Die rote Lampe

Einmal feucht durchwischen, bitte.

In meinem Kopf blinkt eine rote Lampe. Sie leuchtet nicht, sie blinkt. Es ist die Anzeige eines Akkus. Ich stelle mir neben ihr einen Schriftzug vor; „Nächste Tankstelle: 5km. Bitte Kraftstoff nachfüllen!“ oder „Akku schwach. Bitte laden!“, oder „Low Battery – Low Battery – Low Battery“. An der Stelle, wo vor ein paar Monaten noch ein heißes Feuer loderte, blinkt jetzt diese doofe rote Lampe. Und blinkt und blinkt und blinkt. Mein Akku ist leer. Ich muss nachladen.

Die rote Lampe

In manchen Jahren, so im Rückblick, hab ich ganz schön viel erlebt, viel zu tun gehabt, ein Kind geboren, Erschöpfung gespürt oder einen Meilenstein erreicht. Manche Jahre mochte ich, manche kannste echt vergessen. Aber keins – und das meine ich so wie ich es hier aufschreibe: keins war wie 2017. Das letzte Jahr hat in jeder sich bietenden Sekunde Ressourcen gezogen. Zuerst für den Beginn meiner freiberuflichen Arbeit, dann für die Organisation der FEBuB und die Firmengründung, dann für die Gründung der Familienschule Dortmund, dann für die Umsetzung der FEBuB, dann für die Umsetzung der Familienschule. Ach ja – und meine Familie, zwischendurch mal. Wenn es freie Tage gab, dann verbrachte ich sie krank Zuhause. Mein Körper war da sehr kreativ – von Erkältung über Mandelentzündung bis hin zu Magen-Darm-Grippe war alles dabei. Ich hatte keinen einen Tag Urlaub geplant, dafür aber das doppelte Pensum an Arbeit. Einen Traum habe ich mir erfüllt – denn in meiner jetzigen Arbeit darf ich endlich so richtig mit Menschen arbeiten. So wie ich es immer wollte und doch nie tat. Aber selbst diese Menschen haben Ressourcen gezogen. Bis…. ja. Bis die rote Lampe blinkte.

 

Und jetzt? Jetzt ist es weg.

Am Ende des Jahres warfen mir meine Freundinnen, Kolleginnen und Kursteilnehmerinnen die Gutscheine für Wellness, Massagen, Reiki-Behandlungen und Ruhetage förmlich nur so zu. Die Müdigkeit stand mir ins Gesicht geschrieben, die Ressourcen waren gänzlich verbraucht. „Akku schwach. Bitte laden!“ blinkte scheinbar auch die Schrift auf meiner Stirn. Ich konnte niemandem mehr verheimlichen, dass dieses überdurchschnittlich wilde Jahr mich Kraft und viele Jahre meiner Lebenszeit gekostet hatte.

2017 hat sich verabschiedet und die Lampe blinkt nicht mehr. Gegen Ende der aufregenden 12 Monate hatte ich jeden einzelnen Gutschein eingelöst, Yoga gemacht, eine Ernährungsumstellung begonnen und regelmäßig meditiert. Ich hatte mir Urlaub genommen, hatte Freunde im total Funkloch besucht und mich nicht in deren WLAN eingewählt. Ich hatte ein paar tagelang Freiheit gekostet und mich nicht zum Sklaven meines eigenen Anspruchs gemacht, bis sich 2017 einfach – sagen wir – raus gewachsen hatte. Tschüss 2017. Es war wirklich überaus schön mit dir. Ich habe dich geliebt.

 

Aber die Lampe? Die ist noch installiert.

Ich kann sie deutlich spüren. Sie sitzt irgendwo hinter meinen Augen, die ich manchmal viel zu spät und viel zu kurz schließe, die ganz viel Leid und Trauer anderer Menschen sehen, die sich manchmal nicht in eine andere Richtung drehen wollen. Da ist sie installiert und ermahnt mich immer wieder daran, dass sie auch blinken kann. Und dass sie das auch wieder tun wird, wenn ich wieder so viel auf einmal will.

Ich habe also einen Plan für dieses 2018, das nicht besser werden kann als 2017 – aber das auch nicht besser werden muss. Der Plan lautet: Akkus laden. Und zwar regelmäßig.

 

Mein Blog-Baby

Was das auch bedeutet ist, dass ich wieder mehr schreiben will. Und zwar über das, was MICH bewegt. Letztes Jahr, im Mittelpunkt der Organisation der FEBuB, die Nase ständig in irgendwelchen anderen Videos von anderen Blogs und Online Kongressen und wasweissich – da war es mir plötzlich nicht mehr so ganz egal, dass tausende von Menschen über meine Gefühle lesen konnten. Die Beiträge wurden seltener, die Sehnsucht danach auch, bis der Blog im Herbst in einen ganz seltsamen Schlaf fiel, aus dem er noch nicht wieder erwacht ist. Aus dem ICH noch nicht wieder erwacht bin. Fakt ist: das Schreiben hilft mir, hilft meiner Seele. Und es ging jetzt viele Monate einfach nicht. Der Blog lag brach.

Wie es weitergeht – das weiß ich nicht. Ich wische hier jetzt einmal feucht durch, putze die Fenster und lese ein paar alte Zeilen von mir. Ich hoffe, dass sich das Feuer wieder entfacht und die rote Lampe die Klappe hält. Kurzum: ich mache mich auf die Suche nach meiner Liebe zum Schreiben. Ich weiß, dass die sich hier irgendwo versteckt. Ich weiß nur nicht, ob ich sie finde.

Was das für den Blog heißt? Keine Ahnung. Ich liebe ihn zu sehr um ihn zu schließen, auch wenn mir oft danach war. Aber was in 2017 war, das bleibt auch in 2017, oder?

Mal sehen, was dieses neue Jahr für mich, meine Finger und die Tastatur so ausmacht. Ich hoffe, ich finde es wieder, irgendwo hier zwischen den 200 veröffentlichten Texten, den tausend Kommentaren und den vielen Tränen…. – mein Herz, das am Schreiben hängt.

Drückt mir die Daumen.

Bis bald,

Euer ÖkoHippie

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