Weitere Babies? Ein Abschied.

Sie begegnen mir überall. In meinen Kursen, bei der Tagesmutter meiner Kinder, in jeder Stillberatung. Und die riechen so verdammt gut! Ich sehe sie auf offener Straße, in Cafés, im Park, auf Spielplätzen und selbst beim Einkaufen! Sie füllen meine Timeline bei Twitter, Facebook, Instagram, Pinterest und liegen auf Bildern, Flyern oder Prospekten auf meinem Schreibtisch. Ständig, wirklich andauernd, werden sie mir unter die Nase gehalten und ich.kann.nicht.anders, als jedes Einzelne von ihnen so bezaubernd zu finden, als wäre es das erste Mal, das ich eines sehe: Babies.

Ich liebe Kinder, selbstverständlich vor allem meine eigenen. Letztens las ich so eine Testfrage in irgendeinem Magazin, mit was oder wem ich am liebsten Zeit verbringe und instinktiv sagte meine innere Stimme: „Mit meinen Kindern“. Und das stimmt, das ist kein Büllerbü-Gequatsche, nein. Es stimmt wirklich. Sie treiben mich zur Weißglut, gehen mir so dermaßen extrem auf den Sack, treiben mich an meine persönlichen Belastungsgrenzen und manchmal darüber hinaus, aber es gibt niemandem, bei dem ich lieber bin. Sie fehlen mir an den Morgenden, an denen sie weg sind – und da das in wirklich guten Monaten vielleicht so insgesamt 10 sind, ist das fast schon affig. Ich bringe sie stolz überall dort mit hin, wo ich weiß, dass sie so wie sie sind akzeptiert sind und keine tradierten Ansichten sie stressen, reglementieren oder klein halten können. Solche Adressen meiden wir und verbringen unsere Zeit lieber woanders. Bubba Ray und ich teilen jetzt bereits ein gemeinsames Hobby, das Gärtnern nämlich und D-Von ist der einzige Mensch auf der Welt, bei dem ich extrem viel, klammernde, körperliche Nähe tatsächlich aushalten kann.

Ich liebe meine Kinder und ich wünschte, ich hätte einen ganzen Stall von ihnen. Aber es ist vorbei.

 

Ich will nicht einen Tag in meinem Leben wieder schwanger sein

Der 24.04.2013 wird bis ans Ende meines Lebens – und das ist keine Untertreibung – eine Rolle für mich spielen. Als ich an diesem Morgen gegen halb fünf wach wurde und zum Klo rannte, um mich mit einer solchen Wucht, unerklärlichem Schmerz und dem begleitenden Gefühl der absoluten Hilflosigkeit, erbrach (und erst am 17. November 2013 damit aufhörte), endete das Leben, das ich zuvor geführt hatte. Und zwar abrupt.

Fast sieben Monate lang bestand mein Tag daraus, zu kotzen. Oder in einem abgedunkelten Zimmer die Decke / das Rollo / den Nachttisch / den Schrank anzustarren, unfähig mich zu bewegen, den Kopf zu heben oder mich zu drehen. Jede Bewegung löste neue Übelkeit aus. Oder ein Erbrechen, das so schmutzig, so ekelhaft, so erniedrigend war, dass ich lieber sterben wollte, als es noch einmal hinter mich bringen zu müssen. Es half kein beschissener Ingwer, auch keine lustigen Globuli und verdammt nochmal vor allem nicht, mein Kind „doch nur endlich anzunehmen“. Nein, die Wahrheit ist: es halfen Infusionen, in Krankenhäusern. Ambulante oder stationäre Aufenthalte, eine Krankschreibung und: die Zeit. Vier Wochen vor der Geburt meines ersten Kindes hörte es auf und ich hatte diese glücklichen vier Wochen, die meine einzige Erinnerung an sowas wie eine gute Schwangerschaft sind.

Nach Bubba Ray’s Geburt hatte ich das Gefühl, eine schwere Krankheit überstanden zu haben. Und nicht, schwanger gewesen zu sein. Ich glaube bis heute, dass die Tatsache, dass mich meine Gesundheit so maßlos im Stich gelassen hatte, der Grund dafür ist, dass ich mich in den ersten Tagen und Wochen so sehr an ihn gewöhnen musste. Ich hatte das Gefühl, ich kenne ihn gar nicht. Ich hatte dazu ja auch nie Zeit gehabt.

