„Von einer Eingewöhnung, die keine Eingewöhnung ist!“ Ein #Rant von Wiebke bei #RabenmütterErzählen

Wiebke ist eine Bloggerkollegin und ihr kennt sie sicher von ihrem Blog Verflixter Alltag. Wer ihren Blog verfolgt, der hat dort bereits gelesen, dass ihr „Wölkchen“, also ihre Tochter, gerade in der Kita eingewöhnt hat. Eine Achterbahn der Gefühle, wie sie es beschreibt – keine Frage, das ist es doch immer. Denkt ihr. Dachte ich auch. Doch leider ist bei Wölkchen’s Eingewöhnung so viel schief gelaufen, dass Mutter und Tochter nun ein wenig demoralisiert sind. Und weil Wiebke dringend ihrer Wut über das Unvermögen der Kita und der vielen Missgeschicke im Laufe der letzten Wochen Luft machen musste, findet sich ihr Rant dazu heute hier auf dem Blog.

Liebe Wiebke, vielen Dank, dass ich deinen Gedanken einen Platz verschaffen darf und die #RabenmütterErzählen Bühne heute eure Geschichte teilen darf. Ich kann deine negativen Gefühle gut verstehen und bin sicher, damit bin ich nicht die Einzige.

Aber lest selbst.

Vorhang auf für Wiebke und ihren Rant zur Eingewöhnung ihrer Tochter

 

dsc_0528_f

 

 

Wie es begann

Ich erinnere mich noch, wie wir alle hoffnungsvoll, aufgeregt aber dennoch gut gelaunt, beisammen saßen. Gebannt lauschten wir auf die Worte der Kita-Leitung und den drei Erzieherinnen, die sich beim Elternnachmittag uns vorstellten. Aus ihren Gesichtern strahlte Zuversicht, aus ihren Mündern quollen Worte, die uns klar machten, dass unsere Kinder bei ihnen in den besten Händen seien. Nach dem Berliner Modell wird eingewöhnt. Vier Wochen. Zuerst wird gespielt, dann rausgegangen, dann Mittag gegessen und schließlich Mittagsschlaf abgehalten. Stufenweise soll sich das Kind an die Kita, den Ablauf und die Erzieherinnen gewöhnen. Die Erzieherinnen lächelten uns an und strahlten ein „Ich gebe alles für Ihr Kind“ aus.

Drei Monate später sitze ich im selben Raum. Diesmal jedoch nicht in einen winzigen Stuhl gefercht, sondern auf dem Fußboden, umgeben von wild zerstreutem Spielzeug und einer Schar von Kleinstkindern. Immer wieder schüttele ich innerlich den Kopf und kann es einfach nicht verstehen.

Wenn man zuvor noch so schön erklärt, nach dem Berliner Modell einzugewöhnen, sollte man dann nicht wissen, was dahinter steckt? Sollte man sich nicht vertraut machen mit der Materie, bevor man sich der Verantwortung von 15 Kindern annimmt? Sollte man nicht die gängigen Modelle und Theorien kennen, bevor man einfach nur das macht, was man eben immer gemacht hat? Sollte man?

 

Das Berliner Modell

Doch zunächst für ein besseres Verständnis hier einmal die harten Fakten zum Berliner Modell:

  • Ziel ist es eine tragfähige Beziehung zwischen Kind und Betreuungsperson aufzubauen, beispielsweise über das gemeinsame Spielen.
  • Um dies zu gewährleisten, sollte die Bezugsperson auch die zeitlichen Ressourcen haben, sich mit dem einzugewöhnenden Kind zu beschäftigen.
  • Die Eingewöhnung erfolgt innerhalb von zwei bis vier Wochen, je nach Stärke der Bindung des Kindes zu seinen Eltern. Sicher gebundene Kinder brauchen mehr Zeit, unsicher gebundene Kinder weniger. Kinder sollten demnach je nach Bindungsintensität unterschiedlich behandelt werden.
  • Beim Trennungsversuch (frühestens an Tag 4) soll sich der Elternteil vom Kind verabschieden.
  • Wird die Trennung nicht akzeptiert, sollte bis zur zweiten Woche mit einem neuen Versuch gewartet werden.

