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„Erziehung ist Gewalt“ – ein kritischer Blick auf eine selbst nicht gewaltfreie Aussage

Meine Kinder werden nicht klassisch erzogen und das hat viele Gründe. Die Entscheidung steht und auch wenn ich mit steigendem Alter meines ältesten Kindes die Herausforderungen sehe und mich selbst immer wieder daran erinnern muss, auf anerzogene Muster und Wege, auf Lob, Bewertung, Manipulation, Drohungen, Strafen, Belohnungen und (vermeintlich) logische Konsequenzen zu verzichten, ist daran nichts zu rütteln. Um diese Entscheidung einst zu treffen, verbrachte ich Stunden, Tage, Wochen, Monate mit der Beobachtung meines größten Kindes. Ich las Blogs, ich las Bücher, ich las Menschen und ihre Meinungen – die mich überzeugten, keine Frage. Sie überzeugten mich von Gleichwürdigkeit, von einer Begegnung auf Augenhöhe, von gewaltfreier Kommunikation, kurz: eben davon, ein Kind auf seinem spannenden Weg in dieser unserer Welt bestmöglich zu begleiten, ohne es eben zu erziehen. Zu bitten, anstatt zu fordern, zu verhandeln, anstatt festzulegen, zu diskutieren, anstatt zu kommandieren, zu beobachten, anstatt zu bewerten, zu lenken, anstatt zu manipulieren. Eine Vorstellung davon, wie das würde ablaufen können, hatte ich selbst als Kind und Jugendliche erfahren. Meine Mutter hatte mit Erziehung – sagen wir – gegeizt. Sie hatte sie eher spärlich angewandt und dafür stets harsche Kritik geerntet. Sie hatte ihr sicherlich nie gänzlich abgeschworen und doch blicke ich auf einen sehr freien Umgang mit ihr zurück und erkenne einige „unerzogene“ Strukturen wieder. Vielleicht ist es deshalb für mich auch relativ einfach, die Unterschiede zwischen klassischer Erziehung und einem Verzicht auf ebendiese auszumachen. Und dennoch fällt es mir schwer, zu formulieren, wie dieses „unerzogen“ Ding geht, ohne das Gegenteil zu bewerten. Und das geht – ganz offensichtlich – nicht nur mir so.

Artig sein kann anstrengend sein
Unerzogen – erzogen – was denn nun?

Woran liegt das?

Ich habe in den letzten Wochen nahezu jeden Text über Erziehung gelesen, der in meine Filterbubble gespült wurde. (Einige davon findet ihr am Ende des Artikels und wer ergänzt werden möchte, darf sich bitte gern in den Kommentaren melden.) Dabei bekamen wir viele Einblicke in die Erziehungs – Gepflogenheiten der Blogger*innen. Bei keiner einzigen davon bekam ich Bauchweh, sah das Kindeswohl gefährdet und mich dazu veranlasst, oberschlaue Tipps zu verteilen, wie man DAS noch VERBESSERN könnte. Und zwar aus einem einzigen Grund: einem klassisch erziehenden Elternteil zu erzählen, es solle augenblicklich auf Erziehung verzichten, da sie nicht gut sei und ein Leben ohne Erziehung ja viel besser, das ist Bewertung, Beurteilung, Manipulation – kurzum: Erziehung.
Zu Beginn meines Textes erwähnte ich, dass der Verzicht auf Erziehung und seine Instrumente gute Gründe habe. Ich möchte sie nun schildern aber auch gleich klar machen, dass das unser persönlicher Familienweg ist, wie meine liebste Freundin sagen würde: es ist unsere Familie im Schraubglas. Eben ein Modell nur für uns, das vermutlich niemals 1:1 auch auf eine zweite Familie anzuwenden wäre. Und auch wenn einige universal sind, heißt das nicht, dass ich voraussetze, dass jede Familie so denkt und handelt.