Nachdem ich – in meinen Augen und anhand meines damaligen, eigentlich nicht vorhandenen, Kenntnisstandes über Babys, Kleinkinder und Hochsensibilität – irgendwann endlich in der Rolle der Mutter angekommen war (vorher hatte ich eigentlich einfach nur das Gefühl, alles (!) zu verkacken), wurde ich wieder schwanger. Ich erfuhr es deutlich früher als beim ersten Mal; die Übelkeit setzte erst 4 Wochen nach dem positiven Test ein. Ich hatte also bis zu diesem Zeitpunkt wirklich ernsthafte, gute Hoffnungen, dieses Mal ohne sie da raus zu kommen. Ich hatte bessere Medikamente, die ich bereits vorsorglich nahm und zwar in der höchsten erlaubten Dosis – beim kleinsten Anflug von Übelkeit. 23 Wochen lang brachte das nur minimale Erleichterung. Dann war es endlich rum. Die zweite Hälfte meiner Schwangerschaft hielt ich mit den Medikamenten durch. Jeder Versuch sie abzusetzen, scheiterte. Jedes Mal drohte mein Magen mir mit erhobenem Zeigefinger mit Krankenhaus.

Ich verabschiedete mich vom Gedanken, je ohne Komplikationen und Krankheit schwanger sein zu können. Und brachte es hinter mich.

 

Vier Jahre später

Vier Jahre nach dem ersten Kotzmorgen. Vier Jahre nach dem ersten positiven Schwangerschaftstest. Vier Jahre nach der Überlegung, die Schwangerschaft abzubrechen, weil ich nicht wusste, ob ich das überleben könnte.

Vier Jahre nach einer Nacht Ohnmacht auf dem kalten Badezimmerboden, in der eigenen Pisse. Vier Jahre nach ohnmächtig werden bei alltäglichen Bewegungen. Vier Jahre nach dunklen Tagen auf Sofas, in Betten, über allen möglichen Schüsseln. Vier Jahre nach tagelang nichts trinken können. Vier Jahre nach dem ersten Tag Hyperemesis Gravidarum.

Und etwas mehr als 3 Jahre nach der Geburt dieses wundervollen, mir alles bedeutenden, so wichtigen, so unersetzlichen kleinen Menschen, der das Beste aus mir heraus holt und für den ich jeden einzelnen dieser Kotz-Tage doppelt so schlimm wieder durchmachen würde.

Und fast 2 Jahre nach der Geburt dieses unbeschreiblich liebevollen, herausragenden, anders-als-alle-anderen Kindes, dessen Liebe und Empathie mir täglich eine Gänsehaut aus Stolz und Demut beschert.

Und, nach dessen Geburt klar war: das war’s.

Zwei mal Hyperemesis Gravidarum in 2 Jahren

Zwei dicht aufeinanderfolgende Schwangerschaften und Geburten sind eine riesige Anstrengung. Aber die Komponente Hyperemesis Gravidarum (HG) hat mich umgehauen. Ich bin aus der Schwangerschaft mit D-Von so geschwächt und am Boden raus gegangen, dass es keine Verschlechterung mehr hätte geben können. Und jede Mutter weiß, dass die Schwangerschaft und Geburt erst der Anfang der anstrengenden Zeit ist.

Es ist 2017 und noch heute muss ich die Schwangerschaften, die mich belasten, plagen und nachts nicht schlafen lassen, in einer Therapie aufarbeiten. Mir ist es mittlerweile nicht mehr peinlich das zu sagen, denn ich gebe meiner Angst, Trauer, meinem Neid und Hass, meiner Wut und meiner Frage nach dem „Warum“ ihren Raum. Und das ist okay. Ich schaffe das schon.
Aber mir fehlt hier was.

Der Wunsch nach einem dritten Kind wird immer lauter. Und auch wenn es hier noch oft genug drunter und drüber geht, und es jetzt vielleicht auch ohnehin nicht der richtige Zeitpunkt wäre, ist bei jedem Stillberatungs-Hausbesuch da wieder dieses Ziehen in der Brust. Diese laute Vermissung eines „K3“. Das es nie geben wird.