 

Oft kritisiert am Berliner Modell wird die Starre des Modells und der geringe Bezug zu den individuellen Bedürfnissen des Kindes, wobei ich hier schon einen Spielraum sehe, der ja je nach Stärke der Bindung des Kindes gemacht wird. Abseits von den zeitlichen Vorgaben sind die Inhalte für mich jedoch in großen Teilen nachvollziehbar, wie der Bindungsaufbau zur Betreuungsperson und das Verabschieden im Trennungsversuch.

 

Wo ist er denn nun, der Rant? Hier!

Nun ist es ja schön und gut, wenn solche Modelle existieren, und wenn Kitas angeblich danach handeln. Hört sich für Eltern ja auch erstmal so an, als wüssten die Erzieherinnen, was sie tun, wenn sie sich nach einem spezifischen Modell orientieren. Das klingt doch nach Expertise. Da kann man doch vertrauen.

 

Blöd nur, wenn man sagt, dass man etwas so und so macht, und es dann aber nicht tut. Denn viele Punkte, die eben angesprochen wurden, wurden bei uns von den Erzieherinnen nicht beachtet. Und ich frage mich: Warum? Warum handeln sie so wenig nach dem Berliner Modell, wenn sie sich doch offiziell daran orientieren? Haben sie keine Lust? Halten sie das Modell vielleicht für Blödsinn und boykottieren es insgeheim? Oder wissen sie es einfach nicht besser?

 

Ich persönlich glaube ja Letzteres ist der Fall. Sie wissen es nicht besser. Es macht mir den Anschein, dass sie überhaupt keine Ahnung haben, was das Berliner Modell ist und was es beinhaltet. Warum ich das denke? Hier mal ein paar Beispiele:

 

1. Fehlende Begrüßung

Bei der Begrüßung geht es ja schon los. Wir betreten den Raum und alle Erzieherinnen bleiben einfach auf ihrem Platz sitzen. Sie schauen her, lächeln uns zu und gehen dann wieder ihrer „Arbeit“ nach. Ich bin dann diejenige, die Wölkchen in den Raum begleitet, sie zum Spielen animiert oder den immer noch auf dem Boden sitzenden Erzieherinnen die Hand reicht. Das kann doch echt nicht wahr sein!

 

2. Fehlende Bezugsperson

Wer die Bezugsperson von Wölkchen sein soll, wurde mir erst auf Nachfrage mitgeteilt. Die Antwort lief etwa wie folgt ab: „Das machen wir alle drei. Also wir versuchen eigentlich alle drei eine gutes Verhältnis zum Kind aufzubauen. Weil es ist ja auch nicht immer jeder da.“

Am Ende schaute sie in den Unterlagen nach, wer Wölkchen zugeteilt ist. Aber die mache dann eben die Entwicklungsgespräche, im Kita-Alltag mache das keinen Unterschied.

 

Ne ist klar. Es ist ja auch viel einfacher für das kleine, überforderte Kind, sich gleich DREI Personen gleichzeitig zu öffnen und Vertrauen zu fassen. Lieber bei Dreien überall ein bisschen, als bei einer Person so richtig wohl fühlen. Da ist doch mal ein Plan.

 

3. Fehlende Kontaktaufnahme

In den ersten Tagen der Eingewöhnung zeigte sich dieses „Alle für einen“ in einem „Niemand für einen“. Denn niemand schien sich zuständig zu fühlen für mein Wölkchen. Selten nahm jemand Kontakt auf, keiner nahm sie auf den Schoß. Einmal saß die offizielle Bezugserzieherin zwei Meter von Wölkchen entfernt auf ihrem Stühlchen und lächelte in die Runde. Sie hatte nichts zu tun und hätte so einfach mal auf Wölkchen zugehen können. Hat sie aber nicht. Ist ja schön, wenn sie so gutgelaunt in ihren kleinen, rollbaren Drehstühlen in der Ecke sitzen und in die Gruppe lächeln. Aber das reicht mir nicht. Das reicht meinem Wölkchen nicht.

Für die Erzieherinnen beginnt die Kontaktaufnahme in dem Moment, in dem die Eltern das erste Mal den Raum verlassen. Doch genau dann wird das Kind von einer völlig fremden Person getröstet, und nicht von einer Bezugsperson, wie es eigentlich sein sollte. Das Kind wird alleine gelassen, mit 14 anderen fremden Kindern und drei fremden Erwachsenen. Und die einzige Bezugsperson, die bislang in dem Raum anwesend war, hat selbigen soeben verlassen: die Mutter. Wie soll das Kind denn da NICHT losweinen?!!!

