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„Sie sind immer eine Einheit“ – Doro über #Zweiunterzwei

Haltet euch fest: heute kommt das Altersabstand-Highlight. Mit schlanken 11,5 Monaten toppen Doro und ihre Kinder, das Harakirikind, 2013 geboren, und das Wuselkind, 2014 geboren, hier ALLE Interviewten. Also auch die, die noch kommen werden (wenn auch eine nur ganz knapp, aber ich will mal nicht zu viel verraten). ELFKOMMAFÜNF Monate. Ich betone das noch einmal. Das heißt: ihr größeres Kind hatte das Babyjahr noch nicht beendet, als bereits das Zweite geboren wurde. Das heißt: das erste Vierteljahr war nicht beendet, als sie wieder schwanger wurde. Das heißt: Kind 1 konnte nicht laufen, als Kind 2 geboren wurde. Also, ich ziehe meinen Hut und kann wirklich nur sagen: wow! Doro hat sich übrigens über meine Facebook-Seite gemeldet, was ich besonders toll finde, denn dort wird immer mal wieder fleißig über die Intervoews und den Abstand und Alltag mit zwei so kleinen Kindern diskutiert. Doro’s Antworten wollte ich unbedingt noch unterbringen und daher….

 

Vorhang auf für Doro und ihre Einblicke in #ZweiunterZwei

 

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Was sind die größten Herausforderungen bei Kindern, in so kleinem Abstand? Sowohl direkt zu Beginn als auch später noch?

Die für mich schwierigste Aufgabe war, die beiden während des ersten Jahres ins Bett zu bringen. Das Wuselkind brauchte die Brust zum Einschlafen, das Harakirikind turnte derweil auf uns rum. Anders rum, also zuerst das Harakirikind ins Bett bringen, während das Wuselkind auf dem Schoß liegt, hat erst recht nicht hin gehauen. Alleine ist auch keiner geblieben. Nun ja. Die Zeit hat’s gerichtet und das Problem gelöst.

Ansonsten ist wohl das Schwierigste, den Haushalt einigermaßen am Laufen zu halten. Da tu‘ ich mich schwer. Beide hassen den Staubsauger usw. Also hier sieht‘s oft aus wie Dresden 1945. Aber auch das wird irgendwann besser werden. Spätestens, wenn beide im Juni in den Kindergarten gehen.

Und eine große Herausforderung ist der Schlafmangel. Jetzt nach knapp drei Jahren Babyzeit, zwei davon mit zwei Minis, gehen meine Reserven langsam aus. Ich wünsche mir ab und an einen Tag, an dem ich nichts machen muss, keiner irgendwas von mir will und ich schlafen kann so viel ich will 😀

 

Welche Zeit nach der Geburt des zweiten Kindes fandest du am herausforderndsten / schönsten / schlimmsten?

Die Zeit direkt nach der Geburt war wohl die Schwierigste. Da meine Schwangerschaften nie Eitel Sonnenschein sind, sondern immer „etwas“ Problembehaftet, war ich gegen Ende der zweiten Schwangerschaft schon recht lange in der Klinik und konnte auch vorher nicht so toben, rausgehen, Welt entdecken, wie es das Harakirikind verdient hätte. Somit war er wohl etwas „sauer“ auf mich, als ich endlich wieder da war. Das Baby fand er interessant und toll, aber mich hat er erstmal gemieden und es dauerte seine Zeit, bis er mir diese lange Vernachlässigung verziehen hatte.

Am Nervenaufreibendesten war die Zeit, als das Harakirikind schon lief (er war mit 18 Monaten ein Spätläufer) und das Wuselkind unbedingt hinterher wollte und wahnsinnig frustriert war, weil er noch nicht allein vom Fleck kam. Das Wuselkind hat nämlich Muddis Gene und lässt sich nur sehr ungern helfen. Also fetzte das Harakirikind durch die Gegend und wollte, dass Mama hinterherfetzt. Ging aber nicht so wahnsinnig gut, weil da ja noch das frustriert motzende Wuselkind war, das nicht hochgenommen werden wollte.

Die schönste Zeit ist jetzt und ich vermute, es wird mit jedem Jahr, das da noch kommt schöner. Sie streiten sich leidenschaftlich, lieben sich innig und stellen jede Menge Blödsinn miteinander an. Sie spielen gemeinsam fangen, rutschen, klettern, schaukeln, verstecken, raufen und sind, so sehr sie sich auch mal streiten, immer eine Einheit. Vor allem gegen uns Eltern halten die Zwei zusammen 😀

 

Vor- und Nachteile des Altersabstandes: Gibt es sie? Was sind sie für dich?

Ein Nachteil ist bestimmt, dass eben auch das Großkind noch nicht besonders selbstständig ist. Es geht nicht allein aufs Klo, es matscht beim Essen rum, es schläft nicht allein ein oder durch, wie es vielleicht ein 6-jähriger würde. In meinem Fall ist das Großkind die ersten 6 Monate im Leben als großer Bruder noch nicht mal gelaufen.

Das ist aber auch gleichzeitig einer der größten Vorteile. Sie sind sich sehr nah, man ist noch voll im Babymodus, muss also nicht von vorne anfangen und ist insgesamt mit dieser anstrengenden Babyzeit schneller durch. Und kann das alles trotzdem genießen. Manchmal denke, es wäre schon cool, wenn der Große in den Kindergarten gehen würde und ich exklusive Ein-Kind-Zeit mit dem Kleinen hätte, aber dann sehe ich, wie die beiden im Alltag voneinander profitieren und wie auch Ich durch dieses „Sie sind zu zweit“ entlastet werde und finde es einfach nur toll.