 

Angst und das Gefühl: „DAS schaffe ich wirklich nicht“

Ich weiß, dass es eine minimale prozentuale Chance gäbe, dieses Mal ohne HG durch die 40 Wochen zu kommen, aber ich glaube nicht daran. Und ich habe zu große Angst.

Angst vor der Kotzerei und dieser alles zerfressenden Einsamkeit, die keiner nachvollziehen kann, wenn man es nicht erlebt hat. Angst vor dem Druck von außen, sich doch freuen zu müssen und es einfach nur zu hassen in diesem Zustand zu sein. Angst davor, der Welt sagen zu müssen, dass du schwanger sein verabscheust und dass du, gäbe es diesen Weg, die Pause-Taste drücken und erst wieder lösen möchtest, wenn es vorbei ist.

Keine rosaroten Wolken. Keine typischen Schwangerschaftsprobleme. Kein Nestbau. Kein Kinderzimmer einrichten. Keine Babyparty. Nur dieses Gefühl, es dieses Mal wirklich nicht zu schaffen und dich 40 Wochen lang, Tag ein, Tag aus, überreden zu müssen, die Schwangerschaft nicht zu beenden.

Und so verabschiede ich mich erneut von meinem dritten Kind, das eine riesige Lücke hinterlässt und das ich noch lange, lange Zeit, vermissen werde. Vielleicht für immer. Ich weine angesichts der Ungerechtigkeit. Und angesichts der Vermissung. Aber: das war’s.

D-Von, heute 22 Monate, schläft auf meinem Bauch, ganz so, als wäre er gerade frisch geboren. Das wird er nicht immer tun können und ich werde es auch nicht immer mögen. Aber heute schließe ich für einen Moment meine Augen und erinnere mich an dieses Baby-Gefühl. An den Geruch eines Baby-Kopfes. An dieses unbeschreibliche Gefühl, ein gerade vor wenigen Minuten geborenes Baby auf dem nackten Bauch liegen zu haben.

Und ich winke ihm oder ihr zu. Und dann lasse ich es fliegen.

 

 

27 comments

  1. Oh Gott… 1:1 meine Gefühle. Klammer mich gerade tränenüberströmt an meine schlafende Jüngste. Ich fühle so mit dir, diese Traurigkeit wird mich heute wohl nicht mehr los lassen. Vielleicht sollte ich es auch so machen wie du: ganz konkret Abschied nehmen.. aber soweit bin ich noch nicht 🙁 obwohl ich weiß, HG mit 2 Kindern zu Hause ist einfach für alle zu viel. Alles Gute dir.

  2. Dein Text berührt mich sehr. Ich kann mir vorstellen, dass es viel Kraft und Mut erfordert diesen Text zu schreiben und zu veröffentlichen. Respekt! Ich wünsche dir, dass du es schaffst mit den furchtbaren Schwangerschaften abzuschließen und kann deine Entscheidung nachvollziehen, auch wenn es das Herz bricht.
    Von Herzen, alles Liebe Christina

  3. Mit Tränen in den Augen deinen Beitrag gelesen. Die letzte Schwangerschaft war bei mir auch alles andere als schön, allerdings kann ich mir wohl nicht im kleinsten vorstellen wie es dir erging.
    Wir haben lange für Schwangerschaft Nr2 gebraucht und waren schon bei der Adoptionsstelle. Vielleicht aber nur ganz vielleicht ist das eine Überlegung wert, auch für euch?
    Ich drück dich ganz fest.
    Liebe Grüße Melanie

    1. Danke, du Liebe, für deinen Besuch und deinen Kommentar.

      Darüber nachgedacht haben wir schon. Für meinen Mann ist das Thema auch weniger verabschiedet, als für mich. Das macht es aber nicht leichter. Aktuell stürze ich mich in Arbeit und meine Selbstständigkeit und das sehe ich auch irgendwie auch als Baby 😉 Es hilft mir zumindest, mit dem Abschied besser zurecht zu kommen. Aktuell denke ich also eher weniger darüber nach aber wer weiß – vielleicht sieht das in ein paar Jahren auch anders aus….

