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#RabenmütterErzählen von der Vereinbarkeit von Familie und Selbstständigkeit

Auf diese Folge #RabenmütterErzählen habe ich mich wirklich sehr gefreut. In ihrer Rolle als Mutter und selbstständige Inhaberin eines Restaurants hat sie für mich tatsächlich eine Vorbildfunktion. Andrea, eine von zwei Besitzern der Burger-Bude „Blondies“ in Bochum, habe ich im letzten Sommer kennengelernt. Sie begrüßte mich mit großen, freundlichen Augen und wirklich beneidenswert schönen Haaren. Heute erzählt sie uns einen Teil dessen, was sie mir bei unserem Treffen erzählte. Wie sie arbeiten und Mama sein kann, wie sie diese wichtigen Dinge in ihrem Leben vereinbart, ohne dass jemand zu kurz kommt – auch nicht sie selbst.

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Andrea, du bist eine „Working-Mom“. Erzähl uns doch mal von dir und deiner kleinen Familie.

 Ich bin 38, eigentlich Diplom-Sozialwissenschaftlerin, und zusammen mit meinem Mann Micha, (29), unserem Sohn Felix (13 Monate) und unserem Dalmatiner Diego (7 Jahre) leben wir in Bochum.

Du hast einen der begehrtesten Burger-Läden in Bochum, das „Blondies“. Was ist das Besondere an eurem Konzept?

Das Erfolgskonzept des Blondies ist, dass wir niemanden ausschließen. Omni, Vegetarier oder Veganer – who cares? Hier bekommt jeder Gleichwertiges auf den Teller.
Auch kann hier das vegane Punkmädchen problemlos Oma und Opa mitbringen. Oft kommen die im Anschluss auch gern mal ohne die Enkelin.

Wir haben einen sehr bemühten, aber dennoch lockeren Service und versuchen immer, so individuell wie möglich auf unsere Gäste einzugehen. Das kommt gut an.
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Mein anderes Ich (also das vor den Kindern 😉 ) war Eventmanager und jahrelang im Gastgewerbe tätig. Gastronomie ist ein hartes, anstrengendes Pflaster. Wie zur Hölle machst du das, mit so kleinem Kind?

Ich führe das Blondies gemeinsam mit meinem Exfreund und hab mich ca. die ersten 10 Monate ganz aus dem laufenden Betrieb rausgezogen und nur so Sachen wie Bestellungen, Reservierungen etc. gemacht.  Mein Mann hatte ein ganzes Jahr Elternzeit und so konnten wir uns voll und ganz auf unseren zauberhaften Sohn konzentrieren.
Seit Oktober geht Felix nun halbtags zu einer fabelhaften Tagesmutter und ich komme so langsam wieder „anne Schüppe“.
Es macht mir sehr viel Spaß, wieder mehr von meinem „großen Baby“ mitzubekommen, dennoch liegt der Focus ganz klar bei Felix. Ich erledige nur solche Aufgaben, die ich problemlos abbrechen kann, sollte es bei der Tagesmutter Probleme geben.

Was sind deine Hauptaufgaben im Laden?

Ich kümmere mich hauptsächlich um die Organisation der Küche, halte den Kontakt mit unseren Lieferanten/Handwerkern/Ämtern und kümmere mich um den Internetauftrit/Facebook,Werbung, Reservierungen, Events und Gruppen.

Nimmst du deinen Sohn oft mit? Oder vermeidest du das eher?

Anfangs ja, gern und oft. Im Moment ist er schwieriger zu beaufsichtigen als ein Sack Flöhe und dementsprechend vermeide ich es, ihn mitzunehmen, da ich dann eh nicht zum Arbeiten komme 🙂 Entweder erledige ich dann alles vormittags, oder er bleibt bei meinem Mann, falls später noch ein Termin ansteht.

Selbstständig = selbst und ständig. Oder? Wie ist die Arbeitsaufteilung?

