#ZweiunterZwei – der Altersabstand aus der Hölle

Ich bin so müde. So so so müde.

Ich bin müde beim Schlafen und beim Wachsein, beim Kaffee trinken, beim Duschen, beim Essen, beim Trinken, beim Leben.

Ich habe ewig nicht geschlafen. Also echt ewig. 2013 ist Bubba Ray geboren, aber selbst in der Schwangerschaft konnte ich schon nicht schlafen, also die Hälfte von 2013 durch. Und jetzt ist schon fast die Hälfte von 2016 und ich schlafe nicht. Nicht so richtig zumindest.

Was daran liegt, dass meine Kinder nicht schlafen. Also, nicht so richtig zumindest. Bubba Ray ist jetzt fast 27 Monate alt und seit er die magischen zwei Jahre voll hatte, schläft er durch. Sehr souverän. Bis auf wenn Vollmond ist, aber wir wollen mal tief stapeln. D-Von aber, mit seinen lustigen 7,5 Monaten, der schläft nicht. Ab einer bestimmten Uhrzeit nachts geht bei ihm irgendwas los. Verdauung, wasweissich, jedenfalls keinen Bock mehr so richtig zu schlafen. Dann stille ich so 3 Mal in der Stunde und manchmal schläft er auch zwischendurch. Manchmal aber auch nicht. Was prinzipiell okay ist – es ist ja nicht seine Schuld und um ehrlich zu sein auch einfach ganz normal, dass er in dem Alter nicht schläft.

Es ist dieser Altersabstand. Der ist aus der Hölle gekommen, um mich zu holen.

Zwei Kinder im Abstand von weniger als 2 Jahren. Also um genau zu sein: nur 19 Monate.
Perfekte Kinder, das wollen wir nicht unterschlagen. Perfekte, wunderschöne, tolle Kinder. Die nicht schlafen. Also schon, aber nicht so richtig.

Ich liege also da, nachts, wenn D-Von seine überteuerte Bamboozle voll k*ckt, nachts um 3 Uhr und frage mich, warum sich zur Hölle seine Verdauung nicht einfach endlich mal umstellt und sehe links von mir den schnarchenden Bubba Ray, mit seinen langen Haaren und seiner süßen Schnute und seinen roten Wängchen und verstehe, wieso Eltern mit Kindern im „klassischen“ 3-Jahres-Abstand nicht so motzen wie ich. Sie konnten ein Jahr schlafen, wenn alles gut läuft.

Jaaaaaa Jaaa, ich weiß es doch, nehmt den Zeigefinger wieder runter. Ist nicht bei allen so. Manche Kinder schlafen nie, da hilft der Abstand dann auch nix. Manche Kinder schlafen viel später erst durch, da hat man dann auch nix von und überhaupt kann man ja auch gar nichts pauschalisieren. Aber das ändert für mich auch nichts denn: mein Bubba Ray schläft ganz wunderbar durch, seit er die von Remo H. Largo* prophezeiten 24 Monate voll hat und hätte ich mich darauf verlassen oder irgendwas davon geplant, dann hätte ich jetzt ganz 2016 zum SCHLAFEN.
Aber ich schlafe nicht. Vor allem nicht durch. Und das wäre prinzipiell okay. Wenn es irgendwann mal eine Phase gegeben hätte, in der ich Schlaf hätte tanken können.

Zwei Kinder unter zwei Jahren – da ist nicht nur der Schlaf dein Problem.

Für mich stellten sich so viele Herausforderungen an dem Mini-Abstand, dass Schlaf mir zumindest mehr Gelassenheit und Ausgeruhtheit beschafft hätte. Ohne beides wirkten unsere Herausforderungen aber wie Kämpfe. Und ich schrabbte ziemlich nah am Nervenzusammenbruch. Zum Beispiel fiel die Geburt des kleineren Kleinen fast genau in den Beginn der Autonomiephase des großen Kleinen und nicht nur das. Nein, parallel kamen auch noch 4 (in Worten: V I E R ) Backenzähne. Das gepaart mit Geschwistereifersucht, Wochenbett und dem Alltag – naja. Ihr könnt euch denken, wie die Tage und Nächte hier aussahen.

Ich fühlte mich hilflos, völlig aus der Bahn geworfen. Denn Dinge, die normalerweise nicht länger als eine Viertelstunde dauern, wurden zu Tagesaufgaben. Ein Rezept vom Arzt abholen, zum Beispiel. Bubba Ray zur Tagesmutter bringen, wenn er schlecht geschlafen hatte und nicht laufen wollte, D-Von aber den Kinderwagen verweigerte (immer noch….) und ich kein Auto hatte. Im Winter.