Ein drittes Kind wird kommen, wenn die zwei dann in der Kita sind. Dann habe ich noch einmal ein Baby zum exklusiv genießen. Aber vermutlich werde ich mich da dann sehr auf die Nachmittage freuen, wenn wieder Leben und Gewusel in der Hütte ist.

Wenn ich ein Resumée ziehen müsste, überwiegen ganz deutlich die Vorteile.

 

Es sind 0 Grad und Schneeregen, du musst mit beiden Kindern zum Kinderarzt. Dein Baby ist 4 Monate alt, dein Kleinkind entsprechend eures Abstandes älter. Zusätzlich hat es Angst vorm Kinderarzt. Der Termin ist morgens um 8 Uhr. Ihr fahrt 20 Minuten mit dem Auto, das Baby wird voll gestillt. Es gibt keine Parkplätze, nur ein Parkhaus in der Nähe (ca. 5 Min. Fußweg). Wie löst du das? 

Der Buggy ist im Auto. Wir fahren los, kommen an und Parken. Dank Parkhaus haben wir sogar ein Dach über dem Kopf und müssen uns dementsprechend nicht beeilen. Ich pule also das Wuselkind aus dem Sitz (einen Maxi Cosi haben wir nie besessen. Die Jungs sind von Anfang an Reboarder gefahren) und binde ihn ein. Je nach dem, was ich dabei habe, Trage oder Tuch. Da zieh ich mein Tragecover drüber oder schließe wahlweise meine Jacke über dem Wuselkind, sodass nur noch der bemützte Kopf raus guckt. Dann bekommt das Harakirikind seine Jacke an, wird in den Buggy gesetzt und auf geht’s. In die Sache mit der Angst kann ich mich schwer rein versetzen. Das einzige wovor das Harakirikind Angst hat, ist der Friseur. Ich würde also auf der Fahrt ein bisschen Stimmung machen. Scharfe Kurven, Rennfahrergeräusche etc. Vielleicht das Versprechen, danach noch Enten zu füttern oder ähnliches. In der Praxis angekommen, ziehe ich mir einfach Jacke/Tragecover aus und somit sind das Wuselkind und ich auch für drinnen-Temperaturen gut gekleidet. Stillen kann ich mit passendem Oberteil auch, ohne das Baby aus der Trage zu wurschteln. So hab ich die Hände frei für das Harakirikind, dem ich noch was vorlesen kann während wir warten.

 

 

Das sagt einem ja auch keiner“ – worauf hättest du dich gern vorher eingestellt?

Ich muss sagen, ich hab es mir wesentlich „schlimmer“ vorgestellt. Das Harakirikind war als Baby sehr viel anstrengender als das Wuselkind. Er ist in der 29. Woche per Notsectio geboren und brauchte dementsprechend lange, um anzukommen. Er hat viel geschrien, brauchte sehr viel Nähe. Mit viel Tragen und Familienbett ging es, aber er war trotzdem noch anspruchsvoll in seinen Bedürfnissen. Das Wuselkind dagegen hat zwar auch mal geweint, war aber sehr viel „entspannter“. Er hat tatsächlich auch mal allein irgendwo liegend geschlafen. Das kannte ich gar nicht.

 

Schonungslos: hast du ein Lieblingskind?

Jein. Bzw wechselt dieser Status mehrfach täglich von einem zum anderen 😛

Es kommt ganz auf die Situation an. Auf das Harakirikind bin ich unendlich stolz, weil er so offen und mutig ist. Er ist voller Energie und recht ruhelos. Spielplatzaktivitäten etc machen mit ihm unheimlich Spaß. Er wärmt mein Herz weil er mir sehr ähnlich ist. Impulsiv, ungeduldig, rastlos. Wenn er selbstsicher seinen Willen durchsetzen möchte oder mir die Zunge raus streckt und weg rennt, kann ich nicht anders als zu grinsen (auch wenn ich ihn dafür manchmal verfluche 😛 ). Wenn er dann im nächsten Moment rücksichtsvoll und total lieb um seinen Bruder oder auch andere Kinder kümmert, geht mir das Herz auf.

Das Wuselkind ist toll. Zwar auch ein kleines Rabaukenkind- Mutig, offen, selbstbewusst und aktiv – aber sehr viel „gelassener“ dabei. Er kann sich toll konzentrieren, baut sehr gerne, tüftelt, bastelt, malt. Man kann sich mit ihm toll ruhig beschäftigen. Er ist sehr empathisch und ausdauernd. Er vereint alles, was ich an seinem Vater liebe und auch er lässt mich oft vor Stolz fast platzen.

 

Da sie so unterschiedlich sind, macht man eben manche Dinge mit dem Einen lieber, andere mit dem Anderen. Ich liebe sie nicht gleich, weil sie nicht gleich sind. Aber gleich stark und gleichwertig!

 

Und zu guter Letzt: würdest du es wieder genauso tun? Und wenn ja, warum?

Auch wenn wir einen „größeren“ Abstand geplant hatten (so 18-24 Monate waren angedacht), würde ich jetzt – was die Kinder anbetrifft – definitiv ja sagen. Um meinetwillen würde ich wohl so 6-9 Monate mehr dazwischen packen, weil die Schwangerschaft doch ziemlich kraftraubend und nicht einfach war. Aber für die Kinder ist dieser Abstand glaube ich ideal. Ich freue mich darauf, wenn sie z.B. 6 und 7 sind. Da dürfte man den Unterschied kaum noch bemerken.

 

Alle weiteren Interviews findet ihr hier: #ZweiunterZwei – Die bisherigen Interviews

 

Bildrechte: Dorothee Schönfelder / zur einmaligen Nutzung für diesen Beitrag übertragen auf www.oeko-hippie-rabenmuetter.de

 

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