 

4. Ressourcen

Der Personalschlüssel wurde für die Eingewöhnung nicht angepasst, damit sich die Erzieherinnen besser um die einzugewöhnenden Kinder kümmern können. In der ersten Woche war die Erzieherin mit fünf Kindern nachmittags alleine und hatte kaum Gelegenheit Kontakt zu Wölkchen aufzubauen (von verpassten Chancen mal ganz zu schweigen). Die zweite Woche startete damit, dass zwei fiebernde Kinder plus zwei einzugewöhnende Kinder plus eine kranke Erzieherin den Supergau brachten. Auf dem einen Schoß saß ein fieberndes Kind, auf dem anderen Schoß ein getrenntes einzugewöhnendes Kind und an der Tür heulte das zweite fiebernde Kind vor sich hin. Am Ende war ich es, die den Kindern zur Obstmahlzeit das Essen austeilte, weil alle zwei Erzieherinnen keine Ressourcen mehr hatten. Das geht so nicht!!! Dass sich an diesem Tag niemand von den Erzieherinnen um Wölkchen kümmern konnte, das brauche ich wohl nicht mehr zu erwähnen.

 

5. Individuelle Anpassung

Sie machen keine Unterscheidung zwischen sicher gebundenen Kindern (siehe Wölkchen) und weniger sicher gebundenen Kindern. Alle Kinder durchlaufen die vier Wochen. Alle Kinder sollen spätestens in der zweiten Woche von den Eltern getrennt werden. Als ich darauf hinwies, dass ich an Tag sechs (nach dem turbulenten Tag mit den zwei fiebernden Kindern und der kranken Erzieherin) noch nicht denke, dass Wölkchen bereit für eine Trennung ist, schauten sie mich vorwurfsvoll an. Sie verwiesen darauf, dass dann die weitere Planung Probleme machen würde und es hinten heraus ziemlich eng werden könnte.

 

Na, dann geben Sie sich doch mal Mühe“, hätte ich da am liebsten zurück gebrüllt.

 

Individuelle Anpassung erfolgt hier nur auf Drängen der Mutter und mit dem Groll der Erzieherinnen.

 

6. Verabschiedung beim Trennungsversuch

Aber den Vogel an Inkompetenz schossen sie ab, als ich miterleben durfte, wie eine andere Mutter sich heimlich aus dem Raum herausschleichen sollte. Als mir dann vorgeschlagen wurde, doch mal den Raum zu verlassen, ging ich zu Wölkchen und sagte ihr, dass ich mal kurz auf die Toilette gehe und gleich wieder komme. Noch während ich den Satz aussprach, weinte sie los. Ich ging dennoch, blieb aber hinter der Tür stehen und lauschte. Erstmals nahm jemand Wölkchen auf den Schoß. Juhuu, ein erster Annäherungsversuch (Achtung Ironie!). Aber – oh Überraschung – sie ließ sich nicht beruhigen. Nach zwei Minuten ging ich wieder hinein, um ein völlig aufgelöstes Wölkchen entgegen zu nehmen. Während für mich Wölkchens Empörung nicht weiter verwunderlich war, war es das für die Erzieherinnen scheinbar schon. Natürlich lag es nicht an ihnen, sondern an meiner Art der Verabschiedung. Ich korrigiere: es lag daran, DASS ich mich verabschiedet habe. „Das nächste Mal schleichen Sie sich raus, dann klappt es bestimmt besser!“.

Hallo? Hackt`s noch? Das werde ich nicht. Als ich genau das (in etwas freundlichere Worte gepackt) erwiderte, schauten sie erneut unverständlich.

 

Aber den Vogel schoss dann die folgende Szene ab: Eine andere Mutter eines einzugewöhnenden Kindes schlich sich – wie von den Erzieherinnen angeregt – heimlich aus dem Raum, ohne Verabschiedung. Ihr Kind spielte zunächst weiter, weil es dachte, seine Mutter ist immer noch da. Als es nach einer Weile merkte, dass sie weg war, weinte es bitterlich los und ließ sich auch nicht mehr beruhigen. Kein Wunder. Es wusste ja auch nicht, warum sich seine Mutter plötzlich in Luft aufgelöst hatte. Die Mutter wird wieder hereingerufen und das Kind beruhigte sich auf ihren Arm wieder. Die Erzieherin resümiert den Versuch mit „Na, das hat doch schon ganz gut geklappt heute“. Wie weit Wahrnehmungen hier auseinander gehen können.