Einkaufen. Mit einem Kleinkind, das entweder Himbeeren essen oder aber helfen möchte – was er prinzipiell darf, denn das heißt automatisch auch, dass es keine Wutanfälle gibt – und einem Maxi Cosi. Ich meine, der Maxi Cosi nimmt ja schon den ganzen Platz im Einkaufswagen weg.

Mit dem Hund gehen. Bei Regen, wenn weder der Hund noch das Kleinkind, das an Tragen gewöhnt war, laufen wollten.

Alleine zur Toilette gehen oder duschen. Naja okay, ich denke, das liegt nicht unbedingt am Abstand.

Mit dem Kleinkind spielen, während das Baby auf dem Schoß liegt – bis hierhin kein Problem aber ich wiederhole noch einmal: Geschwistereifersucht. Permanent. Überall. 24/7.

Ihr erkennt das Muster.

Jetzt ist über ein halbes Jahr rum, das zweite halbe 2015 nämlich und ein bisschen vom halben 2016 und alle mögen sich hier. Wir lachen viel und singen und haben uns lieb und aneinander gewöhnt. Und ich glaube, weder D-Von noch Bubba Ray stört der wenige Schlaf, das Gezeter oder die Eifersucht des Anderen.

Ich jedenfalls stehe mit dem Altersabstand im Moment noch auf Kriegsfuß. Ich gebe die Hoffnung nicht auf, hier in 2 oder 3 Jahren davon zu schwärmen, wie klasse der Altersabstand von nur 19 Monaten doch für die Kinder ist, wie toll sie spielen, was für ein fantastisches Team sie sind, wie oft sie allein spielen und die Welt entdecken, wie positiv sie sich gegenseitig beeinflussen, wie reibungslos alles klappt. Ich hoffe, dass ich nachmittags auf der Terrasse sitze, mit einem grooooooßen Kaffee und zuschaue, wie die beiden spielen, ohne selbst ständig im Sand Kuchen zu backen.
Versteht mich nicht falsch, gerade im Sand spielen gehört zu den Dingen, die mich selig machen. Wirklich – habt ihr mal 30 Minuten lang stoisch den weißen Spielsand aus dem Buddelkasten in einen Kipper geladen, einen halben Meter gerollt um den Sand dann auszuladen, zurückzufahren und dasselbe Prozedere zu wiederholen? An die 100 Mal? Das ist ein kleines bisschen wie Meditieren.

Wenn das nicht hilft, das Wetter schlecht ist oder Bubba Ray anstatt im Sand zu buddeln lieber damit nach mir wirft – immer noch untröstlich darüber, dass das Baby währenddessen im Tragetuch schläft – schreibe ich, um zu kompensieren. Und so sammelten sich in den letzten 7 Monaten fast 20 Texte über diesen verfluchten Altersabstand, der mich waaaaaaahnsinnig macht, an. Keiner dieser Texte wurde je zuende geschrieben. Keiner hatte ein Fazit, keiner ein Ergebnis.

Und ich fing an mich zu fragen, WAS GENAU mich eigentlich so stresst, an diesen 19 Monaten.

Ich las meine Texte durch, las die unstrukturierten, wilden Worte, las Frust und Verzweiflung. Und las auch: es gibt kein Ergebnis. Es gibt keinen einen richtigen Weg. Du wirst da nun mal durch müssen.

Ich begann, diese Texte zu kürzen und so zusammenzufassen, dass irgendwer davon einen Mehrwert haben würde. Das ist schließlich, was ich hier tun möchte, Inspiration schaffen, für Menschen in gleicher oder ähnlicher Situation.

Und ich gestehe direkt ein: ich habe das alleine nicht geschafft. Es ist hier noch zu chaotisch und beim besten Willen klappt auch noch nicht alles, als dass ich werweißwas für Tips geben könnte.

Also startete ich einen Aufruf auf Twitter, auf der Suche nach Eltern mit gleichem Schicksal: mit zwei Kindern im Abstand von unter zwei Jahren und herausgekommen ist eine aufschlussreiche, super interessante Interviewreihe, mit der wir hier am Dienstag beginnen.

In der Reihe #ZweiunterZwei habe ich meine Interviewpartner gefragt, was die Herausforderungen, Vorteile und Nachteile sind, auf was sie sich im Vorfeld gern besser eingestellt hätten und ob sie es wieder tun würden.

