Geburtsbibel - Stillbibel. Richtig gute Bücher für (werdende) Mütter

Geburtsbibel – Stillbibel. Richtig gute Bücher für (werdende) Mütter (Rezension)

Rezension

Manchmal stelle ich euch hier gute Bücher vor. Meistens Bücher, die ich mag oder sogar liebe. Aber heute – heute stelle ich euch Bücher vor, von denen ich mir wünsche, dass sie Bibeln werden. Diese beiden Bücher kann ich euch sehr ruhigen Gewissens als Begleiter in der Schwangerschaft empfehlen und euch ans Herz legen, dass sie euch dann lange, lange Zeit nicht verlassen. Die Rede ist von Hannah Lothrop und Kareen Dannhauer. Beides nicht bekannt? Dann wird es allerhöchste Zeit!


„Guter Hoffnung – Hebammenwissen für Mama und Baby“ von Kareen Dannhauer

 

Guter Hoffnung – Hebammenwissen für Mama und Baby: Naturheilkunde und ganzheitliche Begleitung *

Verlag: Kösel-Verlag (4. September 2017), 448 Seiten
Sprache: Deutsch ISBN-10: 3466310768

Hebammenwissen, dachte ich, ist vielleicht ein bisschen zuviel des Guten. Ich begleite Frauen ab der Schwangerschaft – aber eben eigentlich nur zu Stillfragen. Tatsächlich kriegt man aber auch eine ganze Reihe anderer Fragen gestellt. Einige davon beantworte ich – manche darf ich aber auch gar nicht beantworten. Eine Hebamme kann ich nicht ersetzen und so dachte ich, könnte das Buch vielleicht auch gar nicht soooooo passend sein. Das schöne Cover sprang mich an, ich wollte es wenigstens mal testen. Aber für Ottonormal-Verbraucher, schwangere Frauen, möglicherweise erstes Kind – was sollen die mit so einem umfangreichen Schinken?

Meine Erkenntnis, nach zwei Abenden,  an denen ich dieses wundervolle Buch verschlungen habe aber: jeder werdende Vater und jede werdende Mütter sollte es haben. Denn auf über 400 Seiten beschreibt die Autorin so liebevoll und wertschätzend ungefähr alles, was eine Hebamme ist, tut und weiter gibt.

„Wir Hebammen wissen, wie eine Geburt unter gut begleiteten, das heißt meistens interventionsarmen Umständen hätte sein können. Deshalb können deine Ansprüche an eine Klinik gar nicht hoch genug sein. Es ist deine Geburt! Sie ist ein so tiefes biografisches Erlebnis, dass es dich begleiten wird, solange du lebst.“ (S. 44)

Die freiberufliche Hebamme schmückt ihr Werk zusätzlich mit all ihrem Wissen über Bachblüten und andere Naturheilmittel, die eine Frau optimal während der Phasen ihrer Schwangerschaft und der Zeit danach unterstützen.

Besonders überrascht hat mich das Buch an zwei Stellen, die ich hier auch unbedingt herausstellen möchte. In allererster Linie war das der Teil, in dem die erfahrene Hebamme über Schwangerschaftsübelkeit schreibt und ich gebe gleich zu: aufgrund meiner Geschichte war ich mehr als skeptisch! Doch tatsächlich kommt nach der standardmäßigen Empfehlung von Ingwertee und Globuli ein extra Teil für die übersteigerte Übelkeit namens Hyperemesis Gravidarum. Und siehe da: anstelle der gängigen Idee, Vomex könnte irgendetwas anrichten, empfiehlt sie Agyrax und damit ein Mittel, dass es erstens in Deutschland nicht gibt sondern aus dem Ausland bestellt werden muss und zweitens das Beste ist, was man empfehlen kann – zumindest in erster Instanz. Also, liebe Frau Dannhauer: perfekte Recherche, wunderbare Abgrenzung, ich bin begeistert.

Die zweite bereichernde Erfahrung sind die vielen Stellen, an denen die Autorin über alle Maßen wertschätzend und mitfühlend ist. Tränen muss ich zum Beispiel unterdrücken, als sie vom Verlust des Babys in der Frühschwangerschaft schreibt. Mit ihrer für mich wirklich besonderen Art, diese Dinge anzusprechen, holt mich Kareen Dannhauer durch jede der 448 Seiten ab. Und gleichzeitig erfahre ich so viele neue Dinge, von denen ich ohne dieses Buch nicht erfahren hätte:

„Manche Babys scheinen zu einer ganz frühen Zeit in ihrem Wachstum und sogar mit ihrem Herzschlag in so etwas wie einen Winterschlaf zu fallen. Es spricht überhaupt nichts dagegen, etwa zwei Wochen lang zu warten, um dann noch einmal zu schauen. Ich habe schon einige Babys im Wochenbett betreut, deren Müttern gesagt wurde „Das wird nix, da sehe ich nichts. Da müssen wir eine Ausschabung machen“ – Seite 72

Gleiches gilt für einen Passus über die Kariesprophylaxe auf S. 96, die vielen Empfehlung verschiedener Naturheilmittel oder Tees und bestimmter Praktiken für die Schwangerschaft und Wochenbettzeit. All das sind so spannende und interessante Aspekte, die das Buch wirklich einzigartig machen und zu einem langfristigen Begleiter, den man gern immer mal wieder aus dem Regal zieht.