 

Das nächste Mal bringe ich ein Exzerpt zur Bindungstheorie mit. Das können sie sich dann durchlesen, während sie lächelnd auf ihren Drehstühlen sitzen und Däumchen drehen. Oder ich schicke es gleich der Kita-Leitung mit der Aufforderung, doch bitte ihre Erzieherinnen auf die Herausforderung der Eingewöhnung vorzubereiten. Schließlich liegt das Wohl unserer Kinder in ihren Händchen und die Weichen für alle weiteren Trennungsversuche im Leben von Eltern und Kind werden genau hier gestellt. Aber dieser Verantwortung scheinen sich diese Personen in keinster Weise bewusst zu sein.

 

So. Nu isses raus.

 


 

Die Realität in Kitas oder trauriger Einzelfall? Wie habt ihr die Eingewöhnung eurer Kinder erlebt? Habt ihr die Erzieher*innen oder die Kita-Leitung kontaktiert, wenn die Eingewöhnung euch nicht gefiel, so wie Wiebke? Was lief schief und was lief besonders gut? Ich freue mich auf eure Erfahrungen!

Übrigens: Ende der Woche gibt es hier auf dem Blog, passend zum Thema, eine Zusammenfassung des Vortrages von Joachim Bensel, dem ich auf dem Attachment Parenting Kongress zum Thema Eingewöhnung hörte. Genauer: wie eine Eingewöhnung sanft und bindungsorientiert ablaufen sollte, damit es für Eltern und Kind als Erfolg verbucht werden kann. Dann können wir ja diese Inhalte noch einmal mit Wölkchens Eingewöhnung vergleichen. Ich bin, wie Wiebke, der Meinung da gibt es Aufholbedarf.

21 comments

  1. Oh man, das ist wirklich traurig, dass diese Erzieherinnen so vollkommen ahnungslos auf kleine einzugewöhnende Kinder losgelassen werden. Denn ehrlich, das hört sich hier wirklich nicht nach Böswilligkeit, sondern, wie von der Autorin selbst vermutet, nach Inkompentenz an. So a la „Ham wa imma schon so gmacht!“.

    Wir selbst haben in beiden bisherigen Kita’s (hatten ja leider durch den Umzug einen Wechsel) wunderbare Erfahrungen gemacht, als U3 Kind (mit 2 1/2 Jahren um genau zu sein) wurde herrlich auf die perle eingegangen. Da sie schon Ta-Mu-Erfahrungen hatte war sie eine Trennung von mir schon gewöhnt, aber die Perle ist unglaublich schüchtern und bracuhte trotzdem eine richtige Eingewöhnung. Ihre Bezugs-Erzieherin durfte sie sich selber aussuchen und die gruppe organisierte sich so nach der Sympathie der Kinder. Was in der Theorie sicher problematisch klingt klappt anscheinend in der Praxis seit Jahren hervorragend und ich habe dieses Konzept geliebt. Die Bezugs-Erzieherin hat sich also zum größten Teil um die Perle gekümmert, von der Begrüßung morgens (sie kam aus der Gruppe um die Perle in Empfang zu nehmen und mit ihr in die Gruppe zu gehen) über Pflege (Wickeln, Essen etc.) und Integration ins Spiel/die Gruppen-Routine. Es war ein Traum und die Perle integrierte sich super gewöhnte sich toll ein.

    Die Eingewöhnung in der zweiten Kita verlief etwas anders. Die Perle war hier fast 4 jahre alt und kam an als das Kita-Jahr schon angefangen hatte (Mitte November). Zeitgleich startete ein anderes Mädchen in ihrem Alter. Also meisterten die Beiden einfach alles zusammen, frei nach dem Motto „zusammen ist man nicht allein“. Das war perfekt (vor allem weil nebst der neuen Umgebung halt auch noch die Sehnsucht zu dem Alt-Bekannten hinzu kam, inkl heftiger Erzieher-Vermissung). Hier war das nun nicht unbedingt die Kita, sondern die Umstände, aber der Perle wurde immerhin ihr Freiraum gelassen das so zu händeln wie SIE es wollte.

