, die sich einem stellt, ist: „kann man das Zweite so lieben wie das Erste?“ JA! Die Zweifel kann man sich sparen, man kann! Und ja, man schafft das auch alles! Mütter haben Löwenkräfte! Mütter schaffen das alles! Wir haben ja auch keine Wahl! Wer wenn nicht wir? 

Schonungslos: hast du ein Lieblingskind?

Ich bin hier ja relativ anonym und traue mich deshalb zu sagen: Ja. 

Ich versuche so gerecht wie möglich zu sein, aber ich bin auch nur ein Mensch. Und ich würde für jedes meiner Kinder mein Leben geben! Ich liebe beide über alles! Klingt abgenutzt, aber es stimmt! 

Und zu guter Letzt: würdest du es wieder genauso tun? Und wenn ja, warum?

Ja. JA! JAAAAAA!!!!!!!!! 

Ich kann nur von mir und meinen Kindern sprechen, aber es ist das Beste, was mir passieren konnte! 

Ich bin ein Einzelkind und habe mir immer einen großen Bruder gewünscht. Und ich wünsche mir für meine Kinder, dass sie für immer so ein enges Band verbindet, wie zur Zeit noch. Dass sie sich für immer haben, auch wenn wir Eltern mal nicht mehr sind. Eine Basis. Eben Schwesterherzen. 

{Die bisherigen Interviews findet ihr hier: #ZweiunterZwei }

 

Bild: www.pixabay.com
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