  4. Danke für Deine offenen Worte. Ich kann es mir nicht einmal ansatzweise vorstellen, wie es gewesen sein muss.

  5. Deine Ehrlichkeit berührt sehr !! Wie schwer muss es Dir fallen Dich von diesem Wunsch zu verabschieden. Mir fällt es ja schon schwer weil ich mich für noch ein Kind einfach zu alt fühle, wie schwer muss es Dir dann fallen.
    Wäre vlt ein Pflegekind eine Möglichkeit ?

  6. Bin zufällig hier gelandet…vielen Dank für den offenen Bericht! Ich liege gerade zuhause im Bett/auf dem Sofa; seit 4 Wochen mit heftiger SW-Übelkeit krankgeschrieben. Es ist das zweite Kind…mein Großer versteht es nicht und leidet.
    Ich kann mich nicht mit dir vergleichen. Ich kann Essen bei mir behalten (solange ich mich nicht bewege), auch wenn ich es nicht genießen kann. Dir ging es ingesamt wesentlich schlechter – ich muss nichts ins Krankenhaus und weiß aus meiner ersten SW, dass es irgendwann in der ersten Hälfte bei mir vorbei sein wird. Die ständige, quälende Übelkeit zieht mich auch psychisch so runter. Als würde eine Depression von meinem Magen aus auf alles übergehen. Ich kann mich über nichts freuen; schon Telefonieren ist eine Zumutung; meine letzte Energie verwende ich dafür, mit meinem Großen ein Buch anzuschauen. Ich kenne diese Einsamkeit, die Isoliertheit: eine Mischung aus Man-darf-ja-noch-nichts-sagen und Ich-will-auch-mit-niemandem-reden. Ich kann sehr gut nachvollziehen, dass das traumatisch ist und du dies aufarbeiten musst. Insbesondere, wenn du es zweimal in so kurzer Zeit erlebt hast. Ich drücke dir dir Daumen, dass du dieses düstere Kapitel bald hinter dir lassen kannst. Du kannst wirklich stolz auf dich sein, dass du das zweimal geleistet hast!

    1. Und ich wünsche dir, liebe Johanna, einfach nur, dass diese Zeit schnell vorbei geht. Ich weiß, dass sonst alle anderen Wünsche nur Phrasen wären. Daher: ich hoffe, es ist einfach nur schnell rum.

      Ich wünsche dir alle Liebe <3

  7. Deinen Beitrag finde ich so super mutig!!! Und wieder wissen wir, warum wir einen Clan brauchen..alles Liebe dir

  8. „congrats, you survived hyperemesis“ war eine der ersten Nachrichten, die ich nach Minis Geburt bekommen habe.. gekotzt und im Krankenhaus gehangen habe ich von Punkt 3+0 bis 29+5.. So vieles was du schreibst kann ich so gut nachvollziehen! Wir denken momentan über einen weiteren Minimenschen nach, aber die Panik sitzt tief. Fühl dich gedrückt!

  9. Hallo du Liebe! Ich kann dich unendlich gut verstehen. Ich hatte zwei Schwangerschaften, die in Ordnung waren, und dann eine unendlich schlimme und eine tolle Geburt. Mein drittes Baby habe ich Ende des 1. Trimesters verloren. Und es stellte sich heraus, dass ich gesundheitlich nicht mehr ganz in Ordnung war. Mir geht es gut, jetzt, aber ein Baby wird es nicht mehr geben. Das ist jetzt 1,5 Jahre her. Ich bin Babykursleiterin. Ich liebe Babys, und ich will nicht angeben, aber: sie lieben auch mich. Mir zerreißt es fast das Herz, dass ich keines mehr bekommen werde. Nie wieder. Ich würde so gerne, aber es geht nicht. Die Entscheidung wurde mir abgenommen. Ich habe das Gefühl, noch so viel geben zu können, aber nicht mehr an ein drittes bzw. viertes eigenes Kind. Und dass es keine Schwangerschaft mehr geben wird, lässt mich sehr trauern. Ich wollte nur sagen: Danke für deinen berührenden Text. Du bist nicht alleine damit.

