Bioveganer Anbau im eigenen Garten

Jahres-Anbauplanung: in 4 Schritten zum Selbstversorger-Garten

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Im Herbst des letzten Jahres hatte ich in einem separaten Artikel schon beschrieben, was wir im Garten in 2016 umgesetzt haben, was dabei vor allem schief gegangen ist und was wir uns so grob für 2017 vorstellten. Dort schrieb ich bereits, dass dieses Jahr im Zeichen der Selbstversorgung stehen würde. Da wir eine 4-köpfige, vegane Familie sind, einen eigenen Garten und relativ viel Anbaufläche haben, ist die Möglichkeit der Selbstversorgung gegeben und kann, durch eine gute und lückenlose Planung, ziemlich Sinn machen. In einem Rechenbeispiel am Ende des Artikels zeige ich euch, was das vor allem finanziell ausmacht.

Aber wie sieht sie denn aus, diese gute lückenlose Planung?

Als ich entschied, uns selbst zu versorgen, las ich erst mal – das ist meine Natur – tausend Blogs und Ratgeber dazu, um ja vorbereitet zu sein. Ich blätterte den ganzen Sommer in Zeitschriften und las alles mögliche. Ich probierte es mit der ersten Anzucht im Garten im letzten Jahr und musste leider einige Brokkoli-Pflänzchen lassen. Deswegen steht für dieses Jahr fest: alles muss gut strukturiert und getaktet sein. Doch einen eigenen Plan für die eigenen Beete zu erstellen, und quasi bei Null anzufangen, das fiel mir nicht leicht. Deswegen habe ich es in wenige Schritte eingeteilt und die halfen hier ziemlich fix, aus dem Chaos eine Struktur zu machen.

 

Bioveganer Anbau im eigenen Garten
Struktur ins Chaos: der beste Weg in den Selbstversorger-Garten

 

Schritt 1: Festlegung des Platzes und der Beetaufteilung

Der Platz entscheidet letztendlich natürlich darüber, wie viel und auch was ihr anbauen könnt. Die unterschiedlichen Gemüsesorten brauchen alle auch unterschiedlich viel Platz. Radieschen werden nur 3,5cm voneinander gesät, Bohnen brauchen im Gegensatz 50cm in der Breite und 10cm in der Reihe. Kürbis & Co. brauchen ebenso gute 40cm, Fenchel nur 10-15cm… und so weiter. Die genaue Grundfläche zu kennen hilft also ungemein, im nächsten Schritt darüber zu grübeln, welche Pflanzen man anbauen möchte und auch kann.

Talking about the Beetfläche: im Zuge der Vermessung lohnt sich auch die Einteilung! Vor allem vor dem Hintergrund der Bepflanzung der nächsten Jahre. Es gilt dabei zu beachten, welche Ansprüche die Pflanzen haben, die ich ins Beet setze und auf welche Weise sie den Boden auszehren. Für die Folgekultur heißt das dann nämlich, jene Pflanzen hinein zu setzen, die nicht die gleichen Nährstoffe aus dem Boden benötigen und so dafür zu sorgen, dass der Nährstoffhaushalt meiner Erde im Gleichgewicht bleibt.

Klingt kompliziert, ist es aber gar nicht. Vor allem im ersten Jahr nicht. Habe ich nämlich im letzten Jahr nichts angepflanzt, dann kann ich vielleicht den pH-Wert bestimmen, grundsätzlich aber auch frei nach „Trial & Error“ einfach anpflanzen, worauf ich Bock habe. Allerdings solltet ihr dann auch schon überlegen, was im nächsten Jahr ins Beet soll (Fruchtfolge beachten!). Außerdem empfiehlt es sich, direkt eine ausgewogene Mischkultur anzulegen. Das bedeutet, dass ihr auch darauf achtet, welche Pflanzen untereinander gute Nachbarn sind, aber auch, welche ihr im Anschluss an die bspw. im Frühjahr gesäten Pflanzen einpflanzen könnt, die nicht die gleichen Nährstoffe benötigen und somit den Boden nicht zu sehr auszehren.

