Trau dir zu, Experte zu sein!

Es kommt – bei jedem von uns, früher oder später – der Punkt, da wenden wir uns an Fachleute, zum Beispiel weil wir uns mit einer Situation konfrontiert sehen, mit der wir selbst nicht weiter kommen. Ich persönlich bin großer Fan davon, mit einem neutralen Betrachter von außen ein Brainstorming zu machen. Außenstehende können oft eine ganz ungeahnte Perspektive einnehmen und neue Blickwinkel eröffnen. Wir wenden uns an Familienmitglieder, Vertraute, Arbeitskollegen und manchmal eben auch an bestimmte Spezialisten. Auch ich suchte kürzlich eine solche Fachperson auf, eine systemische Beratung nämlich, die mir helfen sollte, mein System Familie neu zu organisieren. Ob einer veränderten Situation war ich an diesen Punkt des Nicht-alleine-Weiterkommens gelangt und versprach mir hier Hilfe.

Und so saß ich also vor einer quasi Fremden und schüttete ihr mein Herz aus, über meine Person, meinen Ehemann, meine Kinder. Unsere Tages- und Nachtabläufe, unsere Situationen und Gegebenheiten und auch über die Punkte an denen es „hakte“. Ich sprach von Chaos, von zeitlichen Engpässen, davon, dass viel zu viel an mir hängen bliebe, ich oft übermüdet sei. Ich erzählte, dass meine Kinder wundervolle, unfassbar besondere Menschen sind, und dass es nichts mit ihnen zu tun habe. Dass sie so sind, wie sie eben sind und ich an dem System „wie gehe ich mit meinen Kindern um“ nichts ändern möchte. Dass es das Drumherum sei, das mich fertig mache, betonte ich mehrfach.

„Wie viele Stunden schlafen Sie nachts?“, fragte sie.

„Och naja, so 6-7, denke ich. Bis auf die Stillpausen, natürlich.“

„Sie stillen noch?“

„Ja, nachts. Tagsüber eher nicht mehr!“

„Aber Sie haben doch gerade gesagt, Ihr Kind sei 17 Monate alt?“ Die Frau stutzte, blätterte eine Seite zurück und sah mich fragend an.

„Ja, gerade erst“, antwortete ich und obwohl ich ganz genau wusste, worauf sie hinaus wollte, ließ ich sie erst einmal kommen. Sie kann das Blatt noch wenden, dachte ich.

„Und da stillen Sie noch? Wie häufig denn?“

„Ich stille nach Bedarf“, antwortete ich und unterdrückte den Drang, patzig zu werden, „das heißt, immer dann, wenn er es nachts benötigt!“

Sie schluckte. „Gut, ich bin keine Expertin auf dem Gebiet, aber so weit ich weiß sind doch 6 Monate ausreichend und danach bringt es dem Kind doch eigentlich sowieso nichts mehr. Wieso stillen Sie nicht ab?“

Ich atmete, sammelte mich kurz, versuchte die persönliche Komponente zu verschieben und mich zu verhalten, als säße ich in einer neutralen Beratung. Ich spulte also die Litanei an Vorteilen des Langzeitstillens ab, inklusive „Name dropping“ versteht sich, kramte also die auswendig gelernten Fachbegriffe raus (die, die ich sonst bei den Frauen weg lasse, weil ich nicht altklug klingen möchte), machte dann eine dramatische Pause und sagte: „Außerdem ist für mich als Mutter ganz persönlich noch nicht ans Abstillen zu denken“.

„Gut, das was Sie nun aufgezählt haben, das ist ja alles ganz wunderbar, aber Schlaf ist wichtig. Und seine Abstinenz führt häufig zu echter Erschöpfung und Überforderung. Letztendlich ist es nur eine Gewohnheit, dass Ihr Sohn noch stillt. Und um die zu ändern, sind Sie ja hier.“

Gut, dann eben doch.

„Ich bin Stillberaterin“, erwiderte ich und zog die Karte nun also. Die, die ich versteckt lassen wollte, bis zum Schluss. Das hier ist der Schluss.

„Für mich ist das also aufgeklärt und besten Wissens keine Option.“

 

Die Frage „Stillen – ja oder doch“ erledigte sich erst dann, als ich mich selbst als „Expertin“ sichtbar machte. Ab diesem Zeitpunkt: Keine weiteren Fragen.