    1. Wir sind viele <3

      Danke, Stephie. Und ich wünsche dir wirklich von ganzem Herzen alles Liebe. Ich finde es ganz großartig, dass du mit Babies arbeitest, obwohl dich das regelmäßig mit deinem Verlust und deiner Trauer konfrontiert. Damit machst du aus deiner Schwäche eine absolut starke Leistung. Meine Hochachtung.

      Alles alles Liebe.

  10. … hm… Ja, das hört sich schlimm an und es tut mir leid, dass Du zwei grausame Schwangerschaften hinter Dir hast und Ungerechtigkeit ob der Angst einer weiteren Schwangerschaft empfindest. Aber, Du hast zwei Kinder. Angesicht der Tatsache, dass jede dritte Schwangerschaft in einer Fehlgeburt endet, jedes 7. Paar keine Kinder bekommen kann und 2 von 100 Frauen an einer Eileiterschwangerschaft leiden… Stelle ich die gefühlte Ungerechtigkeit mit zwei gesunden Kindern tatsächlich infrage. Vielleicht hilft es Dir in das Gesicht Deiner Jungs zu blicken und die schlechte Erfahrung zu vergessen. Bei Fehlgeburt, EUG oder Kinderlosigkeit bleibt Dir dies komplett verwehrt. Und eines noch, Du würdest es auch zum dritten Mal schaffen 😉

    1. Ich denke nicht, dass ein Leid gegen ein anderes aufgewogen werden kann.
      Und diese „Sei doch mal dankbar“-Mentalität ruft die obig beschriebene Einsamkeit hervor.

      Letztendlich können wir alle dankbar sein ein Dach über dem Kopf und genügend Essen zu haben, trotzdem dürfen die „alltäglichen“ Sorgen jede*s Einzelnen doch ihren Raum haben.
      Ein Kinderwunsch ist ein Kinderwunsch. Ob es nun nach dem ersten oder nach dem zehnten Kind ist. Er ist da. Davon Abschied zu nehmen tut weh. Für jede.

      1. Das stimmt, es sollte auch kein Leid gegen das andere aufgewogen werden und keinesfalls noch mehr Einsamkeit hervorrufen… Manchmal hilft es aber, die Dinge in Relation zu setzen. Mir hat es damals geholfen, trotz einer schlimmen Erfahrung die Zuversicht und den Mut nicht zu verlieren, in dem ich mir gesagt habe: Es hätte auch noch viel schlimmer kommen können – und Angst ist meist kein guter Ratgeber.

      2. Liebe Krähenmutter,
        ich möchte dir einfach für deine Worte danken. Es wären fast eins zu eins meine gewesen.

        Danke für dein Verständnis <3

  11. I feel you.
    Zumindest in abgeschwächter Form.
    Ich möchte sehr gern noch ein drittes Kind, kann mir aber auch keine weitere Schwangerschaft mehr vorstellen. Bei meiner letzten war der erste Sohn schon so groß und der Mann Zuhause, dass es irgendwie ging.
    Jetzt wüsste ich nicht, wer die beiden Kinder versorgen sollte, wenn ich ausfalle und mich nicht mal wirklich um mich selber kümmern kann.
    Und ja, ich finde es auch ungerecht. Und ich werd stinkwütend wenn mir Sätze wie „Einer Schwangeren gehts doch immer gut.“ begegnen.
    Und noch so viele andere Unverschämtheiten.

    Welches Medikament hast du denn genommen? Agyrax? Das hat bei mir leider gar nichts gebracht..:/