Erziehungsinstrumente wie Strafen, Drohungen, Konsequenzen und Belohnungssysteme möchte ich nicht anwenden, um in allererster Linie die intrinsische Motivation meiner Kinder zu wahren, Dinge zu tun, weil SIE es wollen und weil SIE es für richtig halten. Und ja, das führt dazu, dass ich die Bude ständig selber aufräume, da sie alles überall verteilen und das Wegräumen als nicht wichtig ansehen. Und manchmal nervt das. Doch ich setze eben nicht voraus, dass sie die Wohnung aufräumen, damit ich mich wohler fühle. Nein, viel mehr wäge ich ab, ob es mir eine solche Situation, wie z. B. ein unordentliches Wohnzimmer tatsächlich ein „Nein“, ein sinnloser Streit oder eine Drohung wie „Wenn ihr nicht aufräumt, dann….“ wert ist. In den meisten Fällen – nicht nur das Chaos in der Wohnung, sondern alle „Neins“ eines Tages – ist es das nicht. Mein innerer Prozess ist eine Betrachtung unserer Bedürfnisse und ein Aushandeln ihrer Erfüllungen. Das klingt kompliziert – ist es aber nicht. Es gibt Tage, an denen es mir sehr leicht fällt, die Kinder mit den Sofakissen und Decken eine Höhle bauen zu lassen und es anschließend wegzuräumen und Tage, an denen nicht. Zum Beispiel weil ich sehr müde bin oder schlicht und einfach keinen Bock habe, aufzuräumen. Doch dann liegt es nicht an meinen Kindern, mir diese Bedürfnisse zu erfüllen, sondern an mir. Und dann ist es auch nicht ihre Aufgabe, ihre eigenen Bedürfnisse so weit herab zu schrauben, nur um keinen Streit, keine Verbote und keine Strafe zu bekommen. Zumindest nicht in meinen Augen und auch nicht im Sinne der Gewaltfreien Kommunikation nach Marshall B. Rosenberg, die ein wichtiger Bestandteil meines Denkens geworden ist. Es obliegt mir und meiner eigenen geistigen Stärke, meinen Kinder meine Bedürfnisse mitzuteilen und eine klare Bitte an sie zu richten. Das wäre dann zum Beispiel: „Leute, ich bin heute total müde und schlapp und es ärgert mich, wenn hier alles so unordentlich ist, weil ich Unordnung im Wohnzimmer nicht mag. Bitte lasst uns aufräumen oder zusammen ein Buch anschauen. Und morgen bauen wir die Höhle, okay?“

Kunstwerke auf dem Laminat.

 

Mein Kind, 2,5 Jahre alt und mitten in der Autonomiephase sagt nicht immer „Heyyyyy, klaaaaaar Mama, aber gerne doch!“ Nein, er schmeißt genau so Dinge durch die Gegend, tobt, wütet und schreit, wenn er das Nein nicht ertragen kann. Eine unerzogene Reaktion ist es dann, ihn in seinen Gefühlen zu begleiten und zu bestärken, dass seine Gefühle sein gutes Recht sind, wir nun aber dennoch einen Kompromiss finden müssen, der unser beider Leben erfüllt. Klingt Hippiemäßig, das mag es auch sein, doch das ist es eben nun mal, was wir Tag für Tag, von morgens bis abends hier tun: uns annähern. Kennenlernen. Gemeinsam leben.
Wenn er wütet und schreit, dann verurteile ich sein Verhalten nicht und bestrafe es nicht. Ich bewerte es nicht negativ und verbiete es nicht. Es ist da und wir müssen damit umgehen, alle beide. Ich schicke ihn nie auf sein Zimmer und wenn er rennt, gehe ich hinterher und biete ihm meinen Trost an und eine Lösung. Das ist, was unerzogene Eltern gern „in Beziehung gehen“ nennen und was außer ihnen kaum einer versteht, weil es leider Leuten, die sich mit der Thematik nie befasst haben, nichts nützt, mit Phrasen konfrontiert zu werden, anstatt eine ausführliche Erklärung zu bekommen. Um aber eine Diskussion zu schaffen, die auf Augenhöhe geführt werden kann, müssen bestimmte Parameter geklärt sein. Beide Seiten müssen zumindest in einigen Teilen gleichermaßen informiert sein. Es begegnet mir nicht selten, dass mein Gegenüber eigentlich gar nicht so richtig weiß, wie das funktionieren soll, auf Erziehung zu verzichten. Dann erkläre ich es gern umfangreich und möglichst verständlich. In einer einfachen, untheatralischen Sprache, am besten ohne Phrasen und Fachbegriffe. Ich finde das nur fair, wenn ich zwar einen Führerschein habe und weiß wie die Motorhaube aufgeht, nun aber mit einem KFZ-Mechaniker über meinen Keilriemen sprechen soll, zumindest das nötigste Grundwissen von ihm zu bekommen, um angemessene Fragen zu stellen. Doch leider mache ich diese Erfahrung in Erziehungsdiskussionen – eine Seite erzieht, eine nicht – leider noch immer viel, viel zu selten.
Und ich denke, das ist im Grunde auch, was mich – bis heute – daran hindert, mich „unerzogen“ plakativ anzuschließen und es bei jeder Möglichkeit zu verteidigen.

