anne

#RabenmütterErzählen vom Alles-Schaffen-Können – auch mit #ZweiunterZwei

Im März und April konntet ihr hier auf dem Blog viele sehr tolle, sehr bewegende, sehr persönliche Antworten auf meine Interviewfragen zu Kindern in sehr kleinem Altersabstand, genauer unter zwei Jahren, lesen. Damit habe ich mir selber sozusagen eine Wissenslücke geschlossen, denn auch wenn ich selbst Mutter von #ZweiunterZwei bin, hat mich diese Mutterschaft, der kleine Abstand und die betreuungsintensiven kleinen Kinder oft eher in den Wahnsinn getrieben, als in die Glückseligkeit.

Und seitdem ich diese Reihe gestartet habe, bekomme ich immer mal wieder Feedback von anderen Müttern mit Kindern in kleinem Altersabstand. Mich erreichte kürzlich eine Mail von Anne, die die Interviews gelesen und noch etwas zu ergänzen hatte: #zweiunterzwei und Alleinerziehend.

Der totale Horror? Nein, sagt Anne ganz klar und weil was sie sagt so schön ist, so viel Hoffnung macht und so motivierend ist, möchte ich es heute mit euch teilen.

 

Vorhang auf für Anne und ihre Geschichte zu #ZweiunterZwei

Hallo Kathrin,

Ich würde gerne Müttern mit kurzem Abstand Hoffnung machen.

Ich war 25 als ich geheiratet habe. Ich wusste schon immer, wie mein Leben abzulaufen hat. Ich hatte immer meinen Plan.
Alles lief gut. Ich machte meine fünfjährige Ausbildung zur Erzieherin, arbeitete drei Jahre und setzte die Pille ab. Nichts passierte. Ein Jahr lief ich zu mehreren Frauenärzten. Nach 1,5 Jahren dann die Diagnose. Insulinresistenz mit PCO Syndrom. Also keine Eisprünge. Nach knapp zwei Jahren begannen wir mit Clomifen. Ich wurde sofort schwanger. Das Wunschkind kam im Juli 2012 zur Welt.

Es war die Hölle.

Dieses so herbeigesehnte Baby schrie fast vier Monate durchgehend. Wir waren bei sämtlichen Ärzten. Das Mäuschen war einfach noch nicht so ganz angekommen in unserer Welt. Als sich gerade alles beruhigte, hielt ich den positiven Schwangerschaftstest in der Hand und unter mir tat sich ein Abgrund auf. 2 – 3 Jahre Abstand war der Plan. Aber niemals ein Jahr.

In den ersten Monaten mit Baby lernten mein Mann und ich uns von einer anderen Seite kennen. Auf einmal hatte ich das Gefühl, allein das Baby gewollt zu haben. Ich war am Zweifeln, ob ich das zweite Baby haben möchte. Aber ich hatte so eine schwere Zeit durch, in der ich schwanger werden wollte, dass ich das zweite Baby als Geschenk annahm. Meine Große war genau 11 Monate alt, als ich wegen starken Wehen ins Krankenhaus kam. Die Geburt konnte noch eine Woche aufgehalten werden, dann kam mein kleines Wunder mit 32 Wochen zur Welt.

Die Anfangszeit tagsüber war leicht.

Die Kleine ins Tragetuch, die Große war im Mittelpunkt. Nachts hingegen stand ich jede Stunde auf. Irgendeiner war immer wach. Irgendeiner war immer hungrig. Irgendeiner hat immer Zähne bekommen, hatte Schnupfen oder wollte die ganze Nacht herumgetragen werden. Ich kroch nach einem halben Jahr vor Müdigkeit tagsüber zwischen Herd, Kindern, Wäschebergen, Einkäufen, Pekip und sonstigen Erledigungen hin und her.

Um zum Familieneinkommen beizutragen und mal was anderes als volle Windeln, Brei Fleckenentfernung und schreiende Kinder zu sehen, beschloss ich die Tagesmutterausbildung nebenbei zu starten. Als die Kleine 11 Monate alt war, ging es mit einem Kind los. So alt wie meine Große. Ein weiteres in ihrem Alter folgte, drei weitere im Alter meiner Kleinen folgten dann noch. Als sie 1,5 und 2,5 Jahre alt waren, hatte sich unser Alltag eingespielt. Mein Mann ging arbeiten und musste sich dann ausruhen oder seinen Hobbys frönen und ich hatte tagsüber 5 -7 Kinder zu bewirten, Haushalt zu schmeißen, zu kochen, mich um Büro etc. zu kümmern. Kurz gesagt, ich war völlig auf. Am Ende meiner Kräfte. Und ich war einsam und fühlte mich in der Ehe mit allem allein.

Quasi alleinerziehend in einer Beziehung.

Als die Kinder 2 3/4 und 1 3/4 waren beschloss ich, mich zu trennen. Dafür gab es viele Gründe. Aber der größte war wohl, dass meine Kinder eine funktionierende und glückliche Mutter brauchten und keine, die den ganzen Tag unglücklich ist.
Ich zog zurück in die Heimat, suchte mir eine Tagesmutter und begann wieder bei meinem alten Arbeitgeber. Das erste halbe Jahr war wirklich hart. Aber ich habe nie gedacht, dass die Trennung ein Fehler war. Ein Zurück wäre nie in Frage gekommen. Ich war wieder glücklich. Allein mit meinen bezaubernden Mädchen, aber glücklich!

Heute habe ich meinen Traumprinzen gefunden. Er ist mein Deckel. Wir ziehen bald in ein großes Haus, mit viel Platz für ein drittes Kind. Aber erst in ein paar Jahren.

Diesmal definitiv mehr Abstand.

Meine Mädchen sind wie Feuer und Wasser. Sie unterscheiden sich in jeglicher Hinsicht. Aber sie sind die besten Freundinnen. Im Juni wurde die Kleine 3, die Große 4. Sie halten zusammen, spielen ganz toll miteinander, schlafen seit dem 2 Geburtstag durch, kümmern sich um einander. Heute arbeite ich wieder als Gruppenleitung Vollzeit. Meine Mädchen sind jetzt bei mir im Kindergarten im Nachbarhaus untergebracht.
Sie sind so toll! Gut erzogen und liebevoll. Ich finde ich habe alles richtig gemacht! Auch wenn ich die ersten zwei Jahre nicht nochmal erleben möchte!!!!

 


 

Liebe Anne,

ich danke dir für deine Mail und deine Worte. Ich bin mir sicher, dass ganz viele Mütter da draußen mit ähnlichem Abstand auch ähnliches fühlen. Und ich freue mich sehr, dass du mich und meinen Blog gefunden und ein paar Worte für uns geschrieben hast.

Ich wünsche dir und deiner Familie alles Gute und den für euch besten Abstand zu Kind 3. <3

 

Hast du auch eine Geschichte zu #ZweiunterZwei, die du ganz unbedingt loswerden willst? Dann schreib mir eine Mail an kathrin@oeko-hippie-rabenmuetter.de oder hinterlasse hier einen Kommentar. Wie hast du die Zeit empfunden? Wie ist es heute? Würdest du es wieder tun?

Ich freue mich, wenn du mir schreibst!

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