 

Bioveganer Anbau im eigenen Garten
Anbaumonate in den Kalender, Platz im Beet auf ein separates Blatt Papier

 

Eine relativ übersichtliche Variante ist es, das Beet in vier Bereiche einzuteilen und seine Gemüse in die vier Gruppen Starkzehrer, Wurzelgemüse, Leguminosen / Schnittblumen und Kartoffeln / Fruchtgemüse (Mein Tipp: im Buch „Mein Selbstversorger-Garten Monat für Monat“ steht alles dazu drin).

Achtung! Das geht nur, wenn ihr extrem viel Platz habt, nur wenige Sorten anbaut oder weitere Flächen wie z.B. Balkon, Kompost oder Kübel für euer Gemüse hinzu nehmt. Ansonsten muss erwähnt werden, dass hier u. U. viel Fläche verloren geht. Muss nicht. Kann aber. Der Vorteil liegt für die folgenden Jahre auf der Hand. Die übersichtliche Einteilung der Fruchtfolgen lässt keine Fragen offen: wo der Starkzehrer saß, überwintert Gründünger und im Folgejahr wird ein Schwachzehrer eingepflanzt. Für Einsteiger eine wirklich gute und sichere Methode, die Erde im Garten nicht auszulaugen.

Wir haben uns aber dagegen entschieden und Gärtnern in 2017 im Quadrat.

Squarefoot Gardening

Squarefoot Gardening ist eine Beeteinteilung, die in meinen Augen Sinn macht, wenn man a) einen guten Boden hat, auf den man – für dieses Jahr oder allgemein – nicht groß Rücksicht nehmen muss, b) nicht massenweise Platz hat und/oder c) besonders artenreich anbauen will. In unserem Garten treffen glücklicherweise a, b und c zu. Das quadratische Gärtnern ist und damit auf den Leib geschnitten.

Und so geht’s: 

– das Beet wird in 1,20m x 1,20m eingeteilt oder, wer noch keins hat, entsprechend in dieser Größe abgestochen und ausgebuddelt.

– das kann man natürlich wiederholen. Wir haben z.B. über 25qm Fläche, d. h. wir haben vier 1,2omx1,20m Squarefoot Beete, eines ist sogar ein wenig länger. Länger darf es sein, breiter eher nicht – dann lässt es sich schwer bearbeiten.

– das große Quadrat teilt man wiederum in 30cmx30cm Quadrate ein. Abstecken kann man das ganz wunderbar aus zusammengebundenen Stöckern zum Beispiel

– pro Quadrat haben nun unterschiedliche Gemüse Platz. Je nach Größe kommen hier 1, 4, 9 oder 16 Pflänzchen raus. Das hängt natürlich auch wieder vom benötigten Platz ab. Ein Quadrat ist Platz für einen Kürbis, einen Brokkoli, einen Blumenkohl… vier Fenchel, Kohlrabi, Paprika…. neun Salate, Erbsen, Zwiebeln…. oder 16 Radieschen, Karotten oder oder. Um nur ein paar Beispiele zu nennen. Das heißt, man nutzt das Beet buchstäblich bis auf den letzten Zentimeter aus. Und liefert sich selbst noch dazu den größtmöglichen Ertrag.

Besonders dankbar ist die Nacharbeit: abgeerntete Beete werden mit reifem Kompost aufgefrischt und sofort neu bepflanzt werden. Pro Quadrat kannst du so, wenn alles gut läuft, drei Gemüsesorten im Jahr ernten. Auch wenn das Anlegen des Beetes einfach ist, die Pflege nicht viel Aufwand bedarf und direkt wieder angepflanzt werden kann, darf man hier nicht vergessen, dass sehr viel Ertrag anfällt! Das heißt auch, dass viel vorgezogen und eingepflanzt werden muss. Und letztendlich, je nach Größe des Beetes, eben auch das ganze Jahr hindurch Arbeit anfällt.

Schritt 2: Was will ich eigentlich alles anbauen?

