Klopapier

Im Möbelhaus muss ich auf die Toilette. Dabei hasse ich das doch, pinkeln auf öffentlichen Toiletten. Es ist heiss, es ist stickig, es gibt kein Fenster. Dafür aber Bakterien, deren Namen ich nicht mal aussprechen könnte. Aber ich hab zwei Kinder in zwei Jahren gekriegt. Aufhalten ist ganz sicher nicht die beste Option, die ich habe.

Ich drücke die Tür zu Kabine zwei auf. Gerade als ich die Buxe runtergezogen habe, stelle ich fest, dass kein Klopapier mehr da ist. Ja, fantastisch – passt ja zum Tag. Heute ist alles so gelaufen, wie die Toilette, auf der ich mich nun befinde: so richtig beschissen. Pech und der dumme Zufall geben sich ständig die Klinke in die Hand und ich mittendrin. Ich hab keinen Bock mehr. Solche Tage rauben mir die Kraft und Energie und ich will einfach nur, dass er endet. 

Ich ziehe die Hose wieder hoch, rolle die Augen und brummele mir irgendwas in den nicht vorhandenen Bart. Darüber, was das für ein scheiss Tag ist und dass ja ganz klar war, dass hier jetzt kein Papier ist und dass ich mit Sicherheit gleich in der nächsten Kabine auch keins habe und es ehrlich gesagt auch von allen am Schlimmsten hab.

Mit einem genervten Ruck schließe ich die Kabinentür auf und gehe hinaus. Bevor ich in Kabine eins die Tür hinter mir zu ziehe, kontrolliere ich den Behälter auf seine Fülle. Es scheint genug da zu sein, um nach dem Pissen nicht abschütteln zu müssen, wie damals, mit 8 Jahren, als Mama noch die Knie…. ach lassen wir das. Ich setze mich hin, meckere irgendwas mit „Na immerhin“ und verrichte, was es zu verrichten gibt.

Plötzlich höre ich die Tür des Vorraumes. Jemand schlurft hinein und steuert auf die Kabinen zu. Ich könnte kotzen. Eigentlich wäre ich jetzt fertig und könnte spülen, doch ich überlege ob ich noch herüber rufe, dass da kein Papier ist. Aber das wird sie doch merken? Oder? Sie wird es merken. Oder?

In der Kabine neben meiner höre ich es plätschern. Nein. Sie hat es nicht gemerkt.

„Aha“, denke ich und „Gut.“ Ich spüle und denke: Ganz egal, wie scheisse dein Tag ist, was für ein Mist dir passiert und wie viele Herausforderungen du heute hattest – irgendwo da draußen gibt es jemanden, der nicht gerafft hat, dass da kein Klopapier mehr ist. Und der jetzt abschütteln muss, so wie damals, mit 8 Jahren, als deine Mutter noch ihre Hände in deine Kniekehlen legte und in gebeugter Stellung dafür sorgte, dass du dir nicht selbst gegen dein Bein pisst.

Als ich meine Kabine verlasse und mir die Hände wasche, stelle ich fest, dass nicht mehr viele Papierhandtücher da sind. Ich benutze die Seife, drehe den Hahn auf, wische mir meine Keim-Bazillen-Wasser-Mischung am Kleid ab und lasse die Handtücher für die unbekannte, gesichtslose Abschüttlerin von nebenan.

Vielleicht hat die nämlich einen genau so beschissenen Tag und kann den kleinen Moment mit Wasser, Seife und Papiertuch gut gebrauchen.

Ich meine hey. Der Tag war die Hölle. Aber ich? Ich hatte wenigstens Klopapier.

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