 

Unerzogen! Gilt nicht für andere Eltern

Ich bin aus Überzeugung eine nicht-erziehende Mutter. Ich habe Tage, an denen habe ich Momente, in denen ich erziehe und es gibt Tage, die mich aus Übermüdung und Überforderung so viel rum erziehen lassen, dass ich maximal von unerzogenen Momenten sprechen kann. Ich mache Fehler, handele aus dem Bauch und nicht nach einem Konzept. Ich bin keine ausgebildete Pädagogin und außer mit meinen eigenen Kindern habe ich noch mit keinen zu tun gehabt. Ich bin ein Mensch mit hohen Idealen und Werten. Und wenn ich etwas tue, tue ich es nicht einfach so, nein, ich lese kistenweise Bücher und Blogposts und liege nächtelang wach, um die bestmögliche Entscheidung zu treffen. Und dann hab ich ja auch noch diesen Blog und man könnte meinen, der diene dazu, anderen meinen Weg nahezulegen und in gewisser Weise stimmt das auch. Doch es ist Inspiration, die ich schaffen will, nicht Dogma. Denn: eine Anleitung zu einem unerzogenen Leben kann ich nicht geben. Aus vielen Gründen. Zum  Beispiel aus den oben genannten. Zum Beispiel weil meine Kinder zu klein sind um jetzt schon sagen zu können, wie gut das hier in 10 Jahren noch funktioniert. Zum Beispiel, weil ich noch nicht sehr lang von der Hochsensibilität meines Sohnes weiß, erst seit einem Jahr ungefähr und ebenso von meiner eigenen. Allein das birgt sehr viel Streit- und Konfliktpotenzial und es wird noch ein paar Jahre dauern, bis in quasi all unseren alltäglichen Situationen Routine und Selbstsicherheit die Hektik und Unsicherheit ausgleichen. Zum Beispiel, weil ich selbst es hasse wie die Pest, erzogen zu werden. Und deswegen nicht auch noch andere Eltern erziehen möchte, dazu, ihr Kind nicht zu erziehen. Die Perfidität dieses Zusammenhangs schreit zum Himmel.
Es gibt wunderbare Literatur zu dem Thema, tolle Blogs und wundervolle Menschen, deren übergeordnetes Ziel es ist, Eltern zu einem freieren Leben, fernab von Zwängen, anerzogenen Mustern und (Leistungs-/Gesellschafts-)Druck zu inspirieren. Sie leisten wichtige, tolle Arbeit und haben auch mich langfristig geprägt. Vor allem aber, weil ich mich nicht erzogen, nicht gezogen, nicht manipuliert fühlte, sondern überzeugt. Überzeugt davon, meiner bereits bestehenden inneren Haltung eine Stimme, einen Namen zu geben und mich zu trauen, loszulassen. Ich behaupte, dass jegliche Erziehungsversuche in meine Richtung nicht nur gescheitert wären, sondern vermutlich sogar eine Anti-Haltung hervor gerufen hätten.