Wir haben die Köpfe zusammen gesteckt und aufgeschrieben, welches Gemüse wir gern essen oder unbedingt mal anbauen wollen. Letzteres war für mich fast wichtiger. Deshalb gibt es in diesem Jahr so lustige Dinge wie Ananaskirsche (die ich überhaupt noch nie gegessen habe) in unserem Garten oder auch Dinge, die außer mir bestimmt sonst keiner essen wird, wie Winterportulak und grüne Bohnen. Das macht aber nichts. Wer eine Food Sharing Station in seiner Stadt hat, wird sein Gemüse im Zweifelsfall immer los.

Also, auf einer langen Liste steht nun euer Gemüse. Auf der anderen Seite habt ihr idealerweise ein Buch aufgeschlagen, das euch genau über den benötigten Platz eures Gemüses informiert (siehe Linkliste am Ende). Und schon sind wir im dritten Schritt:

 

Schritt 3: die genaue Platzeinteilung im Beet

Auf einem großen Blatt zeichnet ihr eure Beetfläche nach und teilt sie so ein, wie ihr pflanzen möchtet. Die Wunsch-Gemüse listet ihr nun nach Anbaumonaten auf, zum Beispiel direkt in einen übersichtlichen Kalender. Und dort auch gleich, wie oft ihr pflanzen bzw. nachsäen wollt oder müsst. Zum Beispiel kann Fenchel ab Februar vorgezogen werden und ist somit eins der frühesten Gemüsesorten (zusammen mit einigen anderen). Gesät werden kann er bis in den Mai. Um sich mit ihm möglichst lang selbst zu versorgen trage ich in meinen Kalender also das früheste Datum der Anzucht im Haus ein und dann jeden Monat zu einem bestimmten Datum wieder. Somit erinnere ich mich daran, ihn regelmäßig nach zu ziehen und zu pflanzen, damit ich früh, aber auch lange etwas davon habe. Wieder andere Sorten, wie bspw. Tomaten ziehe ich früh vor, dafür direkt eine große Menge. Die säe ich aber nicht mehr nach. Der begrenzte überdachte Platz lässt das nicht zu. So haben wir zwar nicht schon ab April eigene Tomaten (mit frostfreiem Gewächshaus wäre das anders, bleibt aber gerade noch ein Traum), dafür aber sehr lang. Im Oktober 2016 hatten wir die letzten unreifen, grünen Früchte geerntet und im Haus nachreifen lassen. Bis Anfang Januar hatten wir unsere eigenen Tomaten.

 

Bioveganer Anbau im eigenen Garten
Bioveganer Anbau im eigenen Garten

 

So entsteht also anhand meiner Wunschliste im Kalender nach und nach eine genaue Struktur der Arbeit, die ich zu tun habe und ein zeitlicher Überblick. (Übrigens: wenn ihr ein Frühbeet im Garten habt, ersetzt das für einige, robustere Sorten das Gewächshaus und einiges kann schon Ende Februar oder Anfang März und damit weit vor den Eisheiligen raus in die Erde.) Um mir meine Arbeiten zusätzlich zu veranschaulichen nutze ich unterschiedliche Farben für die Anzucht auf dem warmen, die auf dem kühlen Fensterbrett, das Setzen ins Frühbeet und das direkte Pflanzen in mein Feld. Obst und Beeren haben wir in einem separaten Feld, was ich persönlich als übersichtlicher und einfacher empfinde, da kommt nämlich nur minimal etwas hinzu (die meisten Sorten sind ja mehrjährig).

Wenn der Kalender die zeitliche Abfolge beinhaltet, das Beet in seine Flächen eingeteilt ist und ihr euch festgelegt habt, was ihr wann tun müsst, sind wir schon beim vierten Schritt.

 

Schritt 4: Kreativ werden! Was kommt wo hin und reicht mein Platz?

Mein Anspruch an die Selbstversorgung ist, kaum bis kein Gemüse mehr einkaufen zu müssen. Daher habe ich auch jene Sorten auf dem Balkon und damit in direkter Küchennähe, die ich ständig nutze. Dazu gehört zum Beispiel ein ganzjähriges Salatbeet, mit immer wechselnden Sorten, die ich ab März durch säe. Wenn wir zum Abendbrot Salat wollen, muss ich nur wenige Schritte gehen, um ihn zu ernten. Außerdem sind dort Bohnen, die wunderbar ranken und die Sicht zum Nachbarn versperren, ein paar Kartoffeln in Kübeln (zum Test, um ehrlich zu sein), Spinat, Gurke, ein paar Kräuter und viele, viele essbare Blüten. So der Plan.