Kareen Dannhauer liefert mit „Guter Hoffnung – Hebammenwissen für Mama und Baby“ eine lückenlose Auflistung von kleinen und großen Beschwerden mit Tipps zur Behandlung rund um und nach den 40 Wochen, dem Papierkram rund um die Geburt und liefert dann noch einen umfangreichen Teil zum Thema Ernährung. Veganismus kommt hier auch vor, allerdings nur am Rande und mit den üblichen Plattitüden. Aber die Autorin leitet bereits ein mit dem Vorsatz, keine Grundsatzdiskussion führen zu wollen. Ich denke: wer sich vegan in einer Schwangerschaft ernähren will, der wird überdies noch andere Bücher lesen und wer es eh nicht vor hat, dem wird dieser Teil ausreichen.

Kurzum: dieses Buch hat mich maßgeblich und langfristig bereichert und ich werde es nicht nur gern und immer wieder weiterempfehlen sondern ganz ganz sicher noch sehr häufig aus dem Regal ziehen. Sicherlich aus beruflichem Interesse – aber ganz sicher auch, für alle werdenden Mütter, die mich auf meinem Weg noch erwarten.


„Das Stillbuch“ von Hannah Lothrop

Das Stillbuch: Vollständig überarbeitete Neuausgabe *

Verlag: Kösel-Verlag (31. Oktober 2016), 400 Seiten
Sprache: Deutsch ISBN-10: 3466310644

Das gebe ich gleich mal zu: es ist mir ein bisschen peinlich. Ich berate zum Stillen bereits seit fast 2 Jahren, aber dieses Buch habe ich bisher noch nicht gelesen! Verrückt oder? Was ich mir nämlich als „Stillbibel“ für euch und alle stillenden Frauen wünsche – das ist in Wirklichkeit schon längst eine! Tatsächlich erschien dieses Buch erstmals 1980 im Kösel Verlag und  seitdem regelmäßig überarbeitet und ergänzt worden. Vor mir liegt heute die 39. (neununddreißigste!!!) Auflage der Mitbegründerin der La Leche Liga und damit eine der ersten Stillberaterinnen überhaupt. Und wem das nicht schon bewundernswert genug ist, dem gebe ich hier gern noch einmal mit, was genau dieses Buch für mich zu einem unverzichtbaren im Bereich der Stillberatung macht.

Nun, streng genommen gibt das Buch weit mehr Tipps, als dass sie sich nur auf die Stillzeit beschränken würden. Es beginnt weit in der frühen Schwangerschaft mit Ideen zur körperlichen und seelischen Vorbereitung auf das Kind. Hannah Lothrop hat sich Atemübungen ausgedacht, die sich positiv auf den Milchfluss auswirken, sowie kleine, einfache Grafiken erstellt, die die Aufteilung der Versorgung des Babys nach der Geburt genau auf die Eltern umlegt. Sie schreibt über die Geburt – vor allem für Paare – hilft, Rollen zu verteilen und betont die Wichtigkeit der Wahl des Geburtsortes.

Natürlich liefert das Buch – wie sein Titel bereits verrät – umfangreiches Wissen rund um das Stillen. Hier steht einfach alles drin: Was Bonding ist und wie es das Stillen beeinflusst, die unterschiedlichen Altersstufen des Kindes, mögliche Probleme und „besondere Umstände“. Wer sich einen praktischen, gut so sortierten, lösungsorientierten Ratgeber seine Stillzeit wünscht, der kann sich dieses Buch kaufen und ins Bücherregal stellen. Egal was dich dann erwartet – zieh es heraus, suche im Stichwortverzeichnis danach und lies, was Hannah Lothrop in den vielen Jahren ihrer Beratung dazu herausgefunden hat – oder eben, was die vielen herausragenden Begleiterinnen dieses Buches dazu ergänzt haben.

Hannah Lothrop kriegt mich vor allem  damit, dass sie – an so! vielen! Stellen! – immer wieder dazu appelliert, einen Moment innezuhalten, zu atmen, ganz bei sich selbst anzukommen. Als jemand, der nahezu täglich meditiert, Achtsamkeit in den Alltag integriert und tagtäglich Verbindung zu sich selbst und der eigenen Intuition anstrebt, weiß ich auch, wie wichtig und hilfreich diese Form der Selbstfürsorge ist. Sich selbst wahrnehmen, zuhören und achten – vom ersten Tag deiner Mutterschaft an – kann den riesengroßen Unterschied machen.

Tja, ihr seht es selbst: „Das Stillbuch“ ist eigentlich kein Buch nur über das Stillen. Aber beim Stillen geht’s ja eigentlich auch nie nur ums Stillen 😉

Also: Hannah Lothrops Buch ist unverzichtbar, unverwechselbar, unvergleichbar und eine lange Reihe weiterer „un-„’s. Ich liebe es. In meinem Regal bekommt es einen Ehrenplatz.

Beide Bücher sind mir freundlicherweise vom Kösel Verlag als Rezensionsexemplare zur Verfügung gestellt worden und dafür bedanke ich mich herzlich! Tolle Bücher, die mein Leben sehr bereichern. Wenn ihr eines oder beide nun für euch haben wollt, könnt ihr sie ganz einfach mit Klick auf eines der Bilder oder die mit * gekennzeichneten Links tun. Achtung: das sind Affiliat-Links. Das bedeutet: ich bekomme, wenn ihr etwas kauft, ein paar Cent Provision – ihr zahlt aber keinen Cent mehr als üblich.

Ich wünsche euch wirklich ganz viel Freude mit diesen beiden „Bibeln“! <3 

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