 

Verunsicherung statt helfende Hände

In meiner Beratung sitzen häufig Frauen vor mir, die eigentlich einen klaren Weg haben. Ich höre und lese Sätze wie „….eigentlich möchte ich nicht Abstillen, aber der Kinderarzt / die Tagesmutter / Bezugserzieherin / mein Umfeld / meine Mutter ….. haben mich verunsichert, denn sie sagten, dass….“, und dann folgen Argumente, die die physische oder psychische Gesundheit des Kindes, seine Erziehung, die Müdigkeit oder psychische Verfassung der Mutter betreffen. Ich habe nicht mitgezählt, behaupte aber, dass in 8,5 von 10 Fällen Ammenmärchen folgen, deren Ausrottung noch viele Jahre benötigen. Frauen wenden sich also an mich, weil ihr Gefühl ihnen versichert, dass das, was sie dort tun, ihnen und ihrem Kind eigentlich gut tut, dass es eine Bereicherung ist, sie aber wiederum einer Verunsicherung, der sie sich nicht entziehen können, unterliegen. Das passiert und ist nur menschlich. Eigentlich waren diese Frauen nämlich vielleicht auf der Suche nach Hilfestellung, um das belastende Drumherum anders zu gestalten – so wie ich. Statt helfender Hände für Einkauf, Abwasch, autonome, wütende Kinder, kochen, waschen, putzen, Kinder bespaßen, ernten sie aber Ratschläge zu ihrer grundsätzlichen Erziehungseinstellung und Familiensituation. Plötzlich sind nicht mehr die zahlreichen Alltagsaufgaben und -pflichten Schuld an der Erschöpfung, sondern die Kinder. Oder die Mütter, die bindungsorientiert mit ihren Kindern leben. Oder das Stillen. Oder im Zweifelsfall: alles zusammen. Meine Beratung zielt dann darauf ab, Frauen in ihrem Gefühl zu bestärken und ihnen zu versichern, dass sie ihr Kind nicht für alle Zeit verderben und ihm den Schulabschluss versauen werden, wenn sie tun, was sie tun. Oft erlebe ich, dass die Ermutigung, sich von den Stimmen zu distanzieren, eigene, innere Konflikte aufzulösen und bei sich und seiner Entscheidung zu bleiben, sehr befreiend ist. Die Frauen grenzen sich ab.

Und wisst ihr, wie sie das konkret anstellen? Sie treten den Skeptikern und Kritikern gegenüber und betonen, dass sie ihre Entscheidung trafen, weil sie mit einem Experten gesprochen haben. Mit jemandem, der sich in diesem Thema hat ausbilden lassen, jemand, der sich auskennt, der ein Spezialist ist. Und was passiert, ist das: die Kritiker und Skeptiker verstummen. Schließlich hat ein Experte sich geäußert, jemand, der Ahnung davon hat. Ein E X P E R T E. Dann muss es ja richtig sein.

Ihr wollt euer Kind vegan ernähren, die Großeltern finden es allerdings höchst bedenklich. Ich möchte Wetten abschließen, dass die Skepsis verschwindet, sobald man erwähnt (es muss nicht mal stimmen!), dass man das mit dem Kinderarzt abgestimmt hat.

Ihr tragt euer Kind noch, wenn es schon fast 2 Jahre alt wird, anstatt es laufen zu lassen, euer Umfeld versteht die Welt nicht mehr und fragt sich, wie das Kind jemals Kondition aufbauen soll. Erzählt Ihnen, dass ein Physiotherapeut gesagt hat, dass es nichts besseres für die motorische Entwicklung eines Kindes gäbe, als das Tragen. Das muss nicht mal stimmen – aber sie werden still.

Euer Kind benötigt eine ewig lange Eingewöhnung, weil es eben nun mal große Probleme hat, sich von euch zu lösen und eure Arbeitskollegen sind sich sicher, dass ihr eben einfach schnell gehen müsst, das überleben deren Kinder schließlich auch jeden Morgen. Da muss das Kind halt durch. Ist doch klar. Findet ihr nicht? Gut, dann erzählt Ihnen, dass die Erzieher, Kita-Leitung, Tagesmutter, Erziehungsberatung, Kinderärztin, Osteopathin, Hebamme, Doula, meinetwegen die Zahnzusatzversicherung gesagt hat, dass das schon okay sei – und sie halten die Klappe.