  12. Vieles mache ich sehr anders als du, aus Überzeugung. Und doch, dieser Post lässt uns etwas Gemeinsames teilen.
    Ich habe ein drittes Kind bekommen und es war furchtbar. So furchtbar, dass sich mein Körper auch nach einem Jahr immer noch fremd und kaputt anfühlt. Ich habe beim dritten Kind fast 20kg eingebüßt (einiges davon hatte ich mir zuvor angefuttert, weil ich ja wusste, was auf mich zukommt). Vor allem die tiefe Erschöpfung und das Gefühl, das mein Körper gegen mich arbeitet sind geblieben. Ich glaube, ich hatte so etwas wie ein Kotzgedächtnis entwickelt in den vorherigen Schwangerschaften. Die Übelkeit kam 3 Wochen nach Eisprung und blieb bis 1 Tag nach Geburt und ich wünschte mir von der 1. Sekunde an nur, dass diese elendige Schwangerschaft zu Ende sei. Zudem waren am Anfang Zwillinge angelegt und da kam die Hormonumstellung gleich doppelt heftig. Von Erkältungen, wo ich schon mal 5 kg in 3 Tagen verlor, ganz zu schweigen. Ich lag 37 verdammte Wochen im Bett und starrte vor mich hin, habe fast geheult, bis die Großen im Kindergarten waren und wusste nach 5 Stunden nicht, wie ich sie abholen sollte. Bei K1 war es schon krass. Bei K2 war es richtig schlimm, aber bei K3 war es keine Schwangerschaft, es war eine Qual. Leider habe ich keinerlei Unterstützung bekommen und darum will ich auch kein 4. Kind. Das kann und würde ich niemals schaffen, ein weiteres Kind auszutragen. Mein Körper erholt sich jetzt schon nicht von dieser Strapaze. Ich kann dir also nachfühlen. Es wäre vermessen zu denken, beim nächsten Kind würde es besser. Auch wenn jede Schwangerschaft anders ist, der Körper hat irgendwann Übung im Schwangersein und reagiert sofort auf die Hormone. Ich merke momentan, wie mein Körper kaputt ist. Ich komme auf keinen grünen Zweig, egal was ich an Sport oder zur Verbesserung meiner Konstitution mache. Mein Körperbewusstsein ist durch diese Erfahrungen so derart stark und empfindlich geworden, dass ich mich immer noch fremd im eigenen Körper fühle und mir selbst das Stillen oft unangenehm ist, weil ich das Gefühl hab, ich kann meinen Körper nicht für mich haben.
    Aber ich kenne den Gedanken, sich langsam und leise von einem weiteren Kind zu verabschieden. Es wäre niemandem geholfen, wenn ich das nochmal machen würde. Und zudem muss ich sagen, es war mir fast unmöglich mich in der 3. Schwangerschaft um die Kinder zu kümmern, von Dingen nebenher, die mich noch interessieren ganz zu schweigen. Es ging schlicht überhaupt gar nix mehr und es glaubt einem ja auch kaum jemand, wie schlimm das ist. Meine Mitmenschen wurden eher ärgerlich und dachten ich übertreibe und waren darum auch immer weniger bereit zu helfen. Total absurd.
    Ich war innert 5 Jahren 5x schwanger, hab 3 Schwangerschaften ausgetragen und ich würde wirklich jedem sagen: Das war zu viel auf einmal. Zu viel, zu schnell, zu intensiv und zu arg. Die Beziehung zu meinem eigenen Körper hat enorm gelitten und vielleicht wäre es einfacher gewesen, wenn ich zwischen den Schwangerschaften mehr Zeit zur Regeneration gehabt hätte. Vielleicht kannst du ja in 2 Jahren nochmal neu übers Kinderkriegen nachdenken, wenn der Wunsch immer noch besteht. Aber alles auf einmal – das kann auch zu viel sein, so wie du es oben beschreibst. Egal, wie du dich entscheidest, dabei wünsche ich dir alles Gute!

    1. Liebe Rosalie,

      ich bin ohne Worte. Auch wenn in meinem Kopf ganz viel passiert, beim Lesen deines Kommentars. Vieles ist so ähnlich, so bekannt, auch die Flashbacks!, dass es fast weh tut. Es kommt bei HG-Patientinnen ja nicht selten vor, dass das Brechzentrum nach dieser intensiven Zeit völlig gestört ist und man sich eben von der Krankheit an sich eigentlich nie mehr so richtig erholt. Ich wünsche dir von ganzem Herzen, dass du nach einer Erholungszeit wieder ganz ohne diese Überbleibsel sein kannst.

