#HochsensibleMütter - die Interviewreihe

„Ich wäge jedes Ziel und jede Aufgabe ab“ – Amanda bei #HochsensibleMütter

Heute darf ich euch Amanda vorstellen. Sie ist 29 und zweifache Mutter eines 4,5-jährigen und eines 2-jährigen Kindes. Sie selbst weiß noch nicht lange von ihrer eigenen Hochsensibilität und hat es, wie so viele andere Mütter, herausgefunden, weil eines ihrer Kinder selbst betroffen ist. Wie sie leben, seit sie dieses Kind nun auch Zuhause betreut und wie sie mit den Herausforderungen des Alltags umgeht, beschreibt sie heute in ihrem Interview.

 

Vorhang auf für Amanda bei #HochsensibleMütter


 

Du bist hochsensibel. Seit wann weißt du davon? Hast du einen Test gemacht und wenn ja welchen? Und woran bemerkst du deine eigene Hochsensibilität am Deutlichsten?

Ich weiß seit ca. Juli 2016 davon. Zu dem Zeitpunkt habe ich erfahren, dass das Anderssein meines Sohnes Hochsensibilität ist. Ich habe mich dazu belesen und bin darauf gestoßen, dass es wohl bei mir auch so ist. Ich rieche stärker als andere, ich fühle immer furchtbar viel und intensiv, ich nehme Stimmungen meiner Mitmenschen stark auf. Ich tue mich schwer mit Veränderungen. Bei dem Besuch von vielen Leuten oder vielen Einflüssen bspw. auf dem Weihnachtsmarkt oder im Einkaufszentrum bin ich danach meist recht erschöpft.

Ich habe zwei Tests gemacht und bei dem Test von „Zartbesaitet“ hatte ich >260 Punkte von 300. Der andere: http://coaching-fuer-hochsensible.de/hsp-test/

 

Hochsensible Mütter schwanken, so Brigitte Schorr, eine Expertin auf dem Gebiet, besonders häufig zwischen Langeweile allein mit dem Kind und Überforderung im Alltag, ständig gepaart mit schlechtem Gewissen. Kannst du das bestätigen?

Ich kann das sehr bestätigen. Ich muss dazu kurz zu meiner Situation schildern, dass ich mit meinem HSK derzeit zu Hause bin (seit ca. August 2016), da er krank ist und nicht in den Kindergarten darf. Ich will alles richtig machen und habe einen sehr sehr hohen Anspruch an mich selbst. Diesen kann ich nicht erfüllen und dann verzweifle ich wieder mal daran. Ein schlechtes Gewissen habe ich stets, ich dachte jedoch bisher, dass das meiner eigenen Kindheit und meiner Sorge vor Fehlern geschuldet ist.

 

Als Mutter ist man irgendwie ja auch fremdbestimmt durch das eigene Kind. Empfindest du das auch und wenn ja, an welchem Beispiel besonders? Und wie gehst du damit um?

Eigentlich am ganzen Tag, zumindest mit Kind zu Hause. Ich wäge jedes Ziel oder jede Aufgabe ab, ob er und ich das heute schaffen. Spontanität ist meist nichts für ihn und er ist davon oft überfordert. Man muss ihn auf alles vorbereiten. Er mag keine Veränderung und dementsprechend braucht es im Alltag oft Zeit oder Engelszungen. Ich richte also meinen Tag stark nach seinen Bedürfnissen. Es wird zwar mit seinem steigendem Alter leichter, aber derzeit ist es noch sehr fremdbestimmt.

 

Ist deine eigene Mutter oder dein Vater hochsensibel? Erkennst du sie in dir wieder? Was schätzt du an deinem hochsensiblen Elternteil? Und was gar nicht?

Das kann ich leider nicht sagen. Vermutlich ist meine Mutter hochsensibel, aber das weiß ich nicht genau.

 

Ist dein Kind hochsensibel? Prallt ihr oft aneinander?

Ja, mein erstgeborener Sohn ist hochsensibel. Es kommt derzeit dazu, dass er krank ist und nicht in den Kindergarten darf. Ich betreue ihn zu Hause und mittlerweile geraten wir stets aneinander. Im Vergleich mit meinem anderen Sohn gerate ich tatsächlich oft aneinander, da wir beide recht häufig Emotionsexplosionen haben und ich dann auch schnell überfordert bin.

 

Hast du ein normal-sensibles Kind? Und wenn du sowohl als auch hast: welche Unterschiede zwischen den Kindern und zwischen dir und deinem normal sensiblem Kind machen sich besonders oft bemerkbar?

Vor allem der Umgang mit Neuem, Unbekanntem und Veränderung, außerdem die Unfähigkeit Dinge zu akzeptieren und die fehlende innere Ruhe.

 

Welches Kind empfindest du als pflegeleichter?

 

Mein nicht-hochsensibles Kind ist deutlich pflegeleichter, in allem. Ich weiß nicht, ob es daran liegt, dass er mein zweites Kind ist, aber es war von Anfang an alles leichter. Das Stillen, das Schlafen, die Umstellung nach dem Stillen, der Kindergarten,… ich könnte die Liste sehr lang fortsetzen, fasse es jedoch damit zusammen, dass jede Veränderung/jeder Entwicklungsschritt in seinem Leben leichter zu meistern ist, als der seines (HS) Bruders.

 

Stressabbau und Selbstregulationsmechanismen: würdest du sagen, du lebst gut mit deiner Hochsensibilität? Welchen Strategien hast du, um dich selbst zu beruhigen und deinen inneren Stress abzubauen?

Mein Körper gibt mir Zeichen zu meinem Stresslevel. Leider habe ich diese, viele Jahre lang ignoriert und erst durch eine Verhaltenstherapie wahrgenommen und einzuschätzen gelernt. Seit dem weiß ich, es ist Ruhe angesagt, die Erwartungen und der eigene Anspruch muss runter geschraubt werden.  Es ist wie beim Kind auch bei mir in Phasen geteilt. Mal komme ich super klar und kann meine Eigenschaften wertschätze und nutzen und mal verzweifle ich an allem, dem Alltag, meinem hochsensiblen Sohn, mir und meinen Emotionen. 

 

Welchen Rat würdest du anderen hochsensiblen Müttern geben? Und wenn du Literatur zu dem Thema gelesen hast, möchtest du etwas empfehlen?

Elaine Aaron – „Das hochsensible Kind“ empfand ich als ein hilfreiches Buch, da es nicht zu abstrakt war. Außerdem helfen mir Blogs, die sich mit dem Thema befassen. Man liest von Erfahrungen und Situationen, die man ebenso gerade durchlebt und kann dann Impulse finden.

 

Ein Ausblick in deine Zukunft: Welche Eigenschaft darf wachsen, was willst du so bewahren wie es ist und woran möchtest du gezielt arbeiten?

Ich finde sowohl bei mir als auch bei meinem Sohn unser Empathievermögen toll! Das darf gerne bleiben. Arbeiten möchte ich an meinem Selbstvertrauen und meinen eigenen Ansprüchen.


 

Ihr findet alle anderen Interviews der Reihe #HochsensibleMütter, wenn ihr hier klickt.

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