Es ist einfach vollkommen egal, welchen Experten ihr in die Runde werft – wichtig ist, es ist einer. Je hochtrabender der Name, umso besser kommt es an. Aber verlasst euch drauf: wenn IHR der Meinung seid, dass das lange Stillen für euch und euer Kind wundervoll ist, das lange Tragen euch verbindet, das Schlafen im Familienbett es nicht zu einem abhängigen Einzelgänger macht und die 1:1 Betreuung bei einer sorgfältig ausgewählten Vertrauensperson morgens eben 30 Minuten Begleitung bedarf – sie werden es in Frage stellen. Eure Einschätzungen der Sachlage sind schließlich nur verkitschte, romantische Gefühle einer vor Liebe verblendeten gluckenhaften Mutter, nichts ernstzunehmendes eben. Natürlich nur bis zu dem Zeitpunkt, an dem ein Arzt es bestätigt hat. Oder sonst ein Spezialist.

 

Die wahren Experten seid ihr!

Mir ist unbegreiflich, wie es in unserer Gesellschaft so wichtig geworden sein kann, dass Experten einen Sachverhalt absegnen müssen und seit wann eigentlich Eltern nicht mehr uneingeschränkt die wahren Experten für ihre Kinder sind. Wir sprechen nicht von Kindesmisshandlung, wenn ein Kind mit 17 Monaten gestillt, getragen oder Zuhause bei seinen ELTERN BETREUT wird (ihr kennt meine Meinung: dafür braucht es nicht mal eine eigene Vokabel wie „Selbstbetreuung“) und deswegen auch nicht – nein, NIE! – davon, dass zwingend und ohne Indikation mit irgendeinem Experten absprechen zu müssen. Nein, es müsste nicht mal notwendig sein, dass mein System Familie in Frage gestellt wird, weil ich nachts zwei oder drei (und manchmal auch 100) Mal zum Stillen geweckt werde. Das ist nämlich nicht das Problem, an diesem System und auch nicht, was zu Erschöpfung führt.

Was mich, euch – uns alle – in die Erschöpfung, Überforderung und vor Kritikern in die Unsicherheit führt, ist die Tatsache, dass wir mit allem Scheiß alleine sind. Dass wir kranke, traurige Kinder trösten, wenn wir uns selbst schon längst angesteckt haben. Dass wir Suppe kochen, wenn es sonst keiner tut. Dass wir unsere Ressourcen voll ausschöpfen, weil wir unsere Kinder so über alle Maßen lieben und es nicht reicht – nie reichen kann! – weil uns unser Körper, unser System, klar signalisiert, dass Zeit für eine Pause wäre, die sich aber nicht umsetzen lässt, weil da keiner ist, der in der Zeit die Kinder nimmt. Es sind nicht bedürftige, stillende, getragene, kleine Kinder und ihre Bedürfnisse, die unser System ins Wanken bringen, es ist nicht eure Elternschaft, nicht eure Entscheidung, wie und ob überhaupt ihr eure Kinder erzieht und auch nicht, ob ihr sie in die Kita bringt oder eben nicht, was euch so müde macht. Diese Entscheidungen habt ihr getroffen aus einem guten Grund – und der hört nicht einfach auf, wenn das Wochenbett oder das Babyjahr um ist! Nein, es ist die Vielzahl an aufeinander treffenden Bedürfnissen, die Systeme ins Wanken bringen, wenn es nur eine Person gibt, die für die Bedürfnisbefriedigung vorgesehen ist! Nicht einzelne Aspekte allein. Und ehrlich – ich kann es nicht mehr hören.

Bleibt bei euch, erinnert euch und sagt euch immer und immer wieder, dass es einen Grund gibt, weshalb es DIESES System in die Gegenwart geschafft hat – und das andere nicht.

