Startschuss zur Ausbildung als Stillberaterin

Endlich hab ich mich getraut und es wahr gemacht: meine Anmeldung zur Ausbildung als Stillberaterin ist ausgefüllt, abgeschickt und bestätigt, so richtig, mit Mitgliedsnummer und so. Ich bin jetzt offizielles Mitglied der AFS – Arbeitsgemeinschaft freie Stillgruppen e.V. und werde in den nächsten Monaten, zum Beispiel auf dem Stillkongress, einige Kurse zu verschiedenen Themen besuchen, die mich zur Stillberaterin qualifizieren und mithilfe derer ich eine Stillgruppen gründen kann.

Das ist nicht meine erste ehrenamtliche Tätigkeit, ich engagiere mich seit vielen Jahren im ausländischen Tierschutzverein, habe in Spanien in einem Tierheim gearbeitet, hier in Deutschland sogar in verschiedenen, habe Vorkontrollen und Hausbesuche gemacht und die armen Seelen in neue Zuhause vermittelt. Ich hab aber noch nie etwas für Menschen gemacht, also so richtig. Ich koche Suppe für Flüchtlinge und für die Obdachlosen, die hier gegenüber im Forst leben und immer noch ein Stück Brötchen für meine Hunde über haben, obwohl sie selbst nichts besitzen. Aber so richtig… Nein. Doch seit ich selbst Kinder habe, vor allem seit ich durch D-Von nochmal die Bestätigung gekriegt habe, treffe ich in jeder Krabbelgruppe, in jedem Elterncafé, in jeder Stillgruppe mindestens eine Frau, die nicht (mehr) stillt und zwar nicht, weil „es nicht geht“, wie es ja schnell behauptet wird, sondern weil sie schlecht, nicht ausreichend oder gar nicht begleitet wurde. Stillen ist am Anfang nicht so leicht, das war es auch für mich nicht. Aber zu schnell hören Mütter, dass sie sich „nicht stressen“ sollen, dass sie es „einfach lassen sollen“, wenn es doch „nicht geht“ oder dass sie doch froh zu sein haben, dass es Milchersatznahrung gäbe, auf die sie „ganz einfach“ zurückgreifen könnten.

 

Ich begegne auch Frauen, die nicht möchten, und das ist ok. „Deine Brust, deine Regel“, sagt meine Freundin, die bereits Stillberaterin ist und das habe ich in meinem Bericht über meine eigene Stillgeschichte auch schon mal gesagt. Ich würde mich niemals wagen, über andere Frauen und ihre eigenen körperlichen Grenzen zu urteilen.

Doch Frauen, die abstillten, weil man sie hat glauben lassen, dass es nun mal der bessere Weg sei, es nicht weiter zu probieren, die sind, so meine Erfahrung, nicht auch automatisch glücklich. Im Gegenteil, eher. Es gibt einen Grund, weshalb Diskussionen über die Ernährung von Babies so schnell ausarten, weshalb Frauen, die nicht stillen, sich von Frauen, die stillen, schnell angegriffen fühlen. Neben einer möglicherweise schlechten Streitkultur ist es einfach instinktiv in uns drin, dieses Gefühl, dass Stillen das Beste für das Kind ist und wir eine schlechte Mutter sein könnten, wenn wir es nicht „schaffen“.

Mütter müssen nicht alles alleine schaffen. Der gesellschaftliche Druck ist ohnehin schon so groß. Und der eigene Stress und die eigene Angst kann einem das Herz bisweilen sehr schwer machen. All das sind Dinge, die auf die Stillbeziehung drücken können und es sind Dinge, die ich nicht mehr achtlos betrachten möchte, ohne fundiert helfen zu können. Ich möchte Frauen helfen, die stillen wollen und an sich und ihr Baby glauben. Ich möchte helfen können, auf der Suche nach einem Weg, bevor man es sein lässt. Und ich möchte einen Teil dazu beitragen, dass Mütter sich nicht länger mit allem alleine gelassen fühlen. Ich glaube, es gibt etwas zwischen Stillen und Abstillen.