    1. Das klingt bei Euch wirklich traumhaft. Es ist schön, dass Ihr die Betreuung und Fürsorge in der Eingewöhnung erhalten habt, die jedem Kind zu Teil werden sollte!

  2. Wow, ich kann Deine Unzufriedenheit und Wut total verstehen! Das liest sich schrecklich. Bei uns lief es komplett anders und ich denke, unser KiGa ist für uns ein echter Lottogewinn. Wie wird es bei Euch weitergehen? Wie wirst Du damit umgehen?
    Ganz herzliche Grüße und alles Liebe,
    Steffi

    1. Liebe Steffi. Inzwischen geht es gut. Ich habe auf meine Bedingungen bestanden und durchgesetzt (ohne die Erzieherinnen anzugehen. Sie sollen ja mein Kind noch mögen). Heute habe ich Wölkchen das zweite Mal direkt an der Tür abgegeben und das erste Mal gab es keine Tränen. Ich bin froh, dass ich auf meinen Weg bestanden habe, sonst hätte das sicherlich anders ausgesehen.

  3. Ach du je. Rausschleichen? Das ist nun wirklich inzwischen in der Pädagogik absolutes Basiswissen, dass man das nicht machen darf. Ehrlich erschreckend, dass sowas heutzutage noch propagiert bzw. angewandt wird. Die armen Kinder und Eltern, die das mangels besserer Infos, mitmachen müssen.

    Eingewöhnung ist ein schwieriges Thema, denn es spielen so viele Dinge mit rein. Neben der Persönlichkeit aller Beteiligten natürlich noch die Vorerfahrung, die sie gemacht haben, die aktuelle Gruppenstruktur und und und. Deswegen bin ich bei dem Berliner Modell auch etwas skeptisch, denn es ist nur ein Modell. Sich daran sklavisch zu halten kann auch nicht die Lösung sein.

    Aber natürlich muss man gewisses Basiswissen einfach haben. Wie Bindung grundlegend funktioniert und wie Vertrauen entsteht (nicht durch Wegschleichen!).

  4. Ich bin völlig schockiert! Deine arme Tochter. Das geht gar nicht! Bin selber Erzieherin (in der Krippe) und bin mit meinen Kollegen gerade in der Phase der Eingewöhnungen. Wir arbeiten auch angelehnt ans Berlinermodell, aber das isz ja nicht mal annähernd das Berliner Modell. Wir tun alles damit eine Erzieherin Zeit hat für das neue Kind. Die ersten drei Tage (je nach Kind und Bindung eben auch länger) mit Mama und Kind. Vor allem Kontakt mit der Mutter, damit das Kind merkt und spürt Mama vertraut uns, also kannst du es auch. Frühstens nach drei Tagen der erste trennungsversuch. Mit verabschieden!! eben auch aus dem Grund den du nanntest! Dann auch nur maximal 10 min. Wie war das Kind? Fröhlich? Traurig? Ließ es sich trösten. Wenn ja der nächste Tag halbe Stunde, dann nächste Tag eine Stunde, dann vier Stunden
    Ließ das Kind sich nach der ersten Trennung nicht trösten? Fann bleibt Mama nochmal Ne woche dabei!! Und erst wenn wir und MAMA (alles erfolgt in Absprache) sehen das Kind ist beriet für eine neue Trennung. Dann erst gibt rs eine (und wieder mit verabschieden und 10 min nur) alles andere ist eine Crux und völlig überfordern für die kleinen Mäuse.
    Es beleidigt den Beruf und mich persönlich, dass es Erzieher gibt, wie bei deiner kleinen, die so inkompetent und uneinfühlsam sind.
    Du solltest wirklich mit fer Leitung sprechen und im schlimmsten Fall die Einrichtung wechseln! An sonsten empfehle och dir dringend eine Tagesmutter, die würde dass vielleicht besser managen können..

    Liebe grüße und alles Gute für deine kleine und dich!

    1. Vielen Dank, Sekyna, für deine Rückmeldung. Das bestärkt mich noch mal in meinem Gefühl, dass hier was schief gelaufen ist. Ich habe auf die Zeit bestanden, die meiner Meinung nach W8lkchen braucht. Und nun geht es gut. Gerade sitzt Wölkchen in ihrer Gruppe und spielt. Der Abschied verlief tränenfrei! Wenn ich mich an die Erzieherinnen gehalten hätte, hätte das sicherlich anders ausgesehen.