Kinder und ihre Bedürfnisse sind kräftezehrend. Lange stillen ist kräftezehrend, bindungsorientierte Elternschaft, auch dann, wenn sie frei von Erziehung ist, ach was! Eltern sein an sich ist anstrengend! Fürchterlich, wahnsinnig anstrengend. Und ihr tragt dafür keine Schuld! Ihr seid die besten Eltern für euer Kind, also TRAUT EUCH, Experten für sie zu sein! Traut euch, den Kritikern zu antworten, dass es eure Entscheidung ist, eure Verantwortung und dass eure Entscheidung fest steht. Dass es keiner Zustimmung von Ihnen oder anderen Experten bedarf! Dass ihr euch nicht verunsichern lassen wollt, nur weil sie es anders sehen – schließlich zweifelt ihr das andere System auch nicht an!

 

Wie wäre mein Beratungsgespräch gelaufen, wenn ich mich nicht abgegrenzt hätte?

Das vermag ich nur zu vermuten. Als langzeitstillende, erschöpfte Mutter wäre ich mit hängenden Schultern aus der Praxis gelaufen und hätte geglaubt, dass die Entscheidung, so lange zu stillen und im Familienbett zu schlafen, schlicht falsch sei. Dass ich nun also mein komplettes Mindset ändern müsse, damit ich den Alltag wieder strukturiert kriege. Dass ich nun die Zügel in die Hand nehmen und mal ganz andere Strategien auffahren müsste. Ich – ganz persönlich – hätte geweint, weil mir genau diese beiden Dinge so wichtig sind und ich – ganz persönlich – hätte verunsichert meinen Mann angerufen und alles in Frage gestellt. Schließlich hat eine Expertin für Familiensysteme mich und mein System gerade hinterfragt.

Für manche Familien ist das der Schlüssel und für viele Frauen, die übermüdet, erschöpft und abgekämpft sind, ist auch das Abstillen DIE Lösung. Die Frauen begleite ich und helfe ihnen. Genau wie jede andere Stillberaterin es vermutlich auch tun würde. Der Punkt ist: nicht diese eine Methode ist immer der Schlüssel und nicht immer nur diese eine Methode auch das Problem! Nicht allein das nächtliche Stillen oder das Familienbett sind „Schuld“, sondern vielleicht die wenigen Freizeiten Drumherum, die vielen ermüdenden Aufgaben des Tages oder die wenigen Lücken, um die Füße hochzulegen. Es ist eine gesellschaftliche Krankheit, bindungsorientierte Elternschaft per se in Frage zu stellen und sie zu beschuldigen, fauler Zauber und Auslöser für psychische Krankheiten zu sein! Und wenn wir gerade über Systeme sprechen: was für ein System ist das, das hilfesuchende Frauen beschuldigt, das komplette Pferd falsch aufgezogen zu haben, ihre Familie falsch zu leben und ihr Kind zu verwöhnen, anstatt sie zu ermutigen, sich die Hilfe für ebendieses Drumherum zu suchen, die sie verdienen? Ich jedenfalls könnte bei jedem Ausflug in diese bindungsgestörte Welt wirklich kotzen ausflippen, ob dieser unfairen Betrachtungsweise. Mein Rat an euch lautet also, ganz klar:

 

Macht euch frei von Glaubenssätzen anderer und vertraut euch und eurem Kind.

Du bist der Experte für dein eigenes Kind, du ganz allein.

Und sonst niemand.

Ich wünsche euch allen die Kraft und den Mut, der Kritik von außen stand zu halten und zu lernen, sich nach und nach abzugrenzen. Ich bin noch mittendrin aber spürbar auf einem guten Weg. Und schaffe ich es mal nicht, dann gibt es immer noch den Joker: ich denke mir einen Experten aus, der mich absichert. Den muss es nicht mal in der Realität geben. Hauptsache, ich kann – ganz in Ruhe – den Weg gehen, den meine Kinder und ich brauchen.

Versucht das mal und berichtet.

Habt ihr auch so oft mit Vorurteilen über eure Elternschaft oder eure Entscheidungen in Bezug auf eure Kinder zu kämpfen? Hand auf’s Herz: Wie geht ihr mit dieser Kritik um? Was wünscht ihr euch öfter: Unterstützung im Alltag oder ein gänzlich neues System eurer Elternschaft? 