      Alles Liebe,
      Kathrin

  13. Ohne Worte.
    Zu viele, zu intensive Gefühle in alle Richtungen.
    Stille, feste Umarmung (mindestens 20 Sekunden),
    Mo

    1. Ist angekommen <3

  14. Vielen Dank für Deinen Beitrag.

    Bisher hatte ich nie das Gefühl verstanden zu werden. Ich muss und musste mir immer wieder anhören, dass ich das Kind unbewusst ablehnen. Auch beliebt war der Tipp täglich Bier zu trinken um lockerer mit der Schwangerschaft umgehen zu können. Wir hatte uns mehr Kinder gewünscht. Ich habe jedoch große Angst vor einer weiteren Schwangerschaft. Auch davor was das für meine Tochter bedeuten würde.
    Wie ist dein Großer damit umgegangen? Wie habt ihr den Familienalltag bei deiner zweiten Schwangerschaft noch stemmen können?

    Ich denke es ist sehr wichtig über die Hyperemesis aufzuklären. Mit das schlimmste finde ich es nicht ernst genommen zu werden- einem ist halt nicht nur ein bisschen schlecht. Und auch in die Psychoecke gedrängt zu werden ist sehr belastend. Also nochmal Danke für Deinen Beitrag.

  15. Danke für diesen tollen Artikel. ❤ Ich heule jedes Mal wieder wie ein schlosshund weil es mir genauso geht. Ich traue mich nach der HG auch nicht mehr an ein zweites Kind bzw. an eine zweite Schwangerschaft ran. Der Gedanke mein zweites Baby fliegen zu lassen und es ewig zu lieben und zu vermissen hilft mir irgendwie. Danke dafür❤❤❤

  16. Ich hatte 3.5 HG Schwangerschaften. Nach der zweiten durfte ich niemandem auch nur ansatzweise erzählen, dass ich ein drittes wollte, die hätten mich eingewiesen. Aber er war da, gleich nach der Geburt, der Wunsch nach dem dritten. Sogar eine FG mit HG light liess mich nur kurz überlegen, ob ich das tatsächlich nochmals machen will. Mit Medis und ’nur‘ noch 5 Wochen Krankenhaus schaffte ich es bis Woche 22. Ab da ging das gekotze auf 5-6x pro Woche zurück. Was blieb war die unglaubliche Übelkeit und den Verlust des Lebenswillens. Ich habs trotzdem mit Unterstützung bis 40+2 geschafft. Und jetzt, 4.5 Jahre später, mag ich Babies immer noch, aber ich will zu 100% keines mehr. Wir sind komplett. Ich musste mir immer vor Augen halten, was sind 7 Monate HG für mich im Vergleich zu einem Leben für das Kind?

    1. Wahnsinn. Hut ab.
      DU hast wirklich ehrlich meinen vollen Respekt <3

  17. So ein ergreifender Artikel! Danke dafür. Mir ergeht und erging es genau so. Der gesamte Verlauf, alles war so wie du es beschreibst… Allerdings sind die Kids im Abstand von 27 Monaten geboren. Und Doch, anders als bei dir, denke ich häufig an ein 3. Kind. Es ist paradox – sagt auch mein Kopf, doch mein Herz spricht in einer anderen Sprache zu mir… jetzt nach 2,5 Jahren kann ich mit meinen physischen und psychischen Schäden besser umgehen, wieder teilweise mit mir im Reinen sein. Auch das bedingungslose Verständnis von vielen mitleidenden in der hg-Selbsthilfegruppe hilft mir sehr. Wenn wir noch ein Kind bekämen, würden wir vor allem medizinisch sehr viel Vorsorge treffen- dieses Wissen verdanke ich den Frauen in der hg-Gruppe🤗
    Enttäuschung, Wut und oft einfach Neid auf gesunde, glückliche Schwangerschaften kenne ich dennoch auch… obgleich ich fest damit rechnen würde wieder hg zu erleiden. Das ist wohl eine Sache des Schicksals? Nun ja.
    Vielen Dank dir jedenfalls, diese eigentlich unbeschreibliche schwere Zeit in Worte zu fassen ist dir so gut gelungen. Mal sehen, ob wir uns nochmal in die Hg – Hölle wagen???

    1. Liebe Löwenmama,
      ja – vielleicht bleibt es spannend und vielleicht traue ich mich doch noch einmal. Aber ich habe für mich auch akzeptiert, dass es okay ist, wenn ich es nicht tue. Das gibt mir Kraft und nimmt mir viel Druck.

      Ich wünsche euch alles Liebe!

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