Einer der wichtigsten Aspekte für mich, beim Verzicht auf Erziehung, ist die Authentizität. Das stets authentische Auftreten meinem Kind gegenüber. Eigentlich ist das die goldene Faustregel, würde ich behaupten. Darauf baut alles auf. Das heißt auch, dass Dinge, die mir wirklich komplett widerstreben, nicht ausgehalten werden müssen, nur weil ich sonst Gefahr laufe, zu erziehen. Immer, wirklich immer, konnten wir einen Mittelweg finden und nicht zuletzt aufgrund des Alters und der natürlichen Abhängigkeit meiner Kinder, sind viele Dinge (noch) gar nicht Thema. Es heißt aber auch, dass ich letztendlich nur nach meinem Gefühl, nach meinem Instinkt, handeln darf und nicht an Konventionen und Erziehungsrichtlinien oder -methoden gebunden bin. Ein Kind nach Paragraph zu erziehen nur weil „man“ das eben so macht, ist nicht authentisch. Und davon ab: Wer ist man? Es heißt für mich aber auch, niemanden zu erziehen. Nicht meine Kinder, nicht meinen Mann, nicht die Welt. Nicht andere Eltern.
Ich finde es höchst unauthentisch, die eigenen Kinder vor Erziehung zu schützen und dann in jedweder Diskussion auf Facebook oder sonstwo mit (manchmal sehr auswendig gelernten) Phrasen um sich zu werfen und ihren Weg als falsch zu bewerten. Erziehende Eltern zu verurteilen, mit dem Finger auf sie zu zeigen und ihren Weg als „Gewalt“ darzustellen, ihr Verhalten zu bewerten ist – ihr ahnt es vielleicht – Erziehung. Und es ist schade, dass unerzogene Eltern ihre Kinder nicht erziehen, dafür aber alle anderen. Ich wünsche mir eine Diskussion, bei der – genau wie im Alltag mit unerzogenen Kindern – auf Manipulation, Bewertung, Verurteilung, Vergleiche, Vorwürfe verzichtet würde.

 

Gewaltfreie Diskussionen wären ein Traum - leider einer, der noch in ferner Zukunft liegt
Gewaltfreie Diskussionen wären ein Traum – leider einer, der noch in ferner Zukunft liegt

 

„Erziehung ist Gewalt“ – warum diese Aussage selbst nicht gewaltfrei ist und vielleicht nie eine erziehende Familie umstimmen wird

Das Prinzip der Gewaltfreien Kommunikation nach Marshall B. Rosenberg würde – so von jedem Menschen auf dem Planeten angewandt – vermutlich zum allerersten Mal in der Geschichte der Menschheit für Frieden auf der Welt sorgen. Ihre 4 Bausteine (Neutrale Beobachtung einer Situation, Formulierung der Emotionen in dieser, Formulierung der Bedürfnisse (daraufhin oder allgemein), Konkrete Bitte/ Fragestellung an das Gegenüber zur Erfüllung) sorgen dafür, dass sowohl Sender als auch Empfänger mit klaren Informationen spielen können. Anders als beim Austeilen von Vorwürfen, Verurteilungen oder Beschuldigungen, auf die der Empfänger sich in erster Linie wird verteidigen wollen, geben Sie dem Gespräch eine friedliche Richtung. In einer Diskussion über Erziehung könnte ein Sender, der seinem Gegenüber konstruktive Kritik aussprechen möchte, also zum Beispiel sagen: „Ich sehe, dass du deinem Kind gegenüber Drohungen aussprichst. Das macht mich traurig, denn dein Kind möchte für dich gut sein und mit einer Drohung wirst du es gefügig machen, da es dir Unmut ersparen möchte. Ich wünschte, du würdest sehen, dass es einen anderen, sehr viel gewaltfreieren Weg gäbe. Darf ich ihn dir zeigen und dich mit in meine Welt nehmen? Hast du Interesse, mehr darüber zu erfahren?“
Leider eignet sich das nicht für eine Überschrift eines Blogposts. Ich weiß nicht, wann die Phrase „Erziehung ist Gewalt“ entstand und in welchem Kontext, doch sie schlug große Wellen. Ob genau dies beabsichtigt war, das mag ich nicht zu beurteilen doch eines ist klar: sie hat vermutlich keinem erzogenen Kind dazu verholfen, weniger erzogen zu werden. Und sollte das nicht eigentlich die Absicht sein?