 

15 comments

  1. Meine Kinder haben ja beide die Flasche gekriegt und – Überraschung! haben nachts auch nicht durchgeschlafen. Wenn man nach einfachen Lösungen sucht, wird man sie finden. Nach einer guten „systemischen“ Beratung klang Dein Gespräch jedenfalls nicht. Ich hoffe, sie kam mit ein paar produktiveren Vorschlägen rüber. Wenn Geld da ist vlt. sowas wie Putzhilfe, Essenslieferung (ob Supermarkt oder Abendessen), ein Wäschetrockner, Gefriertruhe ^^. Und klar, weitere Menschen. Selbstorganisierte Krabbelgruppen, vlt. bei den Familienbildungsstätten, die überlassen einer für sowas eventuell Räumlichkeiten. Ach ja, Du hast gar nicht nach Vorschlägen gefragt aber das fiel mir spontan ein. Weiterhin viel Kraft und wenn nicht: Schreib mir ne Mail oder kommt vorbei. LG

    1. Liebe Melanie,
      Danke dir für deinen lieben Kommentar. Ist schon ne Weile her, viele Prozesse sind jetzt im Gange. Wir haben den Fehler gemacht, meine angehende Selbstständigkeit einfach mit aufzunehmen und auf meinen Stapel zu legen, dafür aber nicht die anderen Dinge drumherum fairer zu verteilen. Das heißt: zusätzlich zu allem SCHEISS hab ich dann also auch noch gearbeitet. Dass das nicht gut klappen kann sollte eigentlich auf der Hand liegen, eingesehen hab ich es trotzdem zu spät 😉

      Und naja, die Beratung war nicht die beste. Das stimmt. Aber leider vermutlich auch nicht die Einzige, die so reagiert und so drauf ist. Ich kann es nicht mehr hören, dass grundsätzliche Eckpfeiler meiner Elternschaft angezweifelt werden, obwohl ich da ganz klar positioniert bin! Du arbeitest zusätzlich zu zwei Kindern, die kaum betreut werden, machst Haushalt, kochen, blah blah alles allein und wenn die Kinder krank sind, betreust du sie, arbeitest dann aber nachts weil du dich nicht krank schreiben lassen kannst und auch alles andere muss geregelt werden? Na, dann KANN ja nur das nächtliche stillen an ALLEM Schuld sein. Ist doch klar. Nee, da kotze ich einfach. Sehr. Im Strahl.

      Danke für dein liebes Angebot, echt. <3 ?

      1. Oh, das versteh ich gut. Werde meine Lohnarbeit im neuen Jahr auch mehr den familiären Bedürfnissen anpassen, aber ob das auch meinen Bedürfnissen besser passt, weiß ich noch nicht (der Inhalt der Lohnarbeit wird toll sein und HomeOffice bzw. CoWorkingSpace klingt auch super, aber ich befürchte im Zweifelsfall heißt das eben auch dass das ganze drumrum an mir bleibt. Aber ich versuchs nicht gleich so negativ zu sehen)

  2. Wundervoll danke. Mir kamen die Tränen.
    Ich habe mich vor der Geburt entschieden mein Kind zu tragen. Oh gott ich habe alles gehört “ du kannst das nicht , du verwöhnst dein Kind, du bekommst einen Bandscheibenvorfall , du du du …..“
    Mein kleiner ist jetzt 3 Monate und ich Ich trage ihn. Es hat mich viel Kraft gekostet mich immer wieder zu erklären.
    Für meinen Sohn und mich war und ist es die beste Entscheidung. Mit der Zeit kann die Frage “ trägst du ihn nur“ einfach mit ja beantworten und erklärt / rechtfertige mich nicht mehr.
    Danke für deine tollen Worte.

  3. Liebe Kathrin

    Es tut mir leid, dass die Beratung so ein Griff ins Klo war! Ich hoffe, dass ihr als Familie einen guten Weg findet euch umzustrukturieren, so dass ihr alle gesund bleibt!

    Was die Experten angeht kann ich dir nur zustimmen. Ich sage das auch öfter um Diskussionen zu vermeiden. Allerdings fühle ich mich dann ein wenig feige. Aber meine Kraft wird an anderer Stelle mehr gebraucht.

    Eigentlich wollte ich nur sagen: Ein ganz toller Text!