      1. Mein Herz klopft bis zum Hals, weil deine Geschichte wirklich von mir sein könnte. Alle leiden und finden keine Lösung, wie die Eingewöhnung ablaufen könnte, ohne das meine Huli traumatisiert ist. Sie lässt sich nicht beruhigen, der Aktionsradius wird immer kleiner und meine Bereitschaft für weitere Trennungen schwindet. Wie habt ihr die Wendung denn geschafft?

        1. Es ist traurig zu hören, dass sie scheinbar so vielen anderen ähnlich erging. Ich hatte darüber auch gebloggt, wie es besser wurde. Habe nur grad den Link nicht. Ich bin bei der Begrüßung und Verabschiedung zu jeder Erzieherin gegangen, und habe sie, zusammen mit Wölkchen, begrüßt und verabschiedet. Ich habe Wölkchen immer wieder zu einer Erzieherin gesetzt, die mir am meisten zusagte und uns quasi die Bezugserzieherin ausgesucht. Ich habe mich selbstverständlich immer verabschiedet, mit einem Lächeln im Gesicht. Und irgendwann ging es dann.
          Ich wünsche Euch viel Glück!!! Haltet durch!

  5. Hallo,
    bei uns war es nicht so ganz, aber ähnlich verkorkst und ich musste schlucken, als das dann auf die akute Erkrankung meines Mannes geschoben wurde, ich möge mir doch mal Beratung holen. Warum soll ich mich beraten lassen, wenn mein Sohn einfach nicht weiß, an wen er sich wenden darf/ kann, wenn er traurig ist? Er lief so nebenher als eines von acht (!) Eingewöhnungskindern von insgesamt zwölf. Da mein kleiner Sohn acht Monate alt ist und ich deshalb noch zuhause bin, hingen wir insgesamt sechs Wochen in der Kita rum, bis der „Grosse“ (gerade 2) den Absprung schaffte. Dazwischen sind wir einfach mal wieder eine Woche zuhause gewesen, weil ich deren Druck zu gehen nicht hinnehmen und ihn von den Schultern des Kindes nehmen wollte….

    Jetzt fühlt er sich aber offenbar ganz wohl. Ich drück dich und hoffe, das Wölkchen jetzt auch ihren Platz gefunden hat.

  6. Oh je, liebe Wiebke,

    da habt Ihr ja schon einiges mitgemacht! Wie weit seid Ihr denn jetzt in der Eingewöhnung?

    Wir haben zum Glück mit beiden Kindern eine tolle Eingewöhnung erlebt, vielleicht liegt das aber auch daran, dass die Kitas in Berlin bzw im Berliner Umland liegen/lagen und man das Model hier aus dem ff kennt und versteht 😀 Meine Kinder sind aber auch beide, trotz guter Bindung, sehr kontaktfreudig und ggü Erwachsenen nicht schüchtern (ohne, dass sie mit jedem mitgehen würden, aber sie nehmen von sich aus Kontakt auf und fordern diesen auch ein, wenn sie merken, dass es für uns okay ist). Daher waren beide Eingewöhnungen glücklicherweise unkompliziert und nach gut 2 Wochen durch. Da ich selbst gelernte Erzieherin bin und bereits eine Eingewöhnung von 5 Kindern aus dieser Perspektive miterlebte, fällt es mir aber auch sehr leicht mich als Mama abzugrenzen, wenn ich mit etwas nicht einverstanden bin und notfalls auch die „Ich weiß wovon ich rede“-Karte auszuspielen.

    Was Du da schilderst finde ich grausig, besonders die Nummer mit der ausbleibenden Verabschiedung, denn sie mag das Kind vl stärker zu den Erziehern drängen, am Ende kann sich das aber auf Eure Mutter-Kind-Bindung auswirken.

    Ich hoffe, dass Du für das Wölkchen noch was bewegen kannst und Ihr am Ende eine tolle Kindergartenzeit erlebt <3

    Liebe Grüße
    Lotti

    1. Vielen Dank. Ich denke das wird schon. Heute hat Wölkchen das erste Mal mit Mittag gegessen. Sie macht sich. Mitte nächster Woche wird sie dann das erste Mal mit schlafen. Das ist dann nochmal spannend.