Die Formulierung: „Erziehung ist Gewalt“ ist weder eine neutrale Beobachtung, noch eine konkrete Bitte oder Fragestellung. Es ist keine Emotion und kein Bedürfnis. Es ist eine Unterstellung und Verurteilung, eine sehr negative noch dazu. Und darüber hinaus wertet es die Erfahrungen, die Opfer von (tatsächlichen) Gewalttaten waren, und ihre Erlebnisse nun verglichen mit einer (vermeintlich) logischen Konsequenz wie „Wenn du dein Zimmer jetzt nicht aufräumst, dann kaufe ich dir nie wieder Spielzeug“ sehen, sehr stark ab.

Was ist also geschehen?

Klassisch erziehende Familien sahen sich angegriffen von einem Vorwurf, der (ich behaupte in vielen Fällen) nicht zutraf. Denn zumindest die Familien mit denen ich sprach, zeichnen sich durch liebevollen Umgang und Bindungsorientierung aus. Sie empfinden nicht, dass sich dies ausschließt und stehen hinter ihrer Entscheidung, ihre Kinder zu erziehen. Und auch mir fällt es zugegebenermaßen sehr schwer, diese Aussage unkommentiert stehen zu lassen – als selbst nicht erziehende Mutter! Sicherlich zum Einen, weil ich körperliche Gewalt als Kind erfahren musste und auch der Unterschied zwischen dieser und Erziehung mir persönlich sehr klar ist. Zum Anderen, weil ich Familien kenne, sie meine Freunde nenne, die Erziehung anwenden, was ich vielleicht nicht gut heiße und selbst nicht tun würde, aber die alles andere als gewaltsam sind. Wir mögen kritisieren, dass Eltern ihre Kinder durch andere, ja meinetwegen strengere und nicht gewaltfreie (i. S. d. GFK nach Rosenberg) Methoden dazu bringen, Dinge zu tun, Kommandos auszuführen, sich zu verhalten wie die Eltern es wünschen und dies auch zu begründen, doch all dies muss – in meinen Augen und gerade jetzt in den „Gründerjahren“ von unerzogen – ohne Erziehung geschehen! Wir sollten nicht Erziehung aus der Familie verbannen und uns aus den Köpfen wünschen und sie dann anwenden. Vor allem nicht, wenn uns der tiefe, kritische Blick in das Familienleben fehlt! Wir sollten nicht erziehen. Nicht unsere Kinder und nicht unsere Mitmenschen. Ein Vorwurf wie „Erziehung ist Gewalt“ ist nicht gewaltfrei, denn er enthält eine Verurteilung, eine Bewertung, eine Unterstellung. Wie fordere ich Gewaltfreiheit mit einer gewaltvollen Aussage? Ich denke: gar nicht.

Letztendlich ist meine Beobachtung der letzten Wochen die, dass all jene, die ohnehin ohne Erziehung lebten, sich nun häufiger verteidigen mussten und ihre Überzeugung von allen Seiten beschossen sahen. Es mag Eltern geben, die sich danach noch bestärkter und überzeugter fühlten. Die endlich eine Antwort auf ein tiefsitzendes Gefühl erhielten. Doch ist sie mit den richtigen Worten formuliert worden?