    Liebe Grüße
    Britta

  4. Kathrin, ein ganz wunderbarer Beitrag! Genau so ist es ist! Wie oft höre ich diese Sätze und besinne mich dann doch wieder auf meine Intuition! Ich fühle mich in deinem Text sehr zuhause.
    Liebe Grüße Leen

  5. Ich will Dir nicht zu nahe treten aber die Tatsache, dass Du aufgrund des Themas bzw. was Du dachtest, dass sie dachte dann „dicht“ gemacht hast, hat der Beratung sicher auch nicht geholfen. Zudem hast Du ihr in der Situation die gesamte Ladung übergekippt, die sich durch viele blöde Kommentare und Erfahrungen mit anderen Leuten in der Vergangenheit angesammelt hatte. Ich war aber natürlich nicht dabei und kann das daher nur aus dem was Du schreibst bzw. Deiner heftigen Reaktion vermuten. Vielleicht wollte sie ja auf ganz andere Dinge hinaus, die weit hinter offen sichtbaren Handlungen liegen können. Es hätte sich evtl. gelohnt gedanklich den Weg mit ihr zu gehen, vor Du deutlich machst, dass das ein Grundpfeiler ist, der für Dich nicht verhandelbar ist. So ist aus einem Miteinander wohl schnell ein Gegeneinander geworden. Wie schade ? Immerhin ist sie in ihrem Fach ebenso eine Expertin wie Du für Deine Elternschaft. Just my 2 cent.

    1. Liebe Katja,
      du trittst mir nicht zu nahe und ich verstehe deinen Ansatz. Und prinzipiell gebe ich dir Recht. Bis auf zwei Dinge:
      1.) Ich hab eine derartige Unterhaltung nicht nur einmal geführt. Nein, tatsächlich hunderte Male. Jahrelang bin ich veganer – du kannst dir ausrechnen, wie oft ich meine Entscheidung rechtfertigen musste.
      Seit 3 Jahren schläft mein Sohn bei uns im Familienbett. Vielleicht weißt du, wie oft das angezweifelt wird.
      Ich stille bereits das zweite Kind so lang. Ich kann nicht mehr zählen, wie oft ich Unterhaltungen in diese Richtung habe führen müssen. Ich bin also gedanklich diesen Weg gegangen, mehrmals und ich habe es bereits ein paar Kommentare vorher schon gesagt: ich hatte begonnen zu arbeiten, dafür aber alle anderen Aufgaben, die ich eh schon hatte, nicht umstrukturiert. Ergo war mir alles über den Kopf gewachsen. Ich brauchte Lösungsansätze, die mir halfen, diese neue Komponente Arbeit in das Konstrukt einzufügen, sodass ich und meine Kinder nicht an den alltäglichen Verpflichtungen zerbrechen. Liegt ja auf der Hand, dass das nächtliche stillen Schuld ist. Ääääh nein. Ich bin diesen Weg gedanklich oft gegangen, schon beim ersten Kind. Ich reagiere also jetzt nicht sonderlich beleidigt oder so auf die Tatsache, dass die Beratung nicht die beste war, sondern darauf, dass es immer wieder die gleichen Punkte sind, die mich in Schubladen pressen und mein System angeblich ins Wanken bringen, die kritisiert und hinterfragt werden. Weißt du, die Beraterin fragte mich erst sehr viel später nach der Betreuungssituation. Und rate mal, was der Vorschlag war, als ich ihr erzählte, dass meine Kinder nicht mehr als 15 Stunden zur Tagesmutter sollen?! Genau. Falsch. Kinder gehören schließlich in Kitas. Das Familienbett war auch blöd. Und überhaupt. Bis wir dann aber nach über einer Stunde mal an den Kern der Probleme gestoßen waren, waren da Fronten. Denn:
      2.) Diese Sache ist für mich nicht verhandelbar! Nicht mehr! Ich habe mich lange genug mit inneren Konflikten und Fragen gequält, immer wieder darüber nachgedacht, ob sie nicht alle recht haben könnten und mich dagegen entschieden. Mich, so wie ich bin, als Mutter und als Mensch, gibt’s nur Langzeitstillend, tragend, co-sleepend, und Kinder immer dann zuhause lassend, wenn sie nicht in den Kindergarten wollen. Punkt aus. Das bin ich und klares Nein: das ist nicht (mehr) verhandelbar.

