kofbhbbbcbieldme

„Die perfekte Balance muss ich noch finden“ – Lela bei #HochsensibleMütter

Es ist soweit: meine neue Interviewreihe mit und von hochsensiblen Müttern geht los. Und den Anfang macht Lela, freiberuflicher Kreativling, Näherin und Bloggerin. All diese Themen kombiniert sie auf ihrer Website nahtkaefer.de – und ganz nebenbei ist die 27-jährige noch zweifache Mutter eines viereinhalbjährigen Sohnes und einer zweieinhalbjährigen Tochter. Und: Lela ist hochsensibel. Genau wie ihre beiden Eltern und ihr Sohn. Damit stellt Lela perfekte Voraussetzungen für meine Fragen und ist der perfekte „Opener“. Wie sie selbst versucht, Balance zu halten, wie ihr Zugang zu dem Thema ist und wie sie zu ihrer Familie und ihren Eltern steht, das lest ihr hier selbst.

Vorhang auf für Lela bei #HochsensibleMütter


 

Du bist hochsensibel. Seit wann weißt du davon? Hast du einen Test gemacht und wenn ja welchen? Und woran bemerkst du deine eigene Hochsensibilität am Deutlichsten?

 

Das erste Mal das Wort „Hochsensibilität“ habe ich vor ca. 2 Jahren gelesen. Damals ging es allerdings in „meinem“ Elternforum um hochsensible Kinder und es verschwand erst einmal wieder aus meinem Blickfeld. Irgendwann bin ich über den Test von Zartbesaitet gestolpert. Mir war eigentlich schon immer bewusst, dass ich sensibler bin, als viele in meinem Umfeld. So konnte ich zu meiner Club-Zeit oft mein Gegenüber nicht verstehen, weil ich die Geräusche nicht gefiltert bekommen habe. Das konnten einige meiner FreundInnen nie verstehen, da ich doch so ein gutes Gehör habe – und trotzdem hörte ich sie nicht.

Nach dem Test bekam diese Sensibilität also einen Namen. Und ich bekam endlich Kontakt zu anderen Hochsensiblen, die nicht meine Eltern waren. Es war also nicht nur in unserer Familie so schräg.

Am Deutlichsten merke ich meine Hochsensibilität immer noch im Zusammenhang von Geräuschen und Gerüchen. Ich bin dann schnell „drüber“ und dadurch extrem reizbar. Die Eingewöhnung des größeren Kindes erst in einer KiTa (abgebrochen) und dann bei der Tagesmutter waren besonders anstrengend und zehrend für mich.

Auch Kälte und Hitze machen mir stark zu schaffen, weswegen der Frühling mein absoluter Favorit unter den Jahreszeiten ist.

 

Hochsensible Mütter schwanken, so Brigitte Schorr, eine Expertin auf dem Gebiet, besonders häufig zwischen Langeweile allein mit dem Kind und Überforderung im Alltag, ständig gepaart mit schlechtem Gewissen. Kannst du das bestätigen?

 

Leider ja. Ich neige dazu, mich zu überfordern und lande dann sehr schnell im Burn-Out.

Vor einigen Jahren war ich in meiner damaligen Arbeitsstelle so unterfordert (inkl. Fehlender Wertschätzung), dass ich aufgrund eines Bore-Outs in psychiatrische Behandlung ging.

Als nun Selbstständige muss ich die perfekte Balance noch finden – sobald ich die Balance zwischen Haushalt, Kindern und Partnerschaft irgendwie hin bekomme.

 

Als Mutter ist man irgendwie ja auch fremdbestimmt durch das eigene Kind. Empfindest du das auch und wenn ja, an welchem Beispiel besonders? Und wie gehst du damit um?

 

Ja. Ganz schlimm war es jetzt die vergangenen fünf Jahre mit meinem Schlafbedürfnis. Fünf Jahre, weil ich bereits zu Beginn der ersten Schwangerschaft nicht mehr gut schlafen konnte. Mein Schlafbedürfnis liegt irgendwo bei 9-10 Stunden ungestörtem (!) Schlaf pro Nacht. Wenn ich geweckt werde, brauche ich sehr lange um wieder in den Schlaf zu finden und hänge deswegen die meisten Nächte weit hinter meinem eigentlichen Bedürfnis. Langsam pendelt sich mein eigener Rhythmus wieder ein. Aber das wird wohl noch dauern.

Auch mein Bedürfnis nach Ruhe wird häufig fremdbestimmt. Seitdem das erste Kind sprechen kann (ca. mit einem Jahr..) hört er nicht mehr auf. Nie. Ständig redet, singt, summt, brummt er. Oder er macht irgend welche anderen Geräusche. Das treibt sogar meinen normal-sensiblen Partner in den Wahnsinn.