 

„Das Wesentliche der GFK findet sich in unserem Bewusstsein über die 4 Komponenten wider und nicht in den tatsächlichen Worten, die gewechselt werden“

Marshall B. Rosenberg – Gewaltfreie Kommunikation

Ich beobachte außerdem, wie klassisch Erziehenden nun das Interesse daran, wie so ein Leben ohne Erziehung eigentlich überhaupt aussehen könnte, einfach noch sehr viel mehr vergangen ist. Ich stütze das auf einen zugegeben gewagten Vergleich: ich bin seit 15 Jahren  Vegetarier / Veganer. Nie in meinem Leben habe ich jemanden davon überzeugen können, sein Leben ohne Fleisch zu leben, weil ich auf einer Grillparty aufsprang und schrie „MÖRDER!“. Wohl aber durch lange intensive Gespräche, fundierte Aussagen und ethisch schlüssige Argumente.

Gewalt erzeugt Gegengewalt, hat man dir das nicht erklärt?

Die Ärzte – Schunder-Song

Abschließend äußere ich meinen Monolog hier ganz Rosenbergisch mit einer klaren Bitte, der Äußerung eines Wunsches:

Ich wünschte, für alle zukünftigen Verhandlungen und Diskussionen über Erziehung, dass wir nicht mehr erziehen. Dass wir Familien in ihrem Schraubglas sehen und kennenlernen. Dass wir nicht einseitig bewerten und beurteilen. Dass wir auf Augenhöhe kommunizieren und nicht Dinge haltlos unterstellen. Dass wir unsere Überzeugung davon, Kinder ganz ohne Erziehung in die Welt zu begleiten, an andere Menschen tragen und sie inspirieren können, ohne mit Pauschalaussagen die Kluft zu vergrößern. Dass wir nicht vergleichen und nicht kämpfen. Darum, wer die besseren Eltern sind, wer das bessere Konzept hat oder den meisten Einfluss auf irgendeine „Szene“.

Lasst uns alle das gegenseitige Erziehen sein lassen. Das täte unserer Welt wirklich gut.

 

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Tief durchatmen, sich achtsam begegnen. Gewaltfrei und respektvoll.

 

Völlig subjektive Leseempfehlungen in alle Richtungen erhaltet ihr hier:

Elternmorphose: „Du hast deine Kinder nicht im Griff“ – Über perfekte Eltern und Kinder *

*Anmerkung: „HALT!“, werden nun einige schreien, „es war doch Aida, die diesen Satz in ihrem Video so ausgiebig besprochen hat“ – stimmt. Doch Aida spricht stets in der Ich-Form, von ihrer persönlichen Haltung. Und auch wenn wir in diesem Punkt nicht einer Meinung sein mögen, finde ich den Inhalt des Videos sehr wichtig, genau wie ihre Texte. Ich lese ihre Worte schon lange und werde das auch weiterhin tun.

Die Physik von Beziehungen: Das größte Missverständnis in unerzogen

Unerzogen Leben: Dein Kind will nicht hören? Glückwunsch! 5 Alternativen zum Gehorsam

Das gewünschteste Wunschkind aller Zeiten: Gewaltfreie Kommunikation mit Kindern und Logische Konsequenzen – Nichts anderes als Strafen (und gefühlt 50 andere wundervolle Artikel)

Die gute Kinderstube: Unerzogen vs. Erzogen – ein neues Minenfeld?

2kinder/küche/bad/balkon: my sweet Bullerbü

Glücklich scheitern: ErziehungistdieHöllesinddieAnderen

Rabensalat: Warum wir kein Attachment Parenting machen

Papa Pelz: Aufstand der Müden – #ElternmachenAufstand

2kindchaos: Trotzphase? Kann ich. Nicht. Von Ansprüchen und Selbstzweifeln

Mami’s Blog: Erziehung

Geborgen und Geliebt: Selbstbestimmt, Attachment Parenting und Unerzogen

Geborgen Wachsen: Entschuldigung.

meinmini.me : Selbstbestimmt, Fremdbestimmt, wer bestimmt?

 

Bilder: shutterstock.com / pixabay.de / ÖkoHippieRabenmütter

 

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