Ich versuche, wirklich nur zu arbeiten, wenn Felix bei der Tagesmutter ist, schläft oder vom Papa betreut wird. Das klappt natürlich nicht immer. Aber ich möchte meinem Kind den Satz „jetzt nicht, Mama muss arbeiten“ so selten wie möglich sagen.

Was ist dein Ausgleich zu dem Stress auf der Arbeit und dem Stress in der Familie? Oder gleichen sich die beiden Komponenten gegenseitig aus?

Grundsätzlich ist die Arbeit für mich im Moment wie Urlaub 🙂 Felix ist ein sehr fordernder junger Mann und manchmal ist es wirklich wirklich anstrengend. Dennoch freue ich mich nachmittags wie verrückt darauf, ihn wieder zu sehen!

Der morgendliche Spaziergang mit Diego ist auch eine kleine Ruheinsel für mich. Und wir versuchen, viel Urlaub zu machen, auch wenn es meistens nur ein paar Tage sind.

Jetzt seid ihr gerade umgezogen, mit dem Laden. So ein Schritt bedeutet unheimlich viel Arbeit. Wie lässt sich das mit der Familie und deinen Bedürfnissen als Mutter und Frau kombinieren?

Das stimmt definitiv. Vor allem der behördliche Teil bringt mich oft an die Grenzen meiner Kraft. Durch die Elternzeit meines Mannes war trotzdem vieles machbar. Ohne ihn wäre ich definitiv verrückt geworden 🙂

Und zu guter Letzt: was könntest du Müttern, die wieder arbeiten gehen wollen, raten?

Falls ihr -so wie wir- keine Familie vor Ort habt: Nehmt euch viel Zeit bei der Auswahl der Betreuung! Schaut genau hin, was und wer für euer Kind das/der Richtige ist. Hört da ganz tief in euch rein. Ich wollte Felix eigentlich gar nicht so früh fremdbetreuen lassen, aber ich konnte diesen Spagat psychisch nicht mehr leisten und wäre ihm so keine gute Mutter gewesen. Dennoch hätte ich ihn niemals abgeben, wenn ich nicht 100% von der Einrichtung und der Tagesmutter überzeugt gewesen wäre! Mein Kind geht immer vor.

Und was ist dein Rat an Mütter, die Freiberufler werden wollen, eine selbstständige Arbeit anstreben?

Puh. Das ist schwer.
Erstens: Do what you love- love what you do!
Man muss uneingeschränkte Liebe und Leidenschaft für das haben, womit man sein Geld verdienen möchte. Sonst wird es eigentlich unmöglich, sich bei Tiefschlägen – und die werden kommen- immer wieder neu zu motivieren!
Am Anfang darf man auf keinen Fall davon finanziell abhängig sein.
Wenn man nicht schon aus der Branche kommt: Versucht, so viel Informationen wie möglich zu bekommen! Es ist oft vieles ungleich komplizierter, als es am Anfang scheint.
Stellt sicher, dass ihr eine Schulter zum anlehnen habt!
Macht es nicht gegen den Widerstand eurer Familie. Ihr braucht Wind unter den Flügeln, sonst schafft ihr es nicht.
Und macht es niemals auf Kosten eurer Kinder.
Meine oberste Regel ist: Family first!
Liebe Andrea, vielen Dank für deine Zeit und das schöne Interview. Wenn ich groß bin, dann will ich das auch schaffen. Familie und „was eigenes“. Dieses Thema liegt mir sehr am Herzen und ich freue mich wirklich, dass du deine Erfahrungen, Tips und Tricks mit uns geteilt hast.
Ich wünsche dir und deiner Familie alles Liebe, mache ich bald aber auch noch mal persönlich, wenn ich mir den neuen Laden angucken komme. 🙂
Das „Blondies“ ist im Ruhrgebiet eine begehrte Adresse, wieso, das hat Andrea uns erzählt. Solltet ihr es noch nicht besucht haben, kann ich nur dringend raten, das nachzuholen. Der Laden ist allerdings schon kurz nach Öffnung der Türen voll – also besser reservieren. Wie, wo bei wem lest ihr auf der Website.
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