Im Garten steht dann alles andere – und auch wirklich ALLES andere. Damit ich, neben meinem Kalender, nicht völlig mit den Mengen übertreibe, Pflanzen vorziehe, die dann aber letztendlich keinen Platz im Beet habe oder mich generell völlig verschätze, habe ich meinen Garten aufgemalt (hatte ich ja zur groben Einteilung der Mischkultur und Fruchtfolge bereits getan), in meine Squarefoot Beete eingeteilt und hier wiederum aufgemalt, was wo seinen Platz findet. Und auch hier bin ich wieder ganz kreativ mit bunten Farben dran gegangen, die hier allerdings die Monate des Einpflanzen darstellen.

Bioveganer Anbau im eigenen Garten
Bunte Beetflächen für den Jahresanbau: ein Ausschnitt meiner Notizen

Den ganzen Plan kann ich euch leider nicht zeigen, weil er hingeschmiert und hingekritzelt ist. Ich bin nicht so der Pinterest-Blogger, wie ja landläufig bekannt ist. Außerdem verschwindet der Zettel in meinem Blaumann, wird bald dreckig und nass und naja. Damit man sich vorstellen kann, wie das ungefähr aussieht, wenn man brav alle Nachbarschaften, Fruchtfolgen, Mischkulturen, Anbaumonate, Platzbedarf etc. beachtet hat, gibt’s hier zumindest einen Ausschnitt.

Dieser letzte Schritt ist das Zusammenfügen aller vorherigen und wenn ihr das erledigt habt, dürfte der Saatgut-Bestellung nichts mehr im Wege stehen. Denn wenn hier keine Beetfläche mehr frei bleibt, ihr so bis September gut mit Arbeit ausgelastet sein, euer Kalender und die Beetflächen übereinstimmen und so gut 4 Stunden Arbeit rum sind – dann habt ihr alles richtig gemacht 🙂

 

Bioveganer Anbau im eigenen Garten
Ich bestelle am liebsten bei Dreschflegel. KEINE Kooperation, aber eine Empfehlung von Herzen. Siehe Links am Ende.

 

Also, zusammen gefasst:

  • Platz bestimmen, Beete ausmessen und wenn noch nicht vorhanden, gut planen, auf ein Papier zeichnen
  • Aufteilung des Beetes nach Gruppe (siehe oben) oder Alternative Form (z. B. Squarefoot Gardening)
  • Damit festlegen, wie viel Platz effektiv genutzt werden kann und in welcher Fruchtfolge und Nachbarschaft die Aorten zueinander stehen
  • auf einem weiteren Zettel notieren, was man gerne essen und somit vorher anbauen möchte.
  • Platzbedarf des Gemüses, Anbaumonat und Mischkultur beachten. Passt alles zu mir und meinem Beet?
  • Sortieren: was können wir umsetzen und was kommt vielleicht erst im zweiten Gartenjahr?
  • Die fertige Liste der Pflanzen, die du anbauen willst, nach Anzucht- und Aussaatmonat in einen übersichtlichen Kalender eintragen
  • ausgehend von der Art deines Beetes, deines Platzes und deiner ausgewählten Sorten nun zusätzlich in die Beetflächen zeichnen, was du wo pflanzen möchtest. Korrespondieren Kalender und Pflanzen? Was ziehst du vor, was kann in eine abgeerntete Beetfläche und brauchst du zusätzliche Kübel zum Vereinzeln, umpflanzen, pikieren oder zum Wachsen selbst?
  • Wenn Kalender und Beetfläche übereinstimmen: Juhu! Geschafft! Du kannst dein Saatgut bestellen und mit der Arbeit beginnen!

 

Literatur und Links

Klingt kompliziert? Ist es aber nicht. Und damit es in diesem und auch in allen anderen Jahren klappt, empfehle ich euch diese Bücher, Blogs und Adressen zum Einlesen und Vorbereiten:

 

 

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