 

Also, ihr werdet in der nächsten Zeit vermutlich vermehrt etwas über meine Ausbildung lesen und vielleicht ist ja die eine oder andere dabei, die sich inspiriert fühlt, einen ähnlichen Weg zu gehen, dem Verein beizutreten, eine Ausbildung zu machen und das Stillen zu schützen.

Informationen zur Ausbildung, zum Verein und seiner Arbeit findet ihr hier: Arbeitsgemeinschaft freie Stillgruppen e.V.

 

3 comments

  1. Wie schön, dass du Einblick in diesen deinen Weg gewährst! Als ich mein erstes Kind erwartete, war das Internet und die Anschlussmöglichkeit daran noch nicht so weit. Damals war ich allein auf die Nachsorgehebamme angewiesen – wenn sie eine Einstellung zum Stillen gehabt hätte á la „stress dich nicht“ oder wenn sie es mir das Stillen nicht zugetraut hätte, ich wäre ihr gefolgt, mir wäre kaum etwas anderes übrig geblieben. Die Verwandtschaft war keine Hilfe und mein Wunsch zu stillen wäre mir angesichts der Probleme, die gleich zu Beginn anstanden (Milchstau, drei Tage hohes Fieber) vermessen vorgekommen. Beim dritten Kind brauchte ich eine Stillberaterin, weil ich ins Krankenhaus musste und das Baby nicht mitnehmen wollte – wie konnte ich also das Vollstillen überbrücken und den Milchfluss aufrecht erhalten? Es war echt toll, so einfach und unkompliziert Rat zu finden. Im Netz nach einer Stillberaterin gefragt (La Leche Liga) und eine Adresse bekommen.
    Ich habe mich ziemlich vertraut mit dem Stillen gefühlt und vor allem beim ersten Kind mit wenig Feedback meine Stillarbeit gemacht, habe vieles übers Machen herausgefunden, ohne es vorher gelesen zu haben, über vieles auch gar nicht geredet, weil mein Umfeld es abgelehnt hätte: nachts im Liegen stillen, das Kind immer im selben Bett mit mir, nicht nach Uhr stillen, sondern wie das Kind es will, übers erste Lebensjahr hinaus stillen und mir kein Limit setzen, so lange vollstillen, bis das Kind anderes überhaupt essen kann – für viele Frauen sind das heute selbstverständliche Dinge. Ich habe mich, als es bei mir aktuell war, wenig darüber austauschen können. Von Stillberaterinnen hatte ich gelesen. Das war für mich wahnsinnig weit weg, etwa wie der Greenpeaceaktivist im Schlauchboot auf hoher See.
    Alles Gute für dich!

    1. Liebe Ruth,
      Erst einmal danke, dass du wieder hier vorbei schaust, ich freue mich immer sehr!
      Da sprichst du einen ganz wichtigen Punkt an: BAUCHGEFÜHL! Ich bin ganz sicher, dass jede Mutter, stillend oder nicht stillend, das absolut beste für ihr Kind will aber ich bin nicht sicher, dass jede Mutter so gut informiert ist, trotz der Flut an Informationen die richtige Entscheidung zu treffen! Ich denke, es lassen sich viele in ihrer Entscheidung durch Medien, Politik, Sozialisierung und Gesellschaft und ja, auch durch die eigene Familie, beeinflussen. Unsere Mütter von heute haben irgendwie ihr Bauchgefühl verlernt. Das ist eine Sache, mit der ich mich schon eine Weile beschäftige und über die ich sicher auch noch einmal schreiben möchte. Und es wird ein wichtiger Punkt für mich in der Arbeit als Stillberaterin sein, genau das an die Frauen weiterzugeben.
      Ich werde berichten, ob das klappt 🙂

  2. Hy Kathrin,

    dann winke ich vom Stillkongress-Team mal herüber (hab dich über die Verlinkung entdeckt) und sage: Viel Freude auf deinem ersten Stillkongress!

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