 

Ist deine eigene Mutter oder dein Vater hochsensibel? Erkennst du sie in dir wieder? Was schätzt du an deinem hochsensiblen Elternteil? Und was gar nicht?

Ja. Beide. Und ich erkenne mich, seit ich Kinder habe, immer öfter in ihnen wieder. Aber im Guten. Ich finde das sehr schön. Meine Eltern haben mich immer unterstützt und stehen auch heute noch immer hinter uns. Was ich sehr an ihnen schätze ist…eigentlich Alles. Ich und mein Bruder haben einfach tolle Eltern. Und es gibt Nichts, was ich gar nicht an ihnen mag. (Na gut, als Pubertierende fand ich meine Mama mal voll peinlich. Aber das muss doch so, oder?)

 

Ist dein Kind hochsensibel? Prallt ihr oft aneinander?

Unser Sohn ist hochsensibel, ja. Wirklich bewusst wurde es mir aber erst, als er mit etwas über 2 Jahren die Tür vom Chapati-Store aufriss und sagte „Mir stinkt das hier drin zu doll!“ (Wer noch nie in einem Chapati-Store war: Dort riecht es nach Räucherstäbchen. Mir sind die Dinger auch ein Graus. Während meine Mutter sie erstaunlicherweise sogar mag.)

Wir prallen immer dann aneinander, wenn ich seine und meine Bedürfnisse aus den Augen verloren habe. Die Bedürfnisse von 4 Personen immer im Blick zu haben, geht einfach nicht. Und ab und an explodiert dann eins der missachteten Bedürfnisse auch. Wobei meine Kreativität meistens eher implodiert.

 

 

Hast du ein normal sensibles Kind? Und wenn du sowohl als auch hast: welche Unterschiede zwischen den Kindern und zwischen dir und deinem normal sensiblem Kind machen sich besonders oft bemerkbar?

Die Kleine ist – soweit wir das bisher beurteilen können – eher normal-sensibel. Sie fordert sehr viel Aufmerksamkeit ein. Und viel Beschäftigung. Das war beim Großen so nie der Fall. Aber ob das an der Sensibilität liegt, kann ich nicht beurteilen. Allgemein sind die Beiden einfach sehr, sehr unterschiedlich.

 

Welches Kind empfindest du als pflegeleichter?

Wenn ich jetzt „keins“ schreibe – glaubt ihr mir das? Sie sind beide auf ihre Art anstrengend. Und beide auf ihre Art pflegeleicht. Ist so ein bisschen wie Wollkleidung. Die Wäsche ist mega aufwendig, aber dafür ist sie (wenn gut gefettet) selbstreinigend, wärmeregulierend und einfach kuschelig.

 

Stressabbau und Selbstregulationsmechanismen: würdest du sagen, du lebst gut mit deiner Hochsensibilität? Welche Strategien hast du, um dich selbst zu beruhigen und deinen inneren Stress abzubauen?

Ich..äh…arbeite daran. Yoga, beruhigende Musik…letzte Nacht dachte ich schlaflos daran, dass ich früher immer bei Traumreisen eingeschlafen bin. Vielleicht sollte ich so was mal wieder ausprobieren.

 

Welchen Rat würdest du anderen hochsensiblen Müttern geben? Und wenn du Literatur zu dem Thema gelesen hast, möchtest du etwas empfehlen?

Pfuh…such dir Gleichgesinnte zum Austausch. Dann ist man nicht mehr so alleine erschöpft und fühlt sich nicht wie ein Alien. Literatur habe ich zwar ein Buch gelesen, finde es aber nicht empfehlenswert. Was wahrscheinlich daran liegt, dass es einfach vorne und hinten dann nicht zu mir passte. Und ich mich am christlichen Bezug gestört habe. Sehr stark.

 

Ein Ausblick in deine Zukunft: Welche Eigenschaft darf wachsen, was willst du so bewahren wie es ist und woran möchtest du gezielt arbeiten?

Wachsen darf auf jeden Fall und immer meine Kreativität und meine Liebe für meine Familie. Zählt das als Eigenschaft? Und arbeiten muss ich wohl an meiner Geduld. Geduld an mir selber, meinem Partner und auch an den Kindern. Und am Stressabbau muss ich auch arbeiten. Noch ziemlich viel. Bewahren möchte ich mir meine Großzügigkeit, Hilfsbereitschaft und mein Einfühlungsvermögen – mehr wäre zu viel.


Liebe Lela, ich danke dir für deine Antworten und die Zeit, die du dir für meine Reihe #HochsensibleMütter genommen hast. Nächste Woche lest ihr, was die Frühlingskindermama zu meinen Fragen zu sagen hat. Und wer sich fragt, was wir hier überhaupt machen, der geht sehr gern hier lesen: #HochsensibleMütter – die Interviewreihe

Follow

Get the latest posts delivered to your mailbox: