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„Mit zwei Kindern unter 2 schrammt man täglich an der Notaufnahme vorbei!“ URNATURAEN über #ZweiunterZwei

Die namenlose Autorin des fantastischen Blogs URNATURÆN ist Zweifachmutter, ihre Söhne sind mit 2 Jahren und 10 Monaten genau 14 Monate auseinander. Auf die Frage, ob das so geplant war, antwortet sie: „Zufällig mit Beabsichtigung. Wir wollten unbedingt zwei Kinder mit kurzem Abstand, dass es dann so ein kurzer Abstand wird, war überraschend.“ Und das sieht man auch gleich, wenn sie die Vor- und Nachteile aufzählt, denn spätestens dort wird klar, wie sich Eltern mit Kindern in wirklich kleinem Abstand zerreißen müssen, um ihren Kindern gerecht zu werden. Sie spricht von Entbehrung und Stress aber auch sehr viel Liebe und Verständnis kann man ihren Worten entnehmen. Ein sehr liebevoller, weicher Text über ihre Kinder, ihre Liebe und wie sie an ihren Herausforderungen gewachsen ist.

 

Vorhang auf für URNATURÆN und ihre Einblicke in #ZweiunterZwei

 

 

IMG_5507Was sind die größten Herausforderungen bei Kindern, in so kleinem Abstand? Sowohl direkt zu Beginn als auch später noch?

So ziemlich alles. Es ist schwierig gerade in der Anfangszeit bzw. Wochenbett (welches ich wirklich nicht mal im Ansatz einhalten konnte), dem größeren Geschwisterkind volle Aufmerksamkeit zu schenken, im Alltag. Ich muss mich auch heute noch, wirklich sehr darum bemühen, dass das ältere Kind nicht untergeht. Genug Aufmerksamkeit geschenkt bekommt, irgendwie gesättigt ist. Seelisch. Ich denke mir ständig neuen Quatsch aus, sei es indoor oder outdoor, um ihn für eine Weile zu beschäftigen. (Oberflächliche Beschäftigungsversuche schlagen meistens fehl. Ich muss voll da sein. Genau das ist eine große Aufgabe). Während ich meist den Kleinen auf dem Rücken trage (mit einem Tuch oder Tragehilfe), um den Haushalt zu schaffen. Damit es hinterher so aussieht, als hätte man nichts gemacht, kennt man oder ? Man hält eigentlich nur alles instand. Wirklich vom Fußboden essen, kann man bei mir nicht mehr. Tierhaare. Trinkbecherflecken. Die Terrassenfenster voller Fingerabdrücke. Unter dem Sofa sammelt sich alles, Baustein und weiteres Spielzeug. Die Wäsche bei einem 4 Personenhaushalt ist Wahnsinn. Ich habe selten alles komplett fertig gewaschen und getrocknet. Dazu müsste ich 34234x in den Keller jumpen. Am besten noch mit Kind auf dem Rücken. Sonst kann dieser 5 Minuten Ausflug lebensgefährlich werden. Wirklich sachte sind Kinder in dem Alter nicht. Ich sagte einmal: Mit zwei Kindern unter 2 schrammt man täglich an der Notaufnahme vorbei. Wirklich. Da wird einfach die schwere Holzente Richtung Bruder geworfen. Der Bruder umgeworfen. Gehauen. Angeschrien. Ja, er bekommt so ziemlich viel Zorn ab. Er ist ja auch schuld an der Entthronung. Der Große war 14 Monate die Nummer eins und dann muss er sich plötzlich mit einem Bruder auseinandersetzen. Jetzt allmählich freunden sie sich an. Sie lächeln sich zu. Werden langsam aber sicher warm miteinander. Es gibt immer noch sehr viele ‚Pass doch bitte auf‘ Momente. Die wird es auch so lange geben, bis der kleine Bruder was entgegen zu setzen hat.

Welche Zeit nach der Geburt des zweiten Kindes fandest du am herausforderndsten / schönsten / schlimmsten?

Die Wochenbettzeit. Das Einspielen auf den Alltag mit Kleinkind und Trage & Brustjunkie. Ein Kind ist kein Kind. Diesen Spruch habe ich dann so wirklich verstanden. Es ist wahr. Ich brauchte auch einige Zeit, um mich an alles zu gewöhnen. Alles im Doppelpack. Aber auch heute noch, Kinder haben es irgendwie im Gespür, wenn es mal schnell losgehen muss.

Es ist eine kleine Aufgabe für mich. Frühe dachte ich, ich wäre ein ruhiger Mensch, seitdem ich Kinder habe, weiß ich , dass es nicht so ist. Ich muss mich oftmals bewusst zur Ruhe auffordern. Entschleunigen. Weniger Perfektionismus an den Tag legen.
Vor- und Nachteile des Altersabstandes: Gibt es sie? Was sind sie für dich?

Ich habe aufgehört zurückzuschauen. Ich lebe lieber jetzt. Manchmal hilft es, Dinge so zu nehmen, wie sie sind, statt ständig damit zu hadern und ja ich habe oft Momente gehabt, wo ich sehr damit gehadert habe.

Rückblickend sind die Nachteile, dass wenn man nicht in einer ‚Afrikanischen Familie‘ lebt, der Mann jeden Tag arbeiten geht bis 19 Uhr. Keine Familie zur Unterstützung in der Nähe hat, einen das Ganze ziemlich schnell über den Kopf wachsen kann. Das war für mich ein großer Nachteil.

Es fordert alles, was man hat. Alle Ressourcen. Auch heute noch. Es gibt einfache Tage und dann gibt es die, wo alle krank sind. Alles muss weiter laufen. Ich glaube, das ist aber eine Erscheinung der Moderne. Wer hat sich das eigentlich ausgedacht, dass Frauen alles alleine schaffen müssen ? Es hat sich irgendwie so in den Köpfen verankert.

Ich will ja gar nicht darüber sprechen, wie ich selbst als Kinderlose über Mütter gedacht habe. Ich hatte nicht die leiseste Ahnung, was die alles leisten! Besonders die, die Ihre Kinder 24h Selbstbetreuen. Es ist ein 24-Std-Job! Tag und Nacht ist man abrufbereit. Ich glaube das vergessen viele, wenn Sie sagen „Ach das bisschen Haushalt und diese wirklich zuckersüßen Jungs“.

(Oton) Ja, die sind natürlich den ganzen Tag super gelaunt, unautonom und kooperieren ständig! Ich sage nur Terrible Two. Ihr braucht Nerven aus Stahl. Flexibilität. Einen starken Partner und Zeit für sich selbst und wenn es nur mal alleine Baden ist oder eine Stunde Musik hören. Denn ich habe das Ganze auch sehr unterschätzt. Ich dachte auch, ja das schaff ich schon. Aber irgendwann wurde ich dann ungerecht zu den Kindern. War sehr mies gelaunt, wollte ständig meine Ideale über Board werfen und war einfach nur kurz vor dem Nervenzusammenbruch.

Aber sprechen wir jetzt von den Vorteilen! Ich glaube, dass Kinder mit kleinem Abstand auch sehr profitieren voneinander. Aber erst später. Wenn Sie wirklich in der Phase sind, wo Sie sich mit anderen auseinandersetzen. Geistig auch reif dafür sind. Bis dahin geht viel Zeit ins Land. Mein Großer war eben erst 14 Monate. Konnte grade einigermaßen laufen und hatte gerade erst begonnen nachts zu Schlafen ohne 3-4 Pausen. Da kam auch schon der Bruder. Alles ging wieder von vorne los. Ich denke, wenn sie 3 und 4 sind. Wird man weder Altersunterschied sehen, noch wie lange die Anlaufzeit war. Bei uns war sie lang und das ist auch dem Alter des Ersten geschuldet. Es kann auch ganz anders laufen. Aber ich glaube eine Entthronung ist eine Hürde, die jedes Kind zu nehmen hat. Der eine mit weniger Protest als der andere. Das neue Geschwisterkind steht buchstäblich zwischen Mutter und dem Ersten. Genau das hat er mich sehr spüren lassen und es ist bis heute eine große Aufgabe für mich, beiden Gerecht zu werden.

Es sind 0 Grad und Schneeregen, du musst mit beiden Kindern zum Kinderarzt. Dein Baby ist 4 Monate alt, dein Kleinkind entsprechend eures Abstandes älter. Zusätzlich hat es Angst vorm Kinderarzt. Der Termin ist morgens um 8 Uhr. Ihr fahrt 20 Minuten mit dem Auto, das Baby wird voll gestillt. Es gibt keine Parkplätze, nur ein Parkhaus in der Nähe (ca. 5 Min. Fußweg). Wie löst du das?

Früher wär ich in Panik verfallen. Heute sage ich mir gezielt: Dann komm ich halt zu spät na und ? Ist es das Wert mir jetzt so einen Stress zu machen ? Nein. Dann stille ich halt jetzt im Auto/Bus/Bahn unterwegs. Das Kind ist entspannt… und ich auch. Der kleine Bruder kommt in die Trage und einen Buggy für den Großen habe ich immer dabei. Ich muss immer damit rechnen, dass der Große nicht laufen will oder nicht in den Buggy will. Organisation ist alles. Ich habe auch immer etwas zum snacken und trinken dabei. Windeln und das ganze Programm. Ich überlasse inzwischen nichts mehr dem Zufall, was das angeht. Oft sind es nämlich nur kleine Dinge, die die Stimmung ganz schnell kippen lassen. Das heißt, stillen – > Kind in die Trage – > Anderes Kind in den Buggy oder Entenmarsch (dann kommen wir halt noch später) währenddessen denk ich mir ein gutes Argument aus, warum wir zu spät sind. Schneeregen ? Kein Problem. Das habe ich ja hoffentlich vorher gesehen und die Kinder dementsprechend angezogen. Aber selbst wenn nicht. That’s Life. Das wird uns nicht umbringen.

„Das sagt einem ja auch keiner“ – worauf hättest du dich gern vorher eingestellt?

Ich denke das wird man sowieso nicht glauben oder sagen ‚meine werden nicht so‘. Das habe ich auch mal irgendwann gemeint und genau das Gegenteil ist eingetroffen.
Dann werden sie genau so, oder schlimmer.
Frau wächst mit Ihren Aufgaben.
Hätte man mir einiges vorher gesagt, hätte es mich nicht davon abgebracht Kinder zu bekommen.
Und zack, schon vor diesen Aufgaben!

Schonungslos: hast du ein Lieblingskind?

Einer schreit immer, ist sehr passend. Dann müsste ich am Tag mehrmals den Liebling wechseln.
Ohje das würde ja jetzt bedeuten, es ist nur der mein Liebling, der gerade mal nicht schreit? Nein. Moment…
Das ist ja Schwachsinn. Also nein, habe ich natürlich nicht! Jedes Kind hat seine eigene Geschichte mit mir erlebt.
Jeder ist ein anderer Mensch. Eine andere Persönlichkeit. Das gibt mir aber nicht den Anlass dazu, den einen weniger zu lieben oder werten als den anderen. Die Liebe ist gleich stark. Mutterliebe ist Grenzenlos! Das kann ich bestätigen.
Und zu guter Letzt: würdest du es wieder genauso tun? Und wenn ja, warum?
Darüber habe ich schon mehrmals nachgedacht. Ich bin sehr unentschlossen. Auf der einen Seite ja. Auf der anderen Seite nein. Wenn ich die Zeit der Entbehrung vor mir sehe, tendiere ich stark zu nein. Aber ich glaube nicht, dass es mit steigendem Alter des Ersten einfacher wird. Dann tendiere ich wieder zu ja. Man sollte sich generell im Klaren sein, dass das erste Kind viel zurück stecken muss. Das würde mich, wenn man das vorher wüsste, davon abhalten. Ohne die anderen Mütter gelesen zu haben, denke ich fast, dass die meisten ins kalte Wasser geworfen worden sind, mit ihren Aufgaben gewachsen sind und es inzwischen nicht mehr missen wollen. So ähnlich geht es mir damit.
Bildrechte: URNATURÆN
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