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Wenn der Weg zum Ziel wird

„Dass sich unsere Kinder wohl fühlen und dass wir uns wohl fühlen, das ist unsere Zukunft“ Herbert Renz-Polster in „Menschenkinder“

 

Viele Jahre konnte ich nicht schlafen, wegen der Kinder. Weil Bubba Ray nicht schlafen konnte, weil D-Von stündlich stillte oder weil ich – davor, danach, dazwischen – schwanger war. Doch in dieser Nacht kann ich nicht schlafen, weil ich einfach nicht schlafen kann.

Ich rufe Mails ab. Das ist wie eine Routinehandlung. Ich mache das irgendwie automatisch, habe sozusagen einen eingebauten Mail-Abruf-Muskel. Wird eh nix spannendes dabei sein, denke ich.

„Einfach Eltern FamilySteps: Wir stellen uns vor!“ lautet die Betreffzeile. Ich überlege kurz, ob das womöglich wieder nur so eine Werbemail sein könnte. Aber nee. Für den Newsletter habe ich mich schon eine Weile angemeldet, Spam kommt eigentlich nicht darüber. Ich öffne die Mail.

Die Nacht ist vorbei.

Da steht es, dick und deutlich: wer einen Blog hat, bisher bindungsorientiert mit seinen Kindern gelebt und Lust hat, eine Ausbildung zum/zur Kursleiter/-in zu machen und darüber zu berichten, der kann sich bewerben. Genauer: zum/zur Einfach Eltern FamilySteps Kursleiter/-in. Ich tippe wie wild Sätze in den Laptop, ich soll schließlich beschreiben, wieso gerade ich diese Ausbildung so unbedingt gewinnen will. Ich lösche, tippe wieder, formuliere um, tippe, tippe, tippe. Für die Mail brauche ich zwei (!) aufgeregte Stunden, in denen ich Blogposts raussuche, mir überlege, was ich alles noch aufführen möchte und wie schön es wäre, wenn ich die Chance bekäme, in einer solchen selbstständigen Tätigkeit arbeiten zu dürfen. Dass ich mit Eltern und Kindern neue Ziele erarbeiten dürfte. Dass ich Dinge tun dürfte, für die mein Herz jetzt schlägt. Und, dass ich auch meine Kinder nicht mehr in ein Leben pressen muss, dass nicht mehr unseres ist. Dass ich Bubba Ray, der Betreuung durch jeden anderen als mich und seinen Vater nicht gutheißen kann, eben nicht auf Biegen und Brechen daran gewöhnen müsste. Dass es nie wieder heißen würde: Tut mir leid, da musst du durch. Ich muss arbeiten. Sondern: Dann kommst du mit Mama zur Arbeit. Aber du musst mit turnen und Spaß haben, sonst gilt es nicht. Dass nicht mehr mein Leben sich meinem Job anpasst, sondern mein Job meinem Leben. Dass meine Kinder Arbeit nicht mehr als etwas erfahren, dass sie ausschließt, sondern mit einbindet.

 

Ich wollte immer was mit Menschen machen.

Ja. So eine war ich. Ich lernte in der Gastronomie meinen Mann kennen und bereue schon allein aus diesem Grunde nicht, dass ich dort meine Dienstleistungs“karriere“ startete. Ich kam schnell voran, studierte fern, bildete mich weiter, wurde Eventmanagerin und Fachwirtin und saß bald in einer Agentur, in der ich mordsmäßige Events  in einer riesigen Location organisierte. Es war eine wundervolle Zeit und ich habe sie genossen. Und die Erfahrungen wird mir niemals jemand nehmen können.

Aber nichts von dem was ich da tat, passt zu den Kindern, die ich heute habe. Und nicht zu der Familie, die wir in den letzten drei Jahren mit sehr viel Blut, Schweiß und Tränen aufgebaut haben. Es beschlich mich regelmäßig ein beklemmendes Gefühl, wenn ich an das Ende meiner Elternzeit dachte. Daran, wie sehr so viele Säulen unserer Familie schlicht würden einstürzen, wenn ich mich selbst wieder in dieser Form einsperren würde.

 

You’ve got mail

Nicht ganz 10 Tage später bekam ich eine Sammelmail, adressiert an alle Teilnehmer. Es ist ein Donnerstagvormittag, ungefähr 10 Uhr. Ich öffne die Mail und lese meinen Namen.

Erst schreie ich, dann weine ich, dann bin ich so außer mir, dass ich vor lauter Freude kaum Luft bekomme. Ich bin sehr reich beschenkt worden, mit einer Ausbildung, mit einer beruflichen Perspektiven, mit einer Chance. Ich habe gewonnen und kann mein Glück kaum fassen.

Und so setze ich mich und meine Familie am kommenden Freitag ins Auto und fahre im Morgengrauen 400km in eine neue Zukunft. Eine, die mich herausfordern und beanspruchen wird. Eine, die Kraft und Ausdauer kosten wird. Eine, für die ich mich festbeißen und durchsetzen werde müssen. Eine, auf die meine Kinder und ich eines Tages sehr sehr stolz sein werden.

Ich freue mich, Bianca und Nadine, die beiden FamilySteps Chefinnen, die mich beim Attachment Parenting Kongress so fest drückten, dass ich glaubte, wir kennen uns schon ewig, zu treffen und zu lernen, lernen, lernen.  Ich bin wahnsinnig gespannt, was mir die Zukunft bringt und was ich aus diesem unglaublichen Geschenk machen werde.

Wer mir also in den letzten Wochen die Daumen gehalten hat, wenn immer ich auf Twitter oder sonstwo alle möglichen Menschen aktivierte, mir gute Gedanken zu schicken, dann wisst ihr jetzt, wofür die waren. Und dass ihr alle mich täglich, durch diesen Blog, durch eure Rückmeldung, durch die Stillberatungen und eure Worte dazu motiviert. Danke <3 Und natürlich werde ich euch auf dem Laufenden halten und die Inhalte weiter hier in Texte für euch verpacken.

Und ich danke euch, Bianca und Nadine, dafür, dass ich und meine Kinder diese Chance kriegen – und dass ich wieder was mit Menschen machen darf.

Was so, so Sinnvolles.


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