  7. „Sicher gebundene Kinder brauchen mehr Zeit, unsicher gebundene Kinder weniger.“…ist es nicht genau anders herum!!? Und wenn nicht, aus welcher Quelle stammt diese Aussage?

    1. Guten Morgen Jessica,
      ich werde Wiebke bitten die Quelle noch anzugeben. Ich kann dir nur sagen, dass zum Beispiel Joachim Bensel in seinem Vortrag darüber, wie eine sanfte, Bindungsorientierte Eingewöhnung als Erfolg verbucht werden kann, auf dem Attachment Parenting Kongress Anfang Oktober in Hamburg, genau das gleiche sagte. Es gibt dazu Studien, die zeigen, dass sicher gebundene Kinder bei Beginn der Eingewöhnung mehr negative Stressanzeichen zeigten, dafür aber weniger physische und dass unsicher gebundene Kinder zwar weniger Anzeichen zeigten (also auf den ersten Blick schneller seien), dafür aber auch nach Monaten noch schwer zugänglich und verschlossen.

      Viele Grüße,
      Kathrin

  8. Hallo,
    danke für diesen Bericht!! Ganz genau so lief es bei uns ab, weswegen wir dann alles gekanzelt haben und unsere Tochter noch ein viertes Jahr zu Hause behalten.

  9. Fast genauso lief es bei uns ab! Schrecklich, darüber nachzudenken. Das war im Februar diesen Jahres, unser Sohn drei Jahre alt. Wir hatten dann großes Glück und konnten im Juni in einen anderen Kindergarten wechseln. Es ist wirklich so interessant, wie unterschiedlich Kindergärten sein können. Ich hätte sowas vorher niemals geahnt! Unser Sohn fühlt sich super wohl und willkommen, man wendet sich IHM als Person zu!
    Unglaublich, was innerhalb der Kindergarten-Mauern so vor sich geht. Ich bin immer noch, schon wieder und jetzt noch viel mehr erschüttert.

  10. Liebe Kathrin, liebe Wiebke,

    der Rant ist zwar nun schon etwas her, aber weil es bei uns gerade Thema ist (https://freeyourfamily.net/2018/05/entspannte-eingewoehnung/) , beschäftigt mich Wölkchen Eingewöhnung.

    Ich habe als Erzieherin (und Praktikantin) viele Eingewöhnenden mitbekommen und selbst gestaltet. Tatsächlich ist es so, dass wichtige Aspekte in meiner Ausbildung NIE Thema waren. Weil man der Meinung war, dass man das Prinzip der Eingewöhnung am ehesten in der Praxis lernt.

    Je nach Mentor bekommt man dann eben mit, dass es als normal gilt, wenn ein Kind weint bzw. es irgendwann schon wieder damit aufhört. Wollte ich als Praktikant die Situation (z.B. mit Trost) erleichtern, wurde das abgelehnt. Die Eltern wurden angelogen, dass sich ihre Kleinen ja sofort wieder beruhigt hätten (dabei weinten die Krippenkinder ewig bis sie irgendwann teilnahmslos und „leer“ ein Spielzeug auf dem Teppich vor- und zurückschoben).

    Als ich nach den fünf Jahren Ausbildung selbst auf Kinder „losgelassen“ wurde, hatte ich ziemlich „Schiss“ vor den ersten Eingewöhnungen. Ich wollte auf keinen Fall so mit Krippenkindern umgehen, wie ich es von „erfahrenen“ Erzieherinnen gelernt hatte.

    Schließlich klappte alles gut, weil ich mit jungen Eltern und ihren Sprösslingen nicht irgendein Modell durchzog, sondern auf mein Gefühl und Verstand vertraute.

    Als oberstes Gebot stand bei mir immer, dass sich NIEMALS jemand davonschleicht.

    Zum Glück gibt es viele tolle Einrichtungen UND Erzieherinnen mit Herz, das schon während der Eingewöhnung schlägt. Und das wünsche ich jedem Kind, das fremdbetreut wird.

    Danke, dass auch mal negative Erfahrungen geteilt werden. Es ist eben nicht immer alles Friede-Freude-Ei(ersatz)kuchen.

    Alles Liebe, Evelin

  11. Huch, auch noch Tippfehler zu späten Stunde! Entschuldigt, das ist sonst nicht meine Art. 😀

Schreibe einen Kommentar