      Es muss ein System geben, dass all das mit einschließt, sonst ist das System nicht gut für meine Familie. Und ich werde so lang daran feilen, bis sich auch die Arbeit, diese neue Situation, integrieren lässt. Die Eckpfeiler bleiben genauso bestehen. Nichts zu rütteln.

      Danke für deinen gutgemeinten Kommentar, es ehrt dich, dass du für die Beraterin eine Lanze brechen möchtest.

      Viele Grüße,
      Kathrin

      1. Liebe Kathrin,
        vieles, was Du hier schreibst, empfinde ich ebenso. Danke!
        Ich würde gerne mehr schreiben, doch gerade fehlt die Zeit. Ich hoffe, ich komme später dazu.
        Ich drücke Dich mal virtuell, wenn Du magst.
        Herzliche Grüße,
        Steffi

  6. Liebe Kathrin,

    dein Text spricht mir aus der Seele, denn ich habe auch schon oft genug Experten erlebt, die mein Langzeitstillen in Frage gestellt haben. Zuerst der Kinderarzt, dann die Physiotherapeutin, letztens sogar eine HNO-Ärztin. Zuerst war ich total verunsichert. Ich wollte jedes Mal heulen, weil ich begonnen habe, alles in Frage zu stellen. Doch mittlerweile habe ich gelernt, meinen eigenen Weg zu gehen und die Kommentare auszublenden. Und mittlerweile bin ich nicht verunsichert, sondern könnte richtig auszucken, wenn ein Experte das Langzeitstillen bekrittelt. Wie kommt er/sie dazu? Was geht es sie/ihn überhaupt an? Um nicht allzu sehr auf 180 zu sein, habe ich mir inzwischen eine Strategie zurechtgelegt und sage immer, das lange Stillen sei aus medizinischer Sicht für mich notwendig, laut meinem Frauenarzt. Punkt. Nichts wird mehr in Frage gestellt, also ganz ähnlich wie bei deinem Beratungsgespräch. Ich wünsche es mir so sehr, dass die Experten, vor allem Ärzte/Therapeuten endlich beginnen umzudenken, sich weiterzubilden, etc., damit diese Vorurteile dem Langzeitstillen gegenüber viel weniger werden. Danke für deinen Artikel!

    Liebe Grüße
    Schokomama

  7. Einfach nur DANKE! 🙂 Du sprichst mir aus dem Herzen.

  8. Ich habe das Gefühl, gerade, wenn es um das Thema Stillen geht, wird so oft mit Halbwissen um sich geschlagen, dass es einfach nur noch weh tut.

    Ich scheine da ähnlich wie du zu sein, ich bin auch eher die Marke „Bescheidenheit in Person“ und lege zum Kennenlernen oder in einem Gepräch nicht gleich „die Expertenkarte“ auf den Tisch. Sofern ich das dann auch sein könnte. 😉

    Ich habe aber eins über die Jahre gerlernt, dass die Menschen, die offen auftreten und erzählen was für Experten sie doch sind, es immer leichter haben. :/ In manchen Situationen ist es unpassend und wirkt angeberisch und so will ich nicht sein. Auf der anderen Seite sollte man sich wirklich nicht hinter sich selber und seinen Kompetenzen verstecken, deshalb habe ich es in den letzten Jahren vermehrt versucht offensiver damit umzugehen und wenn es passte als Expertin zu outen. Genau wie du es in der Situation gemacht hast, denn offensichtlich war die andere Person keine Expertin.

  9. Liebe Kathrin,

    ich habe dir gerade mal eine Mail geschrieben, weil mich dein Artikel so bewegt hat.
    Ich wünsche dir alles Liebe und Gute auf deinem Weg.

    Liebe Grüße
    Sabrina

  10. Herrlich!! Toller Beitrag, toller Blog! Und so schön auf den Punkt gebracht. Wir Eltern sind die Experten und keine Oma, Onkel, Nachbarn, Metzgereifachverkäuferin des Vertrauen u.v.m. haben so viel Gespür für unsere Kinder und unser Familiensystem wie wir selbst. Sehr schön geschrieben.

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