Mit von der Partie sind auch ein paar echt tolle Blogger und ich hab mich gefreut wie ein kleines Kind! Tue ich auch jetzt noch. Es wird toll!

Am Ende der Reihe gibt’s dann noch Gastbeiträge von drei ganz wunderbaren Müttern und das wird sehr cool: eine, die ganz bewusst einen so kleinen Abstand gewählt hat, eine, die nur knapp über der Grenze liegt und bei der wir werden vergleichen können, ob schon ein paar Monate einen Unterschied machen und eine, deren Kinder deutlich weiter auseinander sind. Ich werd‘ bekloppt.

 

Nun, am Altersabstand meiner Kids ändert diese klitzekleine Studie nichts. Aber häufig treffe ich auf Beiträge á la „Gibt es den richtigen Zeitpunkt für das 2. Kind?“

 

Die Frage ist nicht, ob es den richtigen Zeitpunkt gibt.

 

Die Frage ist: habt ihr genug geschlafen, um ein Kind zu bekommen?

In diesem Sinne: Gute Nacht, schlaft um euer Leben und bis Dienstag bei #ZweiunterZwei

*aus: „Babyjahre“ von Remo H. Largo / Schlafverhalten 10-24 Monate
Bildquelle: www.pixabay.com

17 comments

  1. Wahhh. Ich kann deine Mini Studie gar nicht abwarten. Toller Text. Ich fühl sooo mit dir. Ich hab selbst drei Kinder (5, 3, 1) und genau alle zwei Jahre eins bekommen (Manche sind halt so dusselig und machen den gleichen Fehler immer wieder – und ja, es lohnt sich). Ich schlafe demnach also seit Ende 2009 nicht mehr! Aber hey… Schlaf wird doch auch total überbewertet.

    Ich glaube jedenfalls nicht, dass nur der Altersabstand eine Rolle bei der Überforderung spielt. Meine Idee ist das „zweite Kind Syndrom“… Man ist zwar nicht mehr so hysterisch wie beim ersten Kind, hat aber am Anfang Schwierigkeiten seine Aufmerksamkeit zu teilen, zu Priorisieren, dazu die Entthronung!!! und begleitend ein ständiges schlechtes Gewissen. Meist hat man auch keine Pause mehr hat für sich, … Beim dritten Kind fiel mir nach der Erkenntnis alles viel leichter. Es ist trotzdem manchmal zum heulen! *Gähn*

    1. Liebe Marianie,
      diese Theorie klingt einleuchtend. Ich habe ähnliches bei mir selbst feststellen können. Was Kind 3 angeht werd ich aber vermutlich nicht mehr mitreden ?

  2. Lese jetzt mit Spannung die schon gelaufenen Interviews von zweiunterzwei und vergleiche das mit meiner Situation: Zwillinge, 19 Monate. Einiges ist ähnlich, vieles auch ganz anders. Das schlechte Gewissen (Enttrohnung des älteren, kein Einzelkindstatus des Jüngeren) verteilt sich einfach gleichmäßig (nie hast du die Mama für dich allein gehabt, komm kuscheln…ach du auch nicht, komm her….ach nee beide aufm Schoß endet in Klopperei, schnell wieder runter mit euch)

  3. Ich habe 3 Kinder. Erster Abstand 18 Monate. 2. Abstand 20 Monate. ICH WEISS WIE DU DICH FÜHLST!
    Die jüngste ist jetzt 2 Jahre. Es wird alles leichter. Aber es ist eine sehr krasse Aufgabe. Ich habe noch nie so viel geheult, wie in dem Jahr der 3. Schwangerschaft und dem ersten Lebensjahr der Jüngsten. Kinder sind immer anstrengend, aber 2 oder 3 Kinder in so einem knappen Abstand sind nochmal eine körperlich sehr anstrengende Zeit, die sich dann natürlich zusätzlich auf die „Geduld“ ausdehnt. Lg, halte durch! Es wird besser! Bestimmt!

    1. Oh Beatrice! Willkommen, wie schön, dass du hier bist! Ich lese gerne bei dir und freue mich über deinen Kommentar!
      Ja, dass es besser wird glaube ich ja und bezweifle es auch gar nicht. Aber an manchen Tagen würde ich wirklich gern einfach auswandern. Aber wem sage ich das… 3 Kinder in so kleinem Abstand, da brauche ich dir ja gar nix mehr erzählen….

  4. Ich kann dich noch etwas unterbieten. 3 Kinder. Einmal 15 Monate Abstand, einmal 13 Monate. Also war mein Ältester mit nur 2 Jahren und 4 Monaten schon das 2. Mal großer Bruder. Es ist anstrengend, klar, aber wunderschön. Ich würde es immer wieder so machen. Meine Kinder können bereits jetzt (6 Monate, 1,5 Jahre, 2,75 Jahre) wunderbar miteinander spielen. Und das wird bestimmt noch besser. In eine Betreuung geht bisher keines meiner Kinder. Habe alle drei rund um die Uhr Zuhause. Und trocken ist hier auch noch niemand. Also auch 3 Wickelkinder seit 6 Monaten (und seit 18 Monaten 2 Wickelkinder). Ich bin allerdings auch froh, wenn abends alle drei im Bett liegen und hoffentlich keiner zahnt 😉 Und wenn in 2-3 Jahren keiner mehr gewickelt werden muss.

  5. Hallo. Ich habe zwei Kinder. Die sind weniger als ein Jahr auseinander (genau 51 Wochen)! Und es war gewollt. Es war schon sehr schwer am Anfang aber jetzt ist es wirklich schön! Die sind gerade 4&5 geworden und, ehrlich, die spielen den ganzen Zeit mit einander. Natürlich streiten sie manchmal aber die sagen sich sicher 10 mal pro Tag wie sehr sie sich lieben….

  6. Hier 4 unter 5 und keine Zwillinge. Nr.1 wird jetzt 7.Es ist und bleibt das anstrengendste was ich je gemacht habe aber auch das Beste. Und es wird leichter!

  7. Ich hab auch 3 Mädels 49Monate (4J 1M), 33 Monate (2J 10M), 17 Monate….meine Mädels kamen also fast auf den Tag genau 16 Monate nacheinander….und ja es ist anstrengend manchmal sehr aber mittlerweile können die 3 an guten Tagen mal 1h gemeinsam spielen ohne verletzte ?.
    Ich kann mit allen dreien zum Supermarkt (sogar ohne Wagen *lol*)
    Sie passen aufeinander aufen schlafen gemeinsam und wenn einer der 3 mal einen Omatag hat wird er abends sehnsüchtig erwartet.

    Ich würde es trotz der Strapazen immer wieder so machen weil ich sehe wieviel sie aneinander wachsen ♡♡♡♡
    #threelittlegirls_mum
    # dreiunterdrei #teamrosa

    1. Das klingt ganz zauberhaft <3

  8. Liebe Kathrin, ich muss gestehen, jedes deiner Worte könnte von mir sein,genauso!!! Beim lesen könnt ich mich weg schreien, aber eigentlich ist es gar nicht so lustig. Wir haben bewusst versucht einen kurzen Abstand zu haben u ich könnt mich dafür ohrfeigen. Aber letztendlich bin ich die glücklichste Mama der Welt so wie du auch. Man muss es nehmen wie es kommt. Mit viel Kaffee, Schokolade, Musik und was es sonst noch erleichtert.

    1. Komm an mein Herz, Schwester! ???

  9. Nur Mut!
    Meine Kinder sind 2Jahre und einenMonat auseinander, inzwischen im Teenageralter und am Wochehende schlafen wir alle mindestens bis Mittags.
    Ich liebe Deinen Blog <3

    1. Wow! Und ich liebe deinen Kommentar! Das gibt mir Hoffnung 😀 Danke!!

  10. Hach hab ich gelacht, herrlich am Ende!!!
    Ich hab auch 2 unter 2 gehabt (sind jetzt 2 und 3) und ich kann sagen, dass es tatsächlich besser wird. Meine Räuber sind nur 15 Monate auseinander (ups) und tatsächlich hab ich über ein Jahr lang „einfach nur irgendwie überstehen“ gelebt. Nicht schön! Besonders nicht für die große Schwester, denn sie hat am meisten gelitten – Mama war nur noch ein nörgelnder Schatten und hatte ständig mindestens ein Baby/Kleinkind auf dem Arm. Doch wir haben eine Lösung gefunden: raus aus der KiTa und den ganzen Tag Familie, so haben wir ganz langsam wieder zu uns gefunden. Und heute habe ich drei wunderbare, wilde, extrem kameradschaftliche und manchmal furchtbar streitlustige Räuberkinder. Und ich kann auf dem Sofa/ der Terrasse oder der Spielplatzbank sitzen und sie einfach machen lassen. Nicht immer aber ziemlich oft. Und dann sind die schlimmen Zeiten vergessen und es ist alles gut, so wie es ist.
    Liebe Grüße,
    Maria